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SORGENFALTEN: Bachs Finte

Die Doppelvergabe der Olympischen Spiele 2024 und 2028 kann IOC-Präsident Thomas Bach als Coup verbuchen. Sonst fällt die Halbzeitbilanz seiner Agenda 2020 bescheiden aus.
Nikolaj Stobbe (sid), Lima
Der 63-jährige Deutsche Thomas Bach ist seit 2013 Präsident des Internationalen Olympischen Komitees. (Bild: Laurent Gillieron/KEY)

Der 63-jährige Deutsche Thomas Bach ist seit 2013 Präsident des Internationalen Olympischen Komitees. (Bild: Laurent Gillieron/KEY)

Nikolaj Stobbe (SID), Lima

Thomas Bach lächelte auffällig lange, als sich die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo und ihr Amtskollege Eric Garcetti aus Los Angeles in den Armen lagen. Die umjubelte Doppelvergabe der Sommerspiele 2024 und 2028 in Lima kann der IOC-Präsident als Erfolg verbuchen. Ansonsten überwiegen zur Halbzeit seiner Agenda 2020 die Sorgen.

Die 2014 auf der IOC-Session in Monaco begeistert durchgewinkte Reform brachte Olympia bislang noch keinen Gewinn an Glaubwürdigkeit, im Gegenteil. Anhaltende Skandale erschüttern das IOC im Kern, die Zahl der Olympia-Bewerber ist massiv ­gesunken. Für 2024 gab es gerade einmal zwei Kandidaten. Der erhoffte Imagegewinn gelang Bach noch nicht, dennoch widmete er an der 131. IOC-Session in Lima gestern seiner Agenda ­einen halben Tag. Nachhaltigkeit und Glaubwürdigkeit – damit weibelte der einstige Fechter. Wie schlecht es jedoch um die Nachhaltigkeit bestellt ist, bekommt der letzte Gastgeber Rio de Janeiro gerade zu spüren. Die Sportstätten von Barra und Deodoro dümpeln vor sich hin. Rio, ausgelaugt von einer monumentalen Wirtschaftskrise, aber auch vom teuren olympischen Spektakel, hat kein Geld für die Nachnutzung und bettelte das IOC jüngst um 30 Millionen Euro an.

Die Glaubwürdigkeit des IOC wurde zudem durch die jüngsten Skandale weiter beschädigt. Top-Funktionär Patrick Hickey musste nach einer angeblichen Verwicklung in den Rio-Ticketskandal aus der Exekutive zurücktreten. Rios OK-Chef, IOC-Ehrenmitglied Carlos Arthur Nuzman, soll seine Finger beim Stimmenkauf vor der Vergabe der Spiele 2009 im Spiel gehabt haben. Solch zwielichtige Praktiken mächtiger Funktionäre haften dem IOC weiter an. Und dann die hohen Kosten. Noch immer ist Olympia extrem teuer, auch wenn Bach Kostensenkungen für das Bewerbungsverfahren durchsetzte. Und die letzten Ausrichter dienen künftigen Gastgebern, bei denen alles besser werden soll, allenfalls als abschreckendes Beispiel. Für Rio de Janeiro werden die Gesamtkosten mittlerweile auf 11,4 Milliarden Euro geschätzt. Putins Sotschi 2014 mit seinen 50 Milliarden Dollar gilt nach wie vor als Sinnbild des olympischen Gigantismus. Schon jetzt steht fest, dass die Kosten von Tokio 2020 aus dem Ruder laufen.

Bachs Durchgreifen geht nicht weit genug

Paris hat einen Etat von 6,6 Milliarden Euro aufgestellt, Los Angeles kommt mit 4,8 Millionen Euro aus. In Paris setzt man darauf, dass dank Olympia ein Ruck durchs Land geht. «Das ist ein Sieg für uns, für unsere Jugend, für unser Selbstvertrauen», sagte Hidalgo. Und Staatspräsident Emmanuel Macron schwärmte: «Dieser Sieg, das ist Frankreich!» Und Bach? Der ranghöchste Sportfunktionär der Welt hat die Probleme der olympischen Bewegung erkannt und benannt, doch sein Durchgreifen geht nicht weit genug. So auch bei der bislang grössten Affäre während seiner Amtszeit um das staatlich gelenkte Dopingsystem in Russland. Das Riesenreich hatte das IOC mit seinen Dopingpraktiken an den Winterspielen in Sotschi lächerlich gemacht. Doch anstatt mit einem Ausschluss der russischen Mannschaft von Rio oder mindestens einem Verbot von Flagge und Hymne ein deutliches Zeichen zu setzen, durften viele Russen starten.

Erstaunlich ist, welch hohen Stellenwert die Agenda 2020 in der Kommunikation des IOC hat. Dass die Reformen aber meistens nicht weit genug gehen und sich im Kern wenig geändert hat, ist bislang die eigentliche Wahrheit der Agenda 2020.

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