Spiel mit verdeckten Karten

TENNIS. Die Anspannung vor dem Daviscup-Final ist in beiden Lagern gross. Weder die Schweizer noch die Franzosen geben Einblick in ihre Pläne. Sicher ist: Roger Federer wird heute in Lille spielen. Sein Gesundheitszustand bleibt indes geheim.

Matthias Hafen/Lille
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Richard Gasquet Doppelspieler (ATP 26) (Bilder: ky)

Richard Gasquet Doppelspieler (ATP 26) (Bilder: ky)

Roger Federer kann man nichts mehr vormachen. Der 33jährige Schweizer ist im Begriff, seine 17. Profisaison abzuschliessen. Er kennt die Tenniswelt in- und auswendig, hat schon fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Doch vor dem Daviscup-Final gegen Frankreich werden die Knie des 17fachen Grand-Slam-Champions nochmals weich. Der Pokal des Nationenwettkampfs – er wird wegen seines Aussehens auch die hässlichste Salatschüssel der Welt genannt – ist die einzige grosse Trophäe, die in Federers Palmarès noch fehlt.

Und nicht nur das. Schon die drei Finaltage von heute bis Sonntag sind für den Weltranglistendritten und seine Teamkollegen eine Premiere. Noch nie seit 1998 und Federers Einstieg ins Profigeschäft hat es die Schweiz im Daviscup so weit gebracht wie in diesem Jahr. Als Jakob Hlasek und Marc Rosset 1992 in Texas im zuvor einzigen Endspiel mit Schweizer Beteiligung die USA herausgefordert hatten, war von Federer und Stan Wawrinka noch keine Rede.

Blufft Federer?

Wawrinka wird heute um 14 Uhr gegen Jo-Wilfried Tsonga den Final eröffnen. Federers Rücken dürfte jedoch das dominierende Thema bleiben in Lille. Ist der Schweizer Teamleader wirklich in kritischem Zustand? Oder gehört sein Verhalten zur Propaganda, welche die beiden Nationen schon Tage vor dem Aufeinandertreffen begonnen haben? Federer ist normalerweise ein aufrichtiger Profisportler. Sagt, was Sache ist. Doch auch er ist mit allen Wassern gewaschen. Warum sollte er nicht alles versuchen, um seine Karriere zu komplettieren? Wer weiss, wann er und die Schweiz wieder einmal so nahe am Gewinn des Daviscups sein werden.

Gestern gab die Nummer eins im Schweizer Team Entwarnung. Er fühle sich bereit, um heute im zweiten Einzel gegen Gaël Monfils anzutreten, sagte Federer. «Ob ich zu hundert Prozent fit bin, wird allerdings erst das Spiel zeigen. Es ist wie vor der ersten Runde eines Turniers: Niemand weiss, wie es laufen wird.» Etwas anderes als einen Einsatz des Teamleaders wäre schlicht undenkbar gewesen. Marco Chiudinelli oder Michael Lammer hätten gegen Monfils wohl keine Chance gehabt.

Chiudinelli/Lammer im Doppel

Für das morgige Doppel, das um 15.30 Uhr ausgetragen wird, haben beide Team-Captains die restlichen zwei Spieler des Kaders nominiert. Für die Schweiz sind Chiudinelli und Lammer aufgestellt, für Frankreich Julien Benneteau und Richard Gasquet. Auch das gehört zum Versteckspiel dieser Finalbegegnung, vor der niemand zu viel von sich preisgeben will. Denn bis eine Stunde vor Matchbeginn kann die Aufstellung geändert werden. Und das wird sie in diesem Fall auch.

Frankreich gegen die Schweiz ist ein Spiel mit verdeckten Karten. Ein Spiel, in dem völlig offen ist, wer am Ende mit der Schüssel und wer mit dem Salat nach Hause gehen wird.

Julien Benneteau Doppelspieler (ATP 25) (Bild: MICHEL EULER (AP))

Julien Benneteau Doppelspieler (ATP 25) (Bild: MICHEL EULER (AP))

Arnaud Clément Captain (Bild: SALVATORE DI NOLFI (KEYSTONE))

Arnaud Clément Captain (Bild: SALVATORE DI NOLFI (KEYSTONE))

Gaël Monfils Einzelspieler Nr. 2 (ATP 19) (Bild: Christophe Ena (AP))

Gaël Monfils Einzelspieler Nr. 2 (ATP 19) (Bild: Christophe Ena (AP))

Jo-Wilfried Tsonga Einzelspieler Nr. 1 (ATP 12) (Bild: SALVATORE DI NOLFI (KEYSTONE))

Jo-Wilfried Tsonga Einzelspieler Nr. 1 (ATP 12) (Bild: SALVATORE DI NOLFI (KEYSTONE))