Fussball
Samuel Scheidegger vor der Wahl des Präsidenten der Ersten Liga: «Ich stehe für eine neue Generation»

In den vergangenen gut sieben Jahren hat Samuel Scheidegger den FC Solothurn wieder auf Kurs gebracht. Jetzt will er Präsident der Ersten Liga werden.

Raphael Wermelinger
Merken
Drucken
Teilen
Samuel Scheidegger, von 2014 bis 2020 Präsident des FC Solothurn, seit Ende 2020 im Co-Präsidium mit Marc Kalousek. Und bald Präsident der Ersten Liga?

Samuel Scheidegger, von 2014 bis 2020 Präsident des FC Solothurn, seit Ende 2020 im Co-Präsidium mit Marc Kalousek. Und bald Präsident der Ersten Liga?

Michel Lüthi

Im Januar gab Romano Clavadetscher nach sechs Jahren seinen Rücktritt als Präsident der Ersten Liga bekannt. Am Samstag wird an der ausserordentlichen Generalversammlung sein Nachfolger gewählt. Einer der drei Kandidierenden ist der Solothurner Samuel Scheidegger. Ihn reizt die Herausforderung, im Schweizer Fussball etwas zu bewegen und insbesondere dessen Organisation weiterzuentwickeln.«Ich habe mich nicht alleine zu diesem Schritt entschieden, sondern wurde auch von einigen Klub-Präsidenten angefragt», unterstreicht er.

Samuel Scheidegger ist seit sieben Jahren Präsident des FC Solothurn. Er hat den Klub nicht nur saniert und einen Schuldenberg im tiefen sechsstelligen Bereich abgebaut. Auch sportlich lief es unter ihm hervorragend. Die erste Mannschaft gehört in der 1. Liga zu den Spitzenteams. Die FCS-Nachwuchsabteilung geniesst einen hervorragenden Ruf und bringt immer wieder Talente wie aktuell Fabian Rieder (YB) und Riola Xhemaili (FC Basel) heraus.

Die gemachten Erfahrungen in den knapp sieben Jahren – seit Ende 2020 teilt er sich das Amt beim FCS im Co-Präsidium mit Marc Kalousek – kann Scheidegger bei der Wahl am Samstag in die Waagschale legen. «Zudem denke ich, dass ich als erfahrene Führungsperson und durch meinen Beruf in der IT an der einen oder anderen Stelle eine neue Herangehensweise bieten oder auch in der Digitalisierung wichtige Inputs liefern kann», sagt er.

Die Kommunikation und der Austausch zwischen der Ersten Liga und den Klubs müsse besser werden, nennt er eine der momentan grössten Baustellen beim Verband. «Der Dienstleistungsgedanke für die Vereine muss im Vordergrund stehen», betont er. Auf der anderen Seite brauche die Erste Liga eine klare Stimme im Zentralvorstand des Schweizerischen Fussballverbands. Die Zusammenarbeit der drei Kammern (Swiss Football League, Erste Liga, Amateurliga) müsse ausgebaut werden. Als Präsident der Ersten Liga würde er Mitglied des Zentralvorstands des SFV werden.

Die Geschäftsstelle der Ersten Liga zu professionalisieren und die Marketingaktivitäten zu stärken, also eine klare Positionierung der Ersten Liga zu erreichen, sind weitere Anliegen von Samuel Scheidegger. «Ich stehe für eine neue Generation im Fussball», sagt er. «In gewissen Verbandsgremien, wie eben auch dem Komitee der Ersten Liga, sehe ich eine Überalterung, was die Amtsjahre angeht. Das ist nicht negativ gemeint, aber man wird nach einigen Jahren halt auch mal träge in Bezug auf neue Ideen. Deshalb würde ein Wechsel sicher nicht schaden.» Er würde sich für eine Beschränkung der Amtsdauer einsetzen. Auf zwölf Jahre zum Beispiel – weil er selbst nie zu einem Sesselkleber werden will.

Ob er sich gegen die beiden Mitstreiter Markus Hundsbichler und Roger Bigger durchsetzen werde, sei völlig offen, so Scheidegger, der wie immer gelassen wirkt. «Eine gewisse Anspannung ist schon da, aber das ist ja auch normal und gesund», verrät der zweifache Familienvater. «Ich würde mich über die Aufgabe freuen, wäre aber auch nicht zu sehr enttäuscht, sollte es nicht klappen. Wichtig ist, dass die Vertreter der Vereine einen Präsidenten wählen, hinter dem sie stehen können und der aus ihrer Sicht ihre Anliegen vertreten kann.»

Auch für den FC Solothurn hätte Scheideggers Wahl Folgen. Er würde als Co-Präsident zurücktreten. «Unter anderem damit ich bei Besprechungen von Themen, die den FCS betreffen, nicht immer in den Ausstand treten müsste», sagt er. Und es ist natürlich auch eine Frage des Aufwands. Scheidegger rechnet mit einem Pensum von mindestens einem Arbeitstag pro Woche. «Gegen oben ist der Aufwand offen, das ist klar», sagt er lachend. «Wenn man Freude an der Sache hat, darf die Zeit aber kein Faktor sein, auf den man sich konzentrieren sollte, sonst sagt man von Beginn weg Nein zu sozial wichtigen Aufgaben in unserer Gesellschaft.»