Souveräner Schweizer Start

Den Schweizer Springreitern gelingt beim Heimturnier in Zürich ein Auftakt nach Mass. Steve Guerdat gewinnt auf Nasa den Grand Prix. Zuvor lässt sich bereits Beat Mändli auf Una Traviatta als Sieger einer Prüfung feiern.

Rabea Huber/Zürich
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Einziger Nullfehlerritt im Stechen: Steve Guerdat auf der Schimmelstute Nasa, die er erst seit November in seinen Zügeln hat. (Bild: freshfocus/Werner Schärer)

Einziger Nullfehlerritt im Stechen: Steve Guerdat auf der Schimmelstute Nasa, die er erst seit November in seinen Zügeln hat. (Bild: freshfocus/Werner Schärer)

REITEN. Die Schimmelstute Nasa steht vor dem Eingang zum Hallenstadion. Ungeduldig scharrt sie mit ihren Hufen. Den grossen Auftritt im Stadion hat sich die Stute verdient. Dann ertönt die Musik, der Scheinwerfer ist auf das Paar gerichtet. Nach der Preisübergabe ertönt die Schweizer Hymne. Es ist nicht das erstemal, dass an diesem Tag der Schweizerpsalm eingespielt wird. Bereits am Nachmittag hatte Beat Mändli eine Prüfung gewonnen. Der Thurgauer, bei dem Steve Guerdat als Junior jeweils die Sommerferien verbracht hatte, um mit ihm zu trainieren, drehte mit seiner Neuerwerbung Una Traviatta eine unglaublich schnelle Runde. Er unterbot die Zeit von Europameister Rolf-Göran Bengtsson um fast zwei Sekunden.

Im GP lief es Mändli aber nicht mehr nach Wunsch. Auf Colore erwischte er aus der Ecke eine schlechte Distanz auf den dritten Sprung. Die Stange des Oxers fiel zu Boden. Durch den Fehler kam das Paar aus dem Konzept, die direkte Linie auf die dreifache Kombination ging nicht mehr auf. Beim Einsprung kam die Stange ebenfalls zu Fall. Darauf stoppte der Wallach mitten in der Kombination und Mändli gab auf.

Die Klippe des Parcours

Die dreifache Kombination diagonal durch das Stadion wurde 21 von 43 Reitern zum Verhängnis. Die Schwierigkeit lag darin, dass der vorangegangene Oxer aus der Ecke Schwung verlangte, in der Linie auf die Kombination aber die Galoppsprünge extrem verkürzt werden mussten. Der Einsprung der Dreifachen bestand zuoberst aus einer Planke, die auf flachen Auflagen plaziert war. Bei der kleinsten Berührung fiel sie in den Sand. Auch bei Guerdat und Nasa wackelte die Holzlatte, sie blieb aber an ihrem Platz. Der Jurassier war einer von sieben Reitern, die keinen Fehler hatten.

Im Stechen beanspruchte Guerdat das Glück nochmals. Gleich zwei Stangen wackelten stark, fielen aber nicht. «Etwas Glück gehört halt auch dazu», sagte der Springreiter. Er war der Einzige, der auch im zweiten Umgang fehlerfrei blieb.

Im Nachhinein betrachtet hätten Guerdat und Nasa sich etwas mehr Zeit lassen können. «Ich wollte nicht auf Null reiten. Denn nach mir kamen noch drei starke Reiter. Zudem läuft es mir meist besser wenn ich etwas angreife und um den Sieg kämpfe.» Die nachfolgenden Konkurrenten im Stechen brachten sich mit Abwürfen selber um den Sieg. Als letzter Teilnehmer unterlag mit Bengtsson auch der Europameister.

Chance auf 300 000 Franken

Guerdat hat durch den Sieg die Chance auf die Spezialprämie von 300 000 Franken. Dafür muss er heute die Hauptprüfung und morgen das Weltcup-Springen gewinnen. Trotz des starken Auftritts von Nasa hat sich Guerdat entschieden morgen den Wallach Nino des Buissonnets zu reiten. «Eigentlich war mein Plan ein anderer. Doch Nino gab mir im Eröffnungsspringen ein solch tolles Gefühl, dass ich auf ihn setzen werde.» Der Jurassier hat derzeit mehrere Spitzenpferde im Stall und die Qual der Wahl. Nasa ist wie auch Carpalo, der heute in der Hauptprüfung startet, erst seit November in seinem Beritt. «Die Stute gibt mir viel Vertrauen. Es stimmt mich aber auch positiv, dass es noch viel zu verbessern gibt», so Guerdat. Bereits jetzt arbeitet das Paar toll zusammen. Als Belohnung für ihre Leistung im Parcours und das Stillstehen bei der Siegerehrung, durfte Nasa zum Ende ihres Arbeitstages unter dem Applaus des Publikums die Ehrenrunde im Galopp anführen.