SONDERFALL: Gigantischer Zwerg

Das Fussballteam aus dem Vorarlberger Dorf Altach mischt in Österreich an der Spitze mit. Punktgleich mit Leader Sturm Graz belegt Altach den zweiten Platz der Tabelle. Vor den Wiener Grossclubs und Salzburg.

Daniel Good
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Machtdemonstration gegen Austria Wien: Die Altacher feierten am 6. November im heimischen Schnabelholz den 5:1-Sieg gegen den Wiener Traditionsverein. (Bild: Imago)

Machtdemonstration gegen Austria Wien: Die Altacher feierten am 6. November im heimischen Schnabelholz den 5:1-Sieg gegen den Wiener Traditionsverein. (Bild: Imago)

Daniel Good

Ennet der Schweizer Grenze tut sich Erstaunliches. Die Mannschaft aus der 6000-Seelen-Gemeinde Altach ist in der Tabelle vor den Clubs aus Wien und Salzburg klassiert. Vom Samstag auf den Sonntag waren die Vorarlberger sogar wieder Leader, ehe Sturm Graz die Partie in Wien gegen Rapid mit 2:1 für sich ­entschied. Trainer des Wiener Grossclubs ist seit drei Spielen Damir Canadi, der langjährige Coach der Altacher. Mit etwas Schützenhilfe von Canadis neuem Team hätte Altach sogar wieder den Sprung an die Spitze der Tabelle geschafft – wie schon nach den Runden drei und vier. Ein Unentschieden in Wien hätte dazu gereicht. Aber Sturm gelang in der 85. Minute der Siegtreffer. Wegen der schlechteren Tordifferenz fiel Altach wieder auf den zweiten Platz zurück. Canadi, den Rapid für knapp 300 000 Euro aus dem Vertrag in Altach gekauft hatte, kassierte mit Rapid die dritte Niederlage.

Als Aufsteiger in der Europa League

Mit Wehmut wird der 46jährige Canadi an die Zeiten in Altach gedacht haben, wo er seit 2013 erstklassige Arbeit verrichtet hatte. Aufstieg, Qualifikation für die Europa League und nun ein Spitzenteam in der Bundesliga. Mit der Nachfolge Canadis lassen sie sich Zeit in Altach. Derzeit schaut der Vorarlberger Werner Grabherr zum Rechten. Sie wollen keinen Trainer, der den österreichischen Fussball nicht kennt. Der Name des Neuen dürfte erst nach der letzten Runde am 18. Dezember bekannt werden. Dann spielt Altach zu Hause gegen Rapid. Es kommt zur Rückkehr des Erfolgstrainers, der möglicherweise Goalie Andreas Lukse gleich mitnimmt. Der 29jährige Lukse ist ein «Ur-Rapidler», der von Canadi in Vorarlberg zu einem der besten Goalies Österreichs geformt wurde. Sollte Lukse zu Rapid wechseln, hätte er gute Chancen, die Nummer eins der österreichischen Nationalmannschaft zu werden.

Altach wirtschaftet mit einem Budget von gut 6,5 Millionen Euro. Der Verein steht auf gesunden Füssen. Er wies an der letzten Mitgliederversammlung ein Eigenkapital von 365 000 Euro aus. Der Zuschauerschnitt beträgt 5400. Viele kommen aus der Schweiz.

Das beste Spiel dieser Saison lieferte Altach am 6. November ab, als die Vorarlberger den früheren Europacup-Finalisten Austria Wien mit einer 1:5-Niederlage nach Hause schickten. Es war die letzte Partie unter Canadi.

Oberlins Geringschätzung in Salzburg

Dass Altach heuer wieder so gut ist, hängt mit dem positiven Einfluss der Neuzugänge zusammen. Einer der frischen Spieler ist der 19jährige Schweizer Dimitri Oberlin. Er ist unberechenbar und mit neun Treffern der erfolgreichste Torschütze der Altacher. Oberlin ist eine Leihgabe aus Salzburg. Der Salzburger Cheftrainer Oscar Garcia ist kein Anhänger des jungen Schweizer Stürmers, und Oberlin ist nicht unglücklich darüber, wieder schneller in Zürich zu sein. Er entstammt der Nachwuchsabteilung des FC Zürich und wechselte 2015 nach Salzburg.

Überschwänglich werden sie ob der Erfolge nicht in Altach. Von der Champions League oder dem Meistertitel spricht niemand. Man geniesst den Moment, will aber die Chance, weiter so weit oben zu spielen, am Schopf packen.

Heute spielt Altach daheim gegen Ried. Es kommt zu einem Wiedersehen mit einem alten Bekannten. Orhan Ademi, ennet des Rheins in Heerbrugg aufgewachsen, spielte von 2008 bis 2012 für Altach. Seit dieser Saison steht Stürmer nach vier Jahren in der 1. und 2. deutschen Bundesliga in Ried unter Vertrag.