Wenn Niederlagen plötzlich einen anderen Stellenwert bekommen: Wie der EHC Olten zehn Tage Quarantäne erlebte

Wie der EHC Olten die zehntägige Quarantänezeit erlebt hat und nun die Herausforderung annimmt, nächste Woche einsatzbereit zu sein.

Silvan Hartmann
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Der EHC Olten steigt nach zehn Tagen Quarantäne wieder ins Mannschaftstraining ein.

Der EHC Olten steigt nach zehn Tagen Quarantäne wieder ins Mannschaftstraining ein.

Bruno Kissling

Ein Auto fährt von einer Tiefgarage hoch auf eine Quartierstrasse – der Inhalt des wenige Sekunden langen Videos von EHCO-Trainer Fredrik Söder­ström ist beschränkt, die Message dieser alltäglichen Szene dafür umso grösser: «Der erste Tag in Freiheit nach der Quarantäne. Es fühlt sich an wie neu geboren», schreibt er dazu.

Zehn Tage lang sass er und sein Team in Quarantäne, ehe gestern der Tag war, an dem der EHC Olten das Training wieder aufnehmen konnte. Zumindest mit jenem Teil des Spielerkaders, der negativ getestet wurde und auch zuletzt keine Symptome zeigte.

Neun Feldspieler und ein Torhüter nahmen vom Stammkader an der ersten Trainingseinheit teil. «Es war ein komisches Gefühl. Es fühlte sich an, als hätten wir uns zwei Monate lang nicht gesehen. Viele machten einen müden Eindruck, waren aber gleichzeitig glücklich, wieder das tun zu dürfen, was wir am liebsten tun», bilanzierte Söderström die ersten Schritte des Restarts.

Söderström, der negativ getestet wurde, aber dennoch in den ersten Tagen ein Unwohlsein behagte, schloss seine zweite zehntägige Quarantänezeit mit einer grossen Portion Erleichterung ab. Denn eingeschlossen in seiner Wohnung zu sein, stelle immer etwas mit der Psyche eines Menschen an, hält er fest.

«Wird einem seine Rechte entzogen, fühlt sich das sehr schnell unfair an. Aber ich will es positiv sehen: Ich bin nun sehr erfahren darin. Ich war viel am Lesen und telefonierte viel, tauschte mich aus», sagte der EHCO-Headcoach lächelnd, ehe er nachdenklich hinzufügte: «Aber die meiste Zeit ist es tatsächlich einfach nur langweilig. Man beginnt sich zu hintersinnen, ob es überhaupt richtig ist, während einer Pandemie weg zu sein von seiner Heimat, von seinen Liebsten. Man vermisst die Menschen und beginnt vom Balkon aus, Kindern beim Unihockeyspielen auf der Strasse zuzusehen und mit ihnen mitzufiebern.»

Immerhin: Eines Tages sei er in der tristen Quarantäne überrascht worden. Eine Schwedin aus seinem Heimatort Leksand, die vor 25 Jahren in die Schweiz ausgewandert sei und heute im Kantonsspital Olten arbeitet, meldete sich bei Landsmann ­Söderström und ging für ihn einkaufen. «Ihre wunderbare Hilfe hat in mir viel ausgelöst. Es hat mir aufgezeigt, dass die Welt doch viel besser ist, als wir denken. Ich war ihr sehr dankbar.»

Ohnehin sei er erleichtert, dass, Stand heute, von den positiv Getesteten im Umfeld des EHC Olten niemand schwerwiegend erkrankt war und im Spital hätte behandelt werden müssen. «Wir wussten ja nach den positiven Fällen in anderen Teams, dass es uns auch erwischen könnte. Wir waren nach dem Spiel in Langenthal sehr enttäuscht über die Niederlage, zwei Tage später sitzen wir zu Hause in Quarantäne, viele mit dem Virus infiziert. Eine Niederlage in einem Meisterschaftsspiel bekommt plötzlich einen ganz anderen Stellenwert.»

Die verlorene Substanz wieder wettmachen

Davon dürfte auch Marc Grieder ein Liedchen singen. Der ­EHCO-Sportchef war einer der positiv getesteten Oltner: Gliederschmerzen, Kopfschmerzen, Husten, stetes Unwohlsein begleiteten ihn über mehr als fünf Tage hinweg, sah sich, isoliert von seiner gesunden Familie, mit einigen gesundheitlichen Rückschlägen konfrontiert. «Es war nicht einfach. Es bleibt einem nur das Hoffen auf bessere Zeiten», sagt Grieder nachdenklich. Als es wieder aufwärts ging, vertrieb er sich die Zeit beim Austausch mit Spielern und Staff.

Auch wenn es auf der Hand lag, dass der EHC Olten nicht vor dem Coronavirus verschont bleiben sollte, machte sich Grieder viele Gedanken darüber, was sie hätten besser machen können. «Wir haben die professionellsten Schutzkonzepte stets eingehalten und waren im Alltag sehr pflichtbewusst und diszipliniert. Die Spieler wussten auch, wie sie sich im Privaten zu verhalten haben und haben aus Eigeninteresse die Kontakte stark eingeschränkt. Aber leider gibt es ­nirgendwo einen hundertprozentigen Schutz», sagt Grieder. So wird im Umfeld des EHC Olten vermutet, dass es in den Heimspielen gegen die Walliser Teams Sierre und Visp wohl zu Ansteckungen gekommen sein muss.

Marc Grieder möchte nach vorne blicken und hofft, dass gegen Ende Woche die Eistrainings ausgebaut werden können. Von Tag zu Tag stossen in diesen Tagen die positiv getesteten Spieler nach überstandener Krankheit zur Mannschaft hinzu. Es wird fraglich sein, inwiefern sie körperlich fit sein werden. Bloss eine Woche bleibt als Vorbereitung: Am Mittwoch gastiert ausgerechnet Aufstiegsaspirant Kloten im Kleinholz, sofern kein Team (neue) Coronafälle verzeichnet. Klar ist, dass der EHCO in Sachen Fitness einiges aufzuholen hat.

«Es gilt, die verlorene Substanz wettzumachen. Das Ziel ist, dass wir möglichst schnell wieder in den Trainingsrhythmus gelangen und danach auch den Spielrhythmus wieder finden», erklärt Grieder, der dabei das Fingerspitzengefühl nicht vermissen lassen will.

Immerhin sieht der Sportchef und Assistenztrainer in den zehn Tagen Pause etwas Gutes: «Wir haben zuletzt keine Glanzleistungen gezeigt. Ich hoffe, dass die Spieler den aufgestauten negativen Druck aus den ersten Spielen etwas abbauen konnten, und nun mit umso mehr Energie ans Werke gehen.»