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«So geht es nicht weiter»

Vergangene Woche ist Stefan Küng wieder schwer gestürzt. Der junge Thurgauer Radprofi sagt: «Ich muss mich hinterfragen.» Im Oktober will der wohl beste 22-Jährige an die WM in Qatar.
Daniel Good
Stefan Küng übt Selbstkritik. Das Supertalent aus dem Thurgau muss über die Bücher. (Bild: Urs Bucher)

Stefan Küng übt Selbstkritik. Das Supertalent aus dem Thurgau muss über die Bücher. (Bild: Urs Bucher)

RAD. Er wollte Fabian Cancellara, den Olympiasieger und Rekordweltmeister, besiegen. Zurück blieb ein Haufen Elend. Stefan Küng war im Unterwallis bei Martigny mit deutlich mehr als 60 Stundenkilometern unterwegs. Er fühlte sich gut. Schnell. Wie in Trance. Aber er stürzte an der Schweizer Meisterschaft im Zeitfahren einmal mehr schwer. Es überschlug ihn mehrmals.

Wieder wäre die Karriere Küngs als Veloprofi fast beendet gewesen, obwohl er im November erst 23jährig wird. Der Thurgauer aus Wilen bei Wil hat grosse Perspektiven. Er kann mindestens so gut werden wie Cancellara. Aber er ist ungestüm. Sehr ehrgeizig. Seit dem vergangenen Mittwoch ist er im Spital. Am Freitag wurde er im Kantonsspital St. Gallen operiert. Am Schlüsselbein. An der Hand. Das ebenfalls in Mitleidenschaft gezogene Schambein wird konservativ – ohne Operation – behandelt. Dazu kommen Prellungen und Schürfungen an fast allen Körperteilen. «Ich bin recht beschädigt», sagt Küng, «aber ich bin mit einem blauen Auge davongekommen.» Heute oder morgen kann er das Spital verlassen.

Bett statt Olympiavorbereitung

Der Traum von der Teilnahme an den Olympischen Spielen endete im Strassengraben. Mit dem Schweizer Bahnvierer war Küng im August in Rio de Janeiro ein Medaillenkandidat. Nun muss er das Bett hüten. Er entschuldigte sich beim Bahnteam. Er macht sich Vorwürfe. «Es war meine Schuld», sagt Küng über den Sturz. «Ich war zu schnell. Nahm zu viel Risiko. Ich muss mich hinterfragen.»

Reichlich Zeit bleibt ihm nun, um den «Hochgeschwindigkeitssturz», wie Küng den Unfall nennt, zu verarbeiten. Er wird auch externe Hilfe zu Rate ziehen. «Ich muss daran arbeiten. Ich werde viel Zeit investieren, um zur notwendigen Coolness und Gelassenheit zu kommen.» Erst in etwa acht Wochen kann Küng wieder auf der Strasse trainieren, weil Erschütterungen der gebrochenen Hand zusetzen. Auf die Rolle kann er aber schon bald wieder.

Nach dem Sturz hatte Küng zwei schlimme Nächte, während denen er kaum schlafen konnte und ihm viel durch den Kopf ging. Am schlimmsten war es in der Notfallaufnahme unmittelbar nach dem Unfall im Sittener Spital: «Das Becken schmerzte. Und ich wusste nicht, was ich genau hatte. Wenn das Becken gebrochen gewesen wäre, hätte ich wohl aufhören müssen.»

Wie betrunken Auto fahren

Nun schaut Küng schon wieder nach vorne. Im Kantonsspital St. Gallen kümmerten sich drei Spezialisten um den Thurgauer. «Den Umständen entsprechend geht es mir schon wieder tiptop», sagte Küng gestern. An den Sturz erinnert sich Küng genau: «Ich war nie bewusstlos. Ich hatte während der Fahrt Puls 190. Ich habe gelesen, dass dies wie betrunken Autofahren sei. Die Entscheidungsfähigkeit ist eingeschränkt.»

Küng hatte noch kein Erfolgserlebnis in diesem Jahr, weil die Vorbereitung durch das Pfeiffersche Drüsenfieber im Dezember beeinträchtigt war. Deshalb wollte er zu viel. Schon im Giro d'Italia stürzte er zweimal – das erste Mal, als er sich im Prologzeitfahren auf dem Weg zum Sieg befand. Ans Aufhören dachte Küng nie. Vielmehr machte er sich bereits Gedanken, wie es in dieser Saison weitergeht.

Später WM-Termin

Ende August kann Küng wieder mit dem Rennvelo trainieren. Ein Ziel hat er sich auch schon gesetzt. Er will an der Strassen-WM im Oktober in Qatar teilnehmen. «Und vorher natürlich schon Rennen bestreiten.» Der Austragungsort der WM kommt Küngs Plänen entgegen. Wegen der Hitze finden die Titelkämpfe erst im Oktober statt. Normalerweise ist die WM im September.

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