SPENGLER-CUP: Arno und sein Lehrling

Das aufregendste Länderspiel seit 1986 – Arno Del Curtos HC Davos trifft heute ab 20.15 Uhr im Halbfinal auf Patrick Fischers Nationalteam.

Klaus Zaugg, Davos
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22. Saison an der Bande des HC Davos: der 61-jährige Arno Del Curto. (Bild: Melanie Duchene/KEY)

22. Saison an der Bande des HC Davos: der 61-jährige Arno Del Curto. (Bild: Melanie Duchene/KEY)

Klaus Zaugg, Davos

Die Hockey-Götter bescheren dem Publikum im Halbfinal des Spengler-Cups die Partie des Jahres. Arno Del Curto spielt heute mit dem HC Davos gegen die Nationalmannschaft. Spiel des Jahres? Nein, viel mehr. Spiel der Spiele. Das ultimative Schweizer Hockey-Gipfeltreffen. Das aufregendste Länderspiel ausserhalb einer WM oder eines Olympiaturniers seit dem 6. Dezember 1986. Damals traten die Schweizer mit Nationaltrainer Simon Schenk in Bern gegen die Sowjetunion an. Die beste Mannschaft der Welt. Die Schweizer verloren 2:10 und die Zuschauer in der ausverkauften Berner Arena feierten die Sowjets. Patrick Fischer war damals elfjährig und Del Curto Trainer beim 1.-Liga-Club Küsnacht.

Und nun also die Schweiz gegen Davos. Schon einmal hat es diese Partie am Spengler-Cup gegeben. 1964 auf der offenen Eisbahn bei 20 Grad unter null. Die Partie endete 3:3. Die Aufregung hielt sich im Rahmen.

Ein Traum, der nicht in Erfüllung gehen wird

Nun ist die Aufregung gross. Del Curto steht beim HC Davos in seiner 22. Saison und seit dem Rücktritt von Ralph Krueger nach dem olympischen Turnier von 2010 war er immer wieder als Kandidat für den Job des Nationaltrainers im Gespräch. Es gab mehrmals Verhandlungen. Aber der Traum so vieler Anhänger, den charismatischsten Trainer des Schweizer Eishockeys an der nationalen Bande zu sehen, ist nicht in Erfüllung gegangen – und wird nie in Erfüllung gehen. Del Curto bleibt als Coach eine nationale Figur – aber Nationaltrainer wird er nicht.

Wenigstens ist Fischer Nationaltrainer geworden. Von 1999 bis 2003 in Davos in Del Curtos erstem Meisterteam 2002 Stürmer, Leitwolf und Captain. Heute ist der 41-jährige Zuger so etwas wie Arnos Zauberlehrling. Und so spielt heute der Lehrling gegen seinen Meister. Fischers Art, über Hockey zu reden, seine Vorstellungen wie Hockey gespielt werden sollte, erinnern an Del Curto. Aber Fischer ist ein Lehrling geblieben. Er wird nie der nächste Del Curto sein. Während Del Curto seine Hockey-Vorstellungen seit 22 Jahren in ­Alleinregie in die Wirklichkeit umsetzt und den Assistenten höchstens für Handreichungen braucht, wäre Fischer ohne seinen schwedischen Assistenten und Taktiklehrer Tommy Albelin verloren. Um es pathetisch zu formulieren: Zwei Trainer und die besten nicht in Davos engagierten Schweizer der Liga treten heute gegen Del Curtos Davos an. Die Davoser sind den längeren, den viel schwierigeren Weg in den Halbfinal gegangen. Sie mussten drei Spiele absolvieren. Eines davon verloren sie und gestern gerieten sie gegen Hämeenlinna gar 0:2 in Rückstand. Aber die Bündner haben nicht locker gelassen und mit ihrem lei­denschaftlichen Powerhockey die Festung Hämeenlinna Stück für Stück abgetragen bis zum Schlussresultat von 4:2. Die Schweizer sind hingegen in zwei Spielen direkt in den Halbfinal gerauscht.

Wer gewinnt? Die Mannschaft mit dem besseren Torhüter. So einfach kann Eishockey, so einfach kann eine Prognose auch für das Spiel des Jahres sein.

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