Der Spagat der Meisterschützin aus dem Thurgau: So kann es nicht weitergehen

Andrea Brühlmann ist Landwirtin und erfolgreiche Spitzensportlerin. Aber die Doppelbelastung setzt der Thurgauerin zu. Sie muss über die Bücher.

Daniel Good
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Die WM-Medaillengewinnerin Andrea Brühlmann in ihrem Weizenfeld in Winden. (Bild: Michel Canonica)

Die WM-Medaillengewinnerin Andrea Brühlmann in ihrem Weizenfeld in Winden. (Bild: Michel Canonica)

So kann es nicht mehr weitergehen. Andrea Brühlmann muss die Arbeit auf dem Hof, administrative Aufgaben, Training und Wettkämpfe unter einen Hut bringen. «Meistens komme ich schon müde an die Wettkämpfe. Dann fehlt mir die Energie», sagt die Thurgauerin.

Arbeitsbeginn vor 6 Uhr

Brühlmann arbeitet oft zwölf Stunden oder mehr auf dem Hof in Winden. Der Tag im Stall beginnt um 5.45 Uhr. Die Regeneration fehlt. «Ich muss über die Bücher. Das ist mir schon seit zwei, drei Monaten klar.»

Trotz der ungünstigen Voraussetzungen gehört die 34-jährige Brühlmann zu den besten Gewehrschützinnen der Welt. An der WM in Changwon in Südkorea gewann sie vergangene Woche mit dem Schweizer Team zwei Bronzemedaillen. Es war schon ihre dritte WM-Teilnahme.

Mitglied des Olympiakaders

Zudem qualifizierte sie sich mit dem Luftgewehr zum ersten Mal seit acht Jahren für die EM. «Es war sicher keine schlechte Saison», so Brühlmann. «Vor allem wenn man bedenkt, wie die Resultate zu Stande kamen», sagt das Olympiakader-Mitglied.

Für einmal genügend Zeit für sich

Brühlmann weiss, dass sie es im Schiessstand noch besser könnte. Aber sie ist auf Grund der vielen Belastungen immer etwas angeschlagen. «Oft sind es Kleinigkeiten, die aber grosse Auswirkungen haben können. Man wird einfach empfindlicher, wenn man viel auf einmal macht», sagt sie.

Die offene Frage

Deshalb will Brühlmann ihr Umfeld optimieren – oder mit dem Spitzensport aufhören? «Eine solche Frage beantworte ich zurzeit nicht. In den nächsten drei Wochen kommt alles auf den Tisch. Dann sehen wir weiter.» Für einmal hat Brühlmann genügend Zeit in den nächsten Tagen. Am Mittwoch wird sie in Zürich an den Nebenhöhlen in der Nase operiert. Dann folgen zwei Wochen Regeneration.

Jeden Morgen 4500 Eier

Brühlmann ist ehrgeizig und motiviert. «Ich habe immer noch grossen Spass am Schiesssport und darf Erfolg haben.» Freude hat sie auch an der Arbeit auf dem Hof, den sie von den Eltern geerbt hat. Jeden Morgen sammelt die gelernte Geflügelzüchterin 4500 Eier ein.

Daneben kümmert sie sich um 55 Schafe, 20 Weideschweine und 130 Hochstammbäume. Auch Felder mit Weizen und Gersten sind in ihrem Besitz. Ab Juli, als es an die unmittelbare WM-Vorbereitung ging, hatte sie eine Aushilfe. Ob das finanziell aufgeht? «Das wird sich Ende Jahr weisen. Auch das ist ein Punkt, den ich anschauen muss.»

Der positive Einfluss der Hofarbeit

Nach der Morgenschicht geht Brühlmann meistens zum Training, ehe am Abend nochmals der Hof ruft. Schreibarbeiten erledigt sie oft während Wettkämpfen. «Ein paar Stunden muss ich da jeweils schon investieren.»

Beschwerden beim Jogging

Die Arbeit als Bäuerin hat auf den Sport auch einen positiven Effekt. Die Muskeln werden häufig beansprucht. «Ich trage viel herum und schwitze», sagt sie. Daneben joggt sie gerne am See, auch wenn das wegen der Nebenhöhlenbeschwerden in letzter Zeit nicht mehr so gut ging.

Es muss sich etwas ändern. Dessen ist sich Brühlmann bewusst. Der erste Schritt erfolgt am Mittwoch mit einer Operation.

KALENDERGIRL: «Nacktbilder wirken schnell billig»

Die Shootings für den Bauernkalender 2018 sind seit letztem Wochenende im Kasten. Mit dabei war auch eine Thurgauerin. Andrea Brühlmann modelt, schiesst scharf und führt eine Geflügelzucht.
Martin Rechsteiner