So trickst Roger Devittori das Alter aus

Roger Devittori zählt zum Inventar der Zentralschweizer Rennszene, aktuell steht er in seiner 36. Saison. Am GP Luzern in Pfaffnau freut sich der 49-jährige Emmenbrücker über einen guten Auftritt. Und er bedauert das geringe Zuschauerinteresse.

Stephan Santschi
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Roger Devitorri lebt auch mit 49 Jahren seine Leidenschaft Radsport. (Bild: Pius Amrein/Luzerner Zeitung, Pfaffnau, 12. Mai 2019)

Roger Devitorri lebt auch mit 49 Jahren seine Leidenschaft Radsport. (Bild: Pius Amrein/Luzerner Zeitung, Pfaffnau, 12. Mai 2019)

«Es ist eine Leidenschaft. Ich fahre sehr gerne Velo und mag es, ambitioniert auf ein Ziel hinzuarbeiten. Und ich liebe die Rennatmosphäre.»

Vom jugendlichen Elan und der Freude für den Radsport hat Roger Devittori auch im Alter von 49 Jahren nichts eingebüsst. Am Samstag trotzte er Wind und Wetter ein weiteres Mal, nahm am GP Luzern in Pfaffnau die 98,6 Kilometer lange Strecke auf sich und landete mit einer Zeit von 2:43:40 Stunden in der Kategorie U19/Amateure/Masters auf dem 13. Platz. «Für mich ist das ein zufriedenstellendes Ergebnis», sagt der Emmenbrücker und hält schmunzelnd fest: «Schliesslich bin ich nicht mehr der Jüngste.» Der Rückstand auf den Sieger Ruben Eggenberg betrug 3:06 Minuten. Und dieser ist immerhin 30 Jahre jünger…

Warum er sich gegen das Profitum entschied

Mittlerweile steht Roger Devittori in seiner 36. Saison, im Jahr 1984 stieg er wettkampfmässig in den Radsport ein. Seither realisierte er zahlreiche Erfolge, wovon er drei als persönliche Highlights herausstreicht: die beiden Etappensiege am Giro della Valle d’Aosta und an der Ostschweizer Rundfahrt sowie im vergangenen Jahr der dritte Rang an der Weltmeisterschaft bei den 45- bis 50-Jährigen. Lange fuhr er an der Spitze der Schweizer Elite, noch im Alter von 42 Jahren belegte er im Jahresranking den zweiten Platz. Eine Zeit lang war Devittori auch Mitglied des Nationalteams. Profi allerdings war er nie. Nicht, weil es nicht möglich gewesen wäre, sondern weil er nicht wollte. «In den 90er-Jahren ging im Radsport aufgrund von Dopingfällen vieles kaputt. In Sachen medizinischer Betreuung war alles erlaubt, was nicht nachgewiesen werden konnte. Deshalb musste jeder seine eigenen Grenzen ziehen. Für mich hat das nicht gepasst, meine Grenze lag in dieser Hinsicht weit unten.»

«Nationale Radszene ist unter die Räder gekommen»

Und so setzte Roger Devittori beruflich nicht auf den Sport, sondern auf das Gipsergeschäft, das er in dritter Generation führt. Einen Namen hat er sich in der Radszene dennoch gemacht: Überall, wo er antritt, wird er auch heute noch erkannt. Die Popularität des Radsports habe in der Schweiz aber stark gelitten, stellt er bedauernd fest. «Früher gab es Persönlichkeiten wie Richard Trinkler und Gilbert Glaus. Als Kind ging ich wegen ihnen an Rennen, um sie zu sehen. Die Medienpräsenz war eine andere als heute, auch im Fernsehen wurde regelmässig berichtet», erzählt Devittori. «Das alles ist verloren gegangen. International sind Velorennen weiterhin sehr beliebt, die nationale Szene aber ist unter die Räder gekommen. Es ist kein Geld mehr drin, kein Interesse. Auch hier in Pfaffnau ist die Zuschauerpräsenz beim Eliterennen enttäuschend.»

Er selber lässt sich den Spass am Sport dadurch aber nicht verderben. Ihn fasziniert die Bedeutung der Taktik, wenn verschiedene Fahrtypen im Rennen das Optimum herauszuholen versuchen. Devittori bezeichnet sich selber als Allrounder mit einer Vorliebe für längere steile Passagen und einer Abneigung gegenüber Sprints. «Auch das Alter hat Einfluss auf die Taktik. Ich muss besser spüren, wann eine Gruppe ausreissen will. Damit ich ihr zuvorkommen kann.» Wenn er nämlich den Angriff der Konkurrenz verpasst, fällt es ihm durch die schlechter gewordene Spritzigkeit schwer, mitzugehen. So geschehen am Samstag am GP Luzern, als er kurz vor Rennhälfte vom Ausbruch einer Achtergruppe überrumpelt wurde.

Wie lange Roger Devittori seine Karriere noch fortsetzen wird, ist ungewiss. «Ich nehme Jahr für Jahr», sagt er – im Bewusstsein, dass er der Erholung mehr Aufmerksamkeit einräumen muss als in der Vergangenheit. «Ich fahre nur noch an auserwählten Rennen mit», 10 bis 15 pro Jahr seien es aber immer noch.

Als Nächstes misst er sich am nächsten Samstag an der Berner Rundfahrt mit der teils deutlich jüngeren Konkurrenz, da seine Master-Kategorie in der Regel mit den U19-Junioren startet. Egal, ob im Sport oder im Beruf – wenn Roger Devittori eine Leidenschaft für sich entdeckt hat, bleibt er ihr treu. «Wenn ich viel in etwas investiert habe, lasse ich es nicht einfach fallen. Das ist meine Art.»