So hat es früher ausgesehen

KREUZLINGEN. Ein Maler und Zeichner des Biedermeier hat die Städte Konstanz und Kreuzlingen und ihre Umgebung in zahlreichen Bildern festgehalten. Das Museum Rosenegg zeigt Nikolaus Hug – und lädt ein zur Spurensuche zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Morgen ist Vernissage.

Dieter Langhart
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Nikolaus Hug (1771–1852): Pflege der Seelenbäumchen im ehemaligen Kloster Kreuzlingen; aus der Sammlung des Museums Rosenegg. (Bild: Dieter Langhart)

Nikolaus Hug (1771–1852): Pflege der Seelenbäumchen im ehemaligen Kloster Kreuzlingen; aus der Sammlung des Museums Rosenegg. (Bild: Dieter Langhart)

KREUZLINGEN. Kennen Sie Nikolaus Hug? Napoleon III. hat ihn gekannt und bei ihm Zeichenunterricht genommen. Ausgerechnet am Tag seiner Krönung starb der Konstanzer Künstler, am 2. Dezember 1852. Viel wissen wir nicht über Hug – doch seine Bilder sind geblieben und weit herum bekannt. Eines davon, eine Ansicht des Sallmann'schen Hauses, hat heuer die Neujahrskarte der Stadt Kreuzlingen geziert, die Ansicht des Schlosses Salenstein war in «Schlösser am See» im Rosgartenmuseum zu sehen.

Einiges aber hat Heidi Hofstetter über Hug herausgebracht. Die Leiterin des Museums Rosenegg hat zwei seiner Bilder aus dem Archiv geholt, und weil sich damit kein Staat und keine Ausstellung machen lässt, hat sie weitere Werke ausgeliehen: im Rosgartenmuseum und Stadtarchiv Konstanz, im Napoleonmuseum und Staatsarchiv Thurgau, von der Kunstsammlung Kreuzlingen und von privaten Sammlern.

Damals und heute vergleichen

Der Kreuzlinger Künstler Philippe Mahler hat Nikolaus Hugs Bilder geschickt gehängt im Museum Rosenegg, wo er vergangenes Jahr seine eigenen Werke zeigte. Nicht zu viele, nicht zu dicht, dass genügend Raum ist, heranzutreten und genau hinzusehen. Denn Hugs Bleistift- und Tuschezeichnungen, die Ölbilder und kolorierten Kupferstiche sind derart detailreich, dass ein flüchtiger Blick die angestrebte Spurensuche verhindert.

«Spurensuche»: So heisst die Schau im Museum Rosenegg, die keine Kunst-, sondern eine kulturhistorische Ausstellung ist. «Wer Konstanz und Kreuzlingen kennt, den Hegau und die Seeschlösser, der sieht auf Hugs Bildern Dinge, die sich verändert haben», sagt Heidi Hofstetter. Wie ein Fotograf seiner Zeit sei er gewesen – einer Zeit, die längst vergangen ist und die Vergleiche mit heute herausfordert. Die meisten Schlösser und Kirchen stehen noch, das Konzil und manche Bürgerhäuser ebenso, doch Fassaden sind verändert bis verschandelt worden, und die Städte sind mit zahllosen Neubauten in die Landschaft hinaus gewuchert. Es hätte sich aufdrängen können, neben Hug heutige Fotografien zu hängen, ein «Damals – heute» zu zeigen, doch das wäre aufwendig gewesen und hätte den Reiz der Kopfreise gemindert. Dafür lockern einige Gegenstände wie eine Traubenbutte aus der Rosenegg-Sammlung die Ausstellung auf. Und ein Zeitstrahl im Eingangsbereich stellt Nikolaus Hug seiner Zeit gegenüber.

Im Erdgeschoss sind Kreuzlingen und Umgebung zu sehen, im Obergeschoss Konstanz und Region. «Interessant ist, dass Nikolaus Hug in Konstanz sehr bekannt war, in Kreuzlingen hingegen kaum», sagt Heidi Hofstetter. «Er war wohl kein grosser Künstler, sondern ein sorgfältiger Zeichner.» Sein Markenzeichen war ein Hündchen, wie es etwa auf dem Stich des Bächler'schen Hauses, wie das Sallmann'sche Haus damals hiess, zu sehen ist.

Nikolaus Hug, 1771 geboren, war wegen einer Behinderung Linkshänder. Er ging bei einem Dekorationsmaler in die Lehre, studierte kurze Zeit in München. Nach seinen Wanderjahren kehrte er 1802 nach Konstanz zurück, wurde Zeichenlehrer an der Knabenschule – wo er bis acht Tage vor seinem Tod unterrichtete. Am Schullehrer-Seminar Kreuzlingen hatte er auch angeklopft (das Bewerbungsschreiben ist in einer Vitrine ausgestellt).

Viel Wasser, viel Eis

Unablässig, so wird berichtet, sei Nikolaus Hug unterwegs gewesen, seine Heimatstadt und ihre Umgebung im Bilde festzuhalten. Neben den Veduten, also Stadtbild- und Landschaftsansichten, hat er auch das Zeitgeschehen festgehalten. Zwei Ereignisse werden im Obergeschoss in mehreren Bildern lebendig: die Überschwemmung 1817 und die Seegfrörni 1830.

1816 ist das «Jahr ohne Sommer», ein Vulkan in Indonesien hat Asche um die halbe Erde geweht. Die Ernten fallen aus, Konstanz leidet Hunger, das Wasser steigt, im Juli 1817 erreicht es den höchsten Pegelstand. Von der überfluteten Marktstätte sind gleich zwei Bilder Nikolaus Hugs zu sehen: eine Vorstudie aus Tusche und ein kolorierter Stich.

Heidi Hofstetter (Bild: Nana do Carmo)

Heidi Hofstetter (Bild: Nana do Carmo)