SPÄTE FREUDE: Hefti erbt Gold von Doping-Russen

Nach langem Warten hat das IOC entschieden: Bobpilot Alexander Subkow war an den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi gedopt und verliert beide Goldmedaillen. Somit sind die Ausserrhoder Beat Hefti und Alex Baumann Olympiasieger im Zweier.

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Bobfahrer Beat Hefti und sein Anschieber Alex Baumann können ihre Silbermedaille bald eintauschen. (Bild: KEY (Sotschi, 18. Februar 2014))

Bobfahrer Beat Hefti und sein Anschieber Alex Baumann können ihre Silbermedaille bald eintauschen. (Bild: KEY (Sotschi, 18. Februar 2014))

Es ist etwa halb sieben Uhr morgens in Kanada, als Beat Hefti erfährt, dass er Olympiasieger ist – mit fast vier Jahren Verspätung. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) sperrte gestern aufgrund der Erkenntnisse der vom Neuenburger Denis Oswald geführten Untersuchungskommission vier russische Wintersportler wegen Dopingvergehen lebenslang – unter ihnen Bob-Doppel-Olympiasieger Alexander Subkow. Erste Profiteure sind der Schwellbrunner Pilot Hefti und der Steiner Anschieber Alex Baumann, die in Sotschi mit 66 Hundertstelsekunden Rückstand auf Subkow und dessen Anschieber Alexej Wojewoda die Silbermedaille im Zweierbob gewonnen hatten. «Es ist schade, dass der Entscheid erst so spät gefallen ist. Aber es freut einen schon», sagt Hefti. «Ich hoffe, dass Alex und ich nach dem Rennen von heute mit einem Bier anstossen können.»

Das wird gar nicht so einfach sein. Die beiden Appenzeller fahren in diesem Winter nicht mehr zusammen. Baumann ist mittlerweile im Team von Rico Peter engagiert. Doch sowohl Team Peter als auch Team Hefti verweilen derzeit im kanadischen Whistler, der dritten Weltcupstation dieses Winters. Dem gemeinsamen Anstossen auf den verspäteten Olympiasieg sollte also nichts im Wege stehen.

Die Nationalhymne fehlt

Ein bisschen wurmt es Hefti schon, dass er Olympiagold nicht schon in Sotschi hat feiern können. «Es ist nicht mehr das Gleiche», erklärt er. «Der Moment, wenn man auf dem Podest die Nationalhymne hört, kommt nicht mehr zurück.» Vermutungen über Doping bei den russischen Bobfahrern hätte es bereits 2014 gegeben, allerdings habe man eher die Anschieber und nicht Pilot Subkow in Verdacht gehabt, sagt der Appenzeller. «Die Russen waren bei den wichtigen Rennen vor Olympia nie mit ihren Besten am Start.»

Wann genau Hefti und Baumann die Goldmedaillen überreicht bekommen, ist noch nicht klar. Denn Subkow und sein Team werden das IOC-Verdikt beim internationalen Sportgerichtshof in Lausanne anfechten. Trotzdem dürfte Hefti der neunte Schweizer Bob-Olympiasieger sein – der erste seit Gustav Weder 1994 in Lillehammer. (sda)