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SORGENKIND: Wie weiter, Nassim Ben Khalifa?

Nassim Ben Khalifa wollte mit dem FC St.Gallen durchstarten. Doch der 26-jährige Stürmer kam selten auf Touren, ihm fehlte auch das Vertrauen. Zuletzt gab es für ihn aber wieder Aufsteller. Daran hält er fest.
Christian Brägger
Seltener Jubel mit Danijel Aleksic: Gegen Sion erzielte Nassim Ben Khalifa sein einziges Tor. (Bild: Urs Lindt/Freshfocus (Sitten, 15. Oktober 2017))

Seltener Jubel mit Danijel Aleksic: Gegen Sion erzielte Nassim Ben Khalifa sein einziges Tor. (Bild: Urs Lindt/Freshfocus (Sitten, 15. Oktober 2017))

Christian Brägger

Die Geschichte scheint sich zu wiederholen. Jetzt gerade, im FC St.Gallen. Sie handelt davon, dass da einer sein Talent vergeudet, letztlich zu wenig aus sich her­ausholt. Weil er sich nicht ­genug Zeit gibt und vorschnell weiterzieht, wenn es gut ist. Oder dem Verein den Rücken kehrt, falls es bald einmal nicht läuft. Nassim Ben Khalifa scheint gefangen in dieser, seiner Geschichte, in der er sich überdies den Ruf eingehandelt hat, als Mensch ­anders zu sein. Wobei das nichts Schlechtes bedeuten muss.

Von alldem will Ben Khalifa nichts wissen. Es interessiert ihn nicht. «Diese Sicht stammt von Aussenstehenden. Ich kenne meine Qualitäten», sagt er selbstbewusst. Fakt ist: Der Stürmer steht wieder einmal an einem Scheideweg. Nach der Winterpause fand er gegen die Young Boys und den FC Zürich keine Aufnahme im St.Galler ­Aufgebot, ausgerechnet er, der U17-Weltmeister 2009 mit der Schweiz. Jeweils nach dem Abschlusstraining wird eine Liste in der Garderobe ausgehängt – Ben Khalifas Name stand in der Spalte der Überzähligen. Der 26-Jährige sagt: «Als Junger akzeptierst du solche Dinge problemlos. Aber wenn du in meinem Alter spürst, dass man nicht auf dich zählt? Das ist schon eine schwere Situation.» Statt der Vorbereitung auf die Meisterschaftspartie musste er also am Spieltag mit anderen Tribünengästen wie Karim Haggui oder Andreas Wittwer Kondition trainieren.

Verhältnis zum Trainer im Boulevard thematisiert

Hinzu kam die Geschichte des Boulevards, die das Verhältnis zwischen dem Spieler und Trainer Giorgio Contini thematisierte. Es sei gestört, ja inexistent, hiess es. Weil der Coach nicht mit Ben Khalifa rede, ihn links liegen lasse. Zum Artikel will sich der gebürtige Tunesier nicht äussern, er sagt einzig: «Es ist nicht Aufgabe des Trainers, viel zu reden. Meine Aufstellung gegen Basel hat jedoch jedem gezeigt, dass er mich nicht abgeschrieben hat.»

Im vergangenen Spätherbst war Ben Khalifa verletzt, fiel bis zur Winterpause aus. Die Weihnachtsferien in Brasilien, die er mit dem Teamgefährten Toko, dem Gladbacher Denis Zakaria und weiteren Freunden verbrachte, waren nicht nur dazu da, auszuspannen. Er schuftete in Rio auch für seine Rückkehr. Früh in der Vorbereitung aber spürte Ben Khalifa, dass es nicht gut kommen könnte in der zweiten Saisonhälfte. Einmal wurde er ganz übergangen, einmal nur für ­wenige Minuten eingewechselt. Und das in Testspielen.

Der frankofone Ben Khalifa sieht sich als kreativen Spieler, er hat gern den Ball am Fuss, liebt den schönen Fussball, das Ästhetische an diesem Sport. Der italienisch-geprägte Contini indes gilt eher als Pragmatiker und ­Resultattrainer, weshalb da verschiedene Welten aufeinanderprallen, die vordergründig nicht miteinander können; aber auch unterschiedliche Typen können erfolgreich sein, wie das Schweizer Mixed-Curling-Team bewies.

Tatsächlich kam der Stürmer in der Hinrunde jedoch nicht auf Touren. Ein Tor in zehn Einsätzen ist eine magere Ausbeute. Ben Khalifa sagt: «Ich habe versucht, mich anzupassen. Darunter litt meine Leistung. Ich muss spielen, wie ich spielen kann. Sonst bin ich nicht mich selbst. Aber natürlich ordne ich mich dem System unter. Doch das braucht Zeit.» Genau diese Zeit erhalten Stürmer selten, ihr Messerwert sind Tore und Assists. Und so kamen bald Fragen auf, ob der sensible Spieler, dem man Tiefgang und einen Hang zu Selbstzweifel nachsagt, in die eher hemdsärmlige Ostschweiz passt. Oder ob der Wechsel hierher von Lausanne ein Fehler war.

Ben Khalifa verneint, glaubt aber, dass er mehr leisten muss, um zu spielen. «Das habe ich akzeptiert, es spornt mich an und macht mich besser.» Wie aber sieht der Coach den Fall? «Nassim ist ein Vertragsspieler von uns, der sich jedes Wochenende bestätigen kann. Er wird nicht anders behandelt als die anderen. Es geht praktisch nie um die Person, sondern um die Leistung und unser Spielkonzept.» Und dann kam dieses Basel-Spiel, in dem Ben Khalifa beginnen durfte und er ins System passte. Es machte zwar nicht alles sofort besser, doch daraus schöpft der Fuss­baller Hoffnung und Zuversicht. «Ich hätte mir bei einer neuer­lichen Nichtberücksichtigung ­sicher Gedanken über die Perspektiven gemacht. Aber auch das gehört zum Geschäft.»

In der zuletzt schweren Zeit stand Ben Khalifa die neue Führung fest zur Seite. Allen voran Alain Sutter, der, so hört man, stets ein offenes Ohr für die Spieler hat, sie aufmuntert, wenn es nötig ist. Und auf ihre Anliegen eingeht. Sutters Wesen ist vergleichbar mit jenem Ben Khalifas. Als Sportchef ist er der Architekt der sportlichen Zukunft des FC St. Gallen, die dem Verein Spektakel und kreativen Fussball bringen soll. «Nassim hat unglaubliches Potenzial, das hat er immer wieder bewiesen. Bis jetzt war er einfach nicht fähig, das über längere Zeit zu zeigen. Das wäre der nächste Schritt. Ich baue voll auf ihn», sagt Sutter.

Rückendeckung gibt Mut für die Zukunft

Nun ist sie also da, die Rückendeckung, die Ben Khalifa so spüren muss. Das Vertrauen, das er braucht, um Leistung zu bringen. Vom Sportchef, mitunter auch vom Trainer. Und es spricht für Ben Khalifas Feingefühl, wenn er selbst in der für ihn schwierigen Situation für Contini Verständnis aufbringt: «Der Coach stellt auf. Er kann es nicht allen recht machen. Letztlich wollen wir, egal wie unterschiedlich wir vom Naturell her sind, beide ja ohnehin dasselbe: Spiele gewinnen.»

Ben Khalifas Vertrag mit St. Gallen läuft bis Sommer 2020. Klischees und Geschichten sind dazu da, sie zu widerlegen, sie zu durchbrechen. Der Stürmer hat es jetzt wieder selbst im Fuss.

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