Kommentar

Die Swiss League Klubs haben wenig zu verlieren

Die Swiss League will - analog zu National League - selber eine AG gründen und ab der Saison 22/23 ihre eigenen Interessen vertreten. Nach Jahren der Unterdrückung ist dieser Befreiungsschlag ein mutiger und richtiger Schritt.

Marcel Kuchta
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Man kann die Bestrebungen im Schweizer Eishockey nach Trennung und Eigenständigkeit durchaus kritisch sehen. Die Erfahrung zeigt, dass ein Menü selten gut wird, wenn jeder sein eigenes Süppchen kocht. Doch dieser Prozess, der im Corona-Sommer 2020 in Gang gesetzt wurde, hat im Falle der Swiss League fast nur Vorteile. Oder anders ausgedrückt: Die zweithöchste Eishockeyliga hat schlicht zu wenig zu verlieren, als dass sie den Schritt in Richtung Eigenständigkeit nicht mit aller Macht anstreben sollte.

Jahrelang war die frühere Nationalliga B am Gängelband der mächtigen NLA-Klubs. Ohne deren politische Zustimmung war sie kaum manövrierfähig. Mit den drei Farmteams, die stets im Sinne des Mutterklubs abstimmten, hatte sich das massive Ungleichgewicht zuletzt sogar noch akzentuiert. Nun haben die neun Swiss-League- Initianten die Chance gepackt und machen Nägel mit Köpfen. Dass diese Liga mit ihren Traditionsklubs einen soliden und wichtigen Unterbau in unserem Profi-Eishockey bilden kann, daran zweifelt niemand. Erst recht nicht, wenn man auch die kommerziellen Möglichkeiten endlich nach eigenem Gusto nutzen kann. Da liegt viel Potenzial brach.

Das einzige Risiko der B-Klubs ist, dass sie sich die Perspektive des sportlichen Aufstiegs in die höchste Spielklasse verbauen. Wobei auch dieser potenzielle Schaden relativ ist: Der Weg nach oben glich für die ­ambitionierten Zweitligisten ja schon seit Jahren einem ­Nadelöhr – ohne Aussicht auf Besserung.