Corona-Virus

"Der Entscheid macht Sinn": Ligakrösus Wiler-Ersigen zeigt viel Verständnis für den Abbruch der Unihockey-Saison

Silvan Hartmann
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Wiler-Ersigen im vergangenen Jahr im Superfinal. Zu einem solchen wird es in dieser Saison nicht kommen.

Wiler-Ersigen im vergangenen Jahr im Superfinal. Zu einem solchen wird es in dieser Saison nicht kommen.

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58 Punkte aus 22 Spielen – Platz 1 sowie souveräne 3:0-Führung nach Siegen im Playoff-Viertelfinal. Der SV Wiler-Ersigen war in dieser Saison einmal mehr auf bestem Weg, die Rolle als Ligakrösus zu erfüllen. Doch dann verkündet «Swiss Unihockey» am Donnerstag jene Botschaft, die jedes Sportlerherz bluten lässt: Die Saison wird wegen des Corona-Virus abgebrochen.

Wiler-Ersigen-Präsident Reto Luginbühl bedauert: «Wir waren wiederum darauf ausgerichtet, ein Topteam zu sein. Wir haben wie immer hohe sportliche Ambitionen verfolgt – und dann wird die Saison abrupt beendet. Ein Szenario, mit dem man nie gerechnet hätte. Das Ganze fühlt sich noch immer ziemlich surreal an», bilanziert er.

Doch Reto Luginbühl, der Einsitz in einer einberufenen Task-Force des Unihockeyverbandes zum Coronavirus hatte, sieht den Entscheid durch zwei verschiedene Brillen. «Zieht man die Vereinsbrille ab, dann muss man sagen: Der Entscheid ist das einzig Richtige und macht Sinn. Bei einer Weiterführung hätten sich so viele Problemfelder aufgetan, an einen geregelten Meisterschaftsbetrieb wäre ohnehin nicht mehr zu denken gewesen.»

Hofbauers abruptes Karriereende

Weil man sich immer häufiger mit ausserordentlichen Sachen herumschlagen musste, nahm die Organisation ein Vielfaches der üblichen Zeit in Anspruch. Beispielsweise hätte sich Wiler-Ersigen mit den beiden Heimspielorten Zuchwil (SO) und Kirchberg (BE) mit zwei unterschiedlichen kantonalen Auflagen auseinandersetzen müssen. «Das Ganze wurde extrem aufwändig. Wir sind da schon an unsere Grenzen gestossen und in den letzten Tagen hatte sich die Situation noch verschärft. Die Leute kommen an den Anschlag, sodass alles keinen Spass mehr macht», gibt Luginbühl zu bedenken.

Was der Abbruch der Meisterschaft für Wiler-Ersigen in finanzieller Hinsicht bedeutet, kann der Klub noch nicht abschätzen. Klar ist: Als ambitionierter Klub und Ligakrösus hatten die Verantwortlichen mit Playoff-Halbfinals budgetiert. Da würden bestimmt einige Einnahmen wegfallen, sagt Luginbühl.

Der Abbruch der laufenden Meisterschaft tue ihm in erster Linie Leid für die Spieler. «Sie sind die Bestraften. Sie haben ein Jahr lang auf die schönste Phase der Saison hingearbeitet. Und nun wurde ihnen die Chance genommen, um die Meisterschaft zu spielen», sagt Luginbühl und stellt ergänzend fest: «Aber es ist klar: Gesamtgesellschaftlich kann all das nie Priorität haben.» Einer der Leidtragenden ist insbesondere der 38-jährige Matthias Hofbauer. Das abrupte Ende der Saison bedeutet für das grosse Aushängeschild des Schweizer Unihockeys gleichzeitig das Karriereende. Denkt Präsident Luginbühl einen kurzen Moment daran, verschlägt es ihm die Sprache. «Das hat er nicht verdient.»

Zwei Szenarien standen zur Diskussion

In der Task-Force des Verbandes wurde die Situation über das weitere Vorgehen tagtäglich neu beurteilt. Letztlich diskutierte man über zwei mögliche Szenarien: Erstens die vollzogene Absage der Saison. Und zweitens die etwas komplexere Variante: Die laufenden Playoffserien auf Best-of-5 kürzen, die noch offenen Serien bis am Sonntag ausspielen und dann zu einem späteren Zeitpunkt ein Final-Four-Turnier austragen.

Dabei wäre nie das Ziel verfolgt worden, einen Meister zu küren, sondern viel mehr, zumindest einen Teilnehmer für den internationalen Champions-Cup ermitteln zu können. Doch diese Idee wurde schnell verworfen – auch im Sinne von Ligakrösus Wiler-Ersigen, wie Luginbühl bestätigt. Denn nicht nur für ihn ist klar: Einen Schweizer Meister, der nicht über den bekannten Modus ermittelt wird? Das will niemand.