Eishockey
Wenn der Abstieg eine Wohltat ist

Die Lakers sind nach den Pre-Playoffs besser als der SCB – wie aus den «Miserablen» die Respektablen geworden sind.

Klaus Zaugg
Drucken
Teilen
Die Rapperswil-Jona Lakers schalten den EHC Biel aus und feiern den Einzug in die Playoff-Viertelfinals.

Die Rapperswil-Jona Lakers schalten den EHC Biel aus und feiern den Einzug in die Playoff-Viertelfinals.

Thomas Oswald/Freshfocus

Die «Miserablen» sind nicht mehr. Dreimal in vier Jahren beenden die Lakers die Qualifikation auf dem 12. und letzten Platz. Dann werden sie im Frühjahr 2016 durch den Abstieg erlöst. 2016 wird der SC Bern Meister. Heute sind die Lakers besser als der SCB.

Wir sehen: Der Abstieg, den die Klubgeneräle so sehr fürchten, kann eine finanzielle und sportliche Wohltat sein. Nach der Relegation haben sich die Lakers finanziell stabilisiert und sportlich erholt, und nun haben sie zum ersten Mal seit 2008 die Playoff-Viertelfinals erreicht, die sie morgen als 7. gegen Lugano in Angriff nehmen. Vorurteile sind im Hockey wie Wegweiser, die einem die Orientierung erleichtern. Jahrelang war eine Prognose leicht: Die «Miserablen» verpassen die Playoffs. Nun müssen wir uns neu orientieren.

Das Rezept der Lakers ist einfach. Wer sich keine (oder fast) keine Nationalverteidiger und Nationalstürmer leisten kann, darf bei fünf Positionen keinen Fehler machen: Es braucht einen erstklassigen Torhüter, und von den vier Ausländern müssen drei zu den Besten der Liga gehören. Genau das hat Sportchef Janick Steinmann gemacht: Melvin Nyffeler ist mit Rapperswil-Jona aufgestiegen und zu einem der eigenwilligsten, aber eben auch besten Goalies der Liga gereift. Roman Cervenka, Kevin Clark, Andrew Rowe und Steve Moses haben in der Qualifikation 64 Treffer erzielt. Beim SCB sorgte das ausländische Personal für 40 Tore. Das Gerüst mit dem Goalie und den guten Ausländern ist noch nicht die ganze Wahrheit. Was auch eine wichtige Rolle spielt: Die Mannschaft ist auf einer Mission. Trainer Jeff Tomlinson, der Mann, der die «Miserablen» nach der Relegation übernommen, sie in die höchste Liga geführt, zu Cup-Siegern und nun zu «Respektablen» gemacht hat, bekommt nach sechs Jahren keinen neuen Vertrag mehr. Er wird durch Stefan Hedlund ersetzt. Die Mission seiner Jungs: ihrem scheidenden Coach den bestmöglichen Abgang bescheren.

Aber ein Ponyhof ist das Leben für die Kleinen nie: Verteidiger Dominik Egli, der im ersten Spiel gegen Biel beide Tore erzielt hat, wechselt nach Davos. Weil die Lakers nun einen ausländischen Verteidiger brauchen, muss Kevin Clark, der beste Torschütze des Teams, weichen – weil er als einziger der Ausländer einen auslaufenden Vertrag hat. Er musste einst 2016 Langnau verlassen, weil es zu heftigen Streitereien mit Chris DiDomenico gekommen war. Nun möchten ihn die Langnauer reumütig zurück. Aber sein Agent sagt: «Daraus wird wohl nichts…»

Aktuelle Nachrichten