Unihockey
Neunte Chance für achtfachen Meister

Wiler-Ersigen gewinnt den Cup-Halbfinal gegen Chur äusserst knapp mit 5:4. Dabei gerieten sie nach klarer Führung nochmals unter Zugzwang. «Wir sind in der Defensive fast auseinandergefallen», bemängelt Wiler-Keeper Daniel Streit.

Michael Schenk
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Am Ende wurde es knapp, aber es reichte: Wiler-Ersigen steht erneut im Cup-Endspiel. Schläfli/ARchiv

Am Ende wurde es knapp, aber es reichte: Wiler-Ersigen steht erneut im Cup-Endspiel. Schläfli/ARchiv

Es war zu Fasnachtsbeginn am 11.11. als der SV Wiler-Ersigen Chur Unihockey im Meisterschafts-Hinspiel zur Ehre des Tages nach just 11 Sekunden das 1:0 unterjubelte und am Ende 11:5 gewann. Die Bündner standen damals völlig auf verlorenem Posten. Keine Spur von lustig. Gestern begegnete man sich im Rahmen des Cup-Halbfinals wieder und die Truppe von ex-Wiler-Coach Thomas Berger sann auf Revanche. Und sie bekam sie – zumindest was den Spielverlauf angeht. Was für die Gäste lange aussah wie ein Spaziergang wurde letztlich zu einem Ritt auf der Geisterbahn.

Wiler und der Cup, das liefert nun wirklich keine ergreifende Liebesgeschichte. Dann schon eher etwas aus der Abteilung Grusel und Grauen. Achtmal stand der achtfache Schweizermeister schon in einem Cup-Endspiel – nur einmal, 2005, hat der Klassenprimus den Titel auch tatsächlich gewonnen. Angesichts der eingangs dargelegten Überlegenheit im Hinspiel der Meisterschaft und dafür, dass Chur seit der Gründung 2004 noch kein Spiel gegen Wiler gewinnen konnte, begannen die Gäste aus dem Bernbiet sehr zurückhaltend. Eine Lethargie, die sie letztlich nie mehr ganz ablegen konnten. Dass Chur auf Abwarten und Kontern taktieren würde, war vorauszusehen. «Sie haben einen etwas einschläfernden Stil», sagt Wiler-Goalie Daniel Streit. Dass sich die Gäste indes weigerten, das Diktat zu übernehmen, und ebenfalls der Dinge harrten, die da kamen, war dann doch erstaunlicher. «Vielleicht haben wir uns etwas zu sehr anstecken lassen von ihrem Stil», so Streit. Dennoch schien die Rechnung des Meisters aufzugehen. Nach dem 1:0 für Chur in der 8. Minute nach einem Penalty durch Bischofberger, keimte Mut in Köpfen, Beinen und Armen der Gastgeber. Chur wurde vorwitziger, bestimmender und präsenter. So, wie es Wiler haben wollte: Mit einem Doppelschlag innerhalb von 41 Sekunden brachten Fankhauser und Christoph Hofbauer die Gäste noch vor der ersten Pause in Führung. Als Jussila dann nach 46 Minuten und 25 Sekunden zum 5:1 für Wiler erhöht hatte, schien der Mist geführt.

Aber eben, Wiler und der Cup, das hat was von einem Gruselkabinett. Ganze 215 Sekunden nach Jussilas vermeintlichem Siegtreffer waren die Bündner plötzlich bis auf 4:5 herangekommen. «Es war unser Plan am Ende etwas nachzulassen, und dem Publikum noch etwas zu bieten», scherzte Wiler-Keeper Streit. Im Ernst hielt der Nationalspieler fest: «Wir haben zuletzt zu sehr nachgelassen, was uns so auf keinen Fall passieren darf. Wir sind in der Defensive fast auseinandergefallen.»

Mit drei Treffern innert 96 Sekunden lernte die Berger-Truppe derlei Wiler im Schlussdrittel noch das Fürchten. Mit Rumstehen und «aufs Tram warten», sprich warten bis die Zeit rum ist, gewinnt man in Chur heute nicht mehr. Der Anschlusstreffer freilich reanimierte Wilers Lebensgeister und reichte letztlich zum knappen 5:4-Sieg. Damit winkt der neunte Cupfinal und der zweite Cupsieg. «Ich glaube nicht, dass wir ein Problem in den Köpfen haben mit dem Cup, wie viele da meinen. Das wird dieses Jahr schon gut kommen», so Daniel Streit. Sein Wort in Grünenmatts Ohren – den Gegner von Wiler im Cupfinal.