So erwacht der Sport aus dem Corona-Blues – was ab dem 11. Mai wieder erlaubt und was noch verboten ist

Ab dem 11. Mai dürfen grundsätzlich alle Leistungs- und Freizeitsportler in der Schweiz wieder trainieren, wenn sie strikte Regeln einhalten. Antworten auf die zehn wichtigsten Fragen zum Comeback des Sports.

Raphael Gutzwiller, Klaus Zaugg und Rainer Sommerhalder
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Ob die Meisterschaften in der Super und Challenge League zu Ende gespielt werden, bleibt offen. Ab dem 11. Mai dürfen Profis wieder in Mannschaftstrainings teilnehmen.

Ob die Meisterschaften in der Super und Challenge League zu Ende gespielt werden, bleibt offen. Ab dem 11. Mai dürfen Profis wieder in Mannschaftstrainings teilnehmen.

Bild: Keystone (Yverdon, 15. April 2020)

Was ist ab dem 11. Mai im Sport wieder erlaubt?

Trainings im Leistungs- und Freizeitsport sind frühestens ab dann wieder erlaubt – für Indoor- und Outdoorsportarten sowie für Einzel- wie Teamsportarten. Bedingung ist ein detailliertes Schutzkonzept für jede Sportart sowie die Einhaltung von allgemeinen Verhaltens- und Hygieneregeln. Das Schutzkonzept muss aufzeigen, wie die Sportart ausgeübt werden kann, so dass die Gefahr einer Ansteckung gering ist. Lediglich im Profisport und bei Nationalkadern sind Gruppengrössen über fünf Personen erlaubt. Auch gilt mit Ausnahme des Profifussballs: Kein Körperkontakt und ein Mindestabstand von zwei Metern. Nicht erlaubt bleiben Wettkämpfe.

Welche weiteren Öffnungsschritte sind bereits geplant?

Ab 8. Juni sollen Wettkämpfe in professionellen Ligen, aber ohne Zuschauer wieder möglich sein, falls es die Entwicklung der Pandemie zulässt. Der Bundesrat entscheidet am 27. Mai definitiv. Grossveranstaltungen mit mehr als 1000 Personen bleiben bis Ende August verboten.

Wie funktioniert es mit Fitnesscentern und Schwimmbädern?

Fitnesscenter, Yogaschulen und Schwimmbäder dürfen ebenfalls ab dem 11. Mai wieder öffnen. Jede einzelne Einrichtung muss ein Schutzkonzept vorlegen. Für alle Sportinfrastrukturen gilt ähnlich wie bei Verkaufsläden die Regel von maximal einer Person auf zehn Quadratmetern Raumfläche. Gerade für die Fitnesscenter erweist sich die Einhaltung der geforderten Hygienemassnahmen als grosse Herausforderung. Ob sich eine rasche Wiedereröffnung lohnt, muss jedes Center für sich beurteilen. In Schwimmbädern ist neben dem Wettkampf- und Klubtraining auch das Freizeitschwimmen erlaubt. Aber auch hier sind die einzuhaltenden Massnahmen für die Betreiber mit grossem Aufwand verbunden. Die Gemeinden als grösste Gruppe der Betreiber wollen aber alles daran setzen, um zumindest eine teilweise Öffnung der Bäder zu ermöglichen.

Soll ich beim Sport eine Schutzmaske tragen?

Eine Tragepflicht für Schutzmasken gibt es in der Schweiz nicht. Die Thematik wurde von der Kerngruppe des Baspo zu den Schutzmassnahmen im Sport auch nicht vertieft diskutiert. Ein entsprechender Vorschlag in Deutschland, Bundesliga-Spiele nur mit Maskenpflicht durchzuführen, stiess auf breite Ablehnung. Wie gross der positive Effekt eines maskentragenden Hobbyläufers oder Velofahrers auf andere Passanten ist, bleibt wissenschaftlich nicht genau beantwortet. An erster Stelle der Schutzmassnahmen steht auch hier das Abstandhalten. In den insgesamt 80 bereits eingereichten Schutzkonzepten von Schweizer Sportorganisationen stehen die empfohlenen Massnahmen des Bundes im Zentrum. Ab heute werden die vom BAG abgesegneten Detailkonzepte der Sportarten auf der Homepage des Dachverbandes Swiss Olympic aufgeschaltet.

Wie geht es weiter mit Fussball in der Super und der Challenge League?

Ab dem 11. Mai dürfen Profis wieder in Mannschaftstrainings teilnehmen und ab dem 8. Juni sind Spiele ohne Zuschauer vorgesehen. Doch: Ob die Meisterschaften der Super und Challenge League zu Ende gespielt werden, bleibt offen. Nicht alle Vereine der Swiss Football League sind der Meinung, dass Geisterspiele zielführend sind. Anders als Vereine in den Topligen Europas sind die Schweizer Clubs stark von den Ticketeinnahmen abhängig. Zunächst findet heute eine Komitee-Sitzung der SFL statt, in der über das Vorgehen beraten wird. Die Vereine können in der Folge wahrscheinlich auf schriftlichem Weg über den Abbruch oder die Weiterführung abstimmen. Die Liga selber spricht sich klar für eine Weiterführung aus. Dabei geht es insbesondere um die Einhaltung des Fernsehvertrags und um eine gute Position für die Verhandlung eines neuen TV-Vertrags ab Saison 21/22. Zudem ist möglich, dass sich die Liga durch eine selbstständige Absage der Saison rechtlich angreifbar macht. Lausanne-Sport, Leader der Challenge League und wahrscheinlicher Aufsteiger, könnte gegen den Abbruch insistieren.

Wie sieht das konkrete Schutzkonzept im Profifussball aus?

Mit dem Schutzkonzept soll sichergestellt werden, dass eine Infektion unter den Fussballern unwahrscheinlich ist. Es beinhaltet unter anderem, dass Spieler nicht gemeinsam duschen und die Trainingskleidung von zu Hause mitnehmen. Zudem soll auf unnötiges Näherkommen (Handshakes oder Umarmungen) verzichtet werden. Das Konzept kommt übrigens aufgrund eines Inputs des BAG ohne Tests aus, wie die Liga betont. Das Konzept ist vom BAG aber noch nicht definitiv abgesegnet.

Bleiben die Fussballklubs weiterhin in Kurzarbeit?

In Coronazeiten ist die Kurzarbeit für die Profi-Fussballvereine zu einem wichtigen Instrument geworden. Derzeit profitieren auch die Spieler davon. Die SFL klärt nun ab, ob die Kurzarbeit zu einem gewissen Teil auch möglich ist, solange Geisterspiele notwendig sind, denn es fallen weiterhin hohe Einnahmen weg.

Wann gibt es wieder Teamsport und in welcher Form?

Durch den Bundesratsentscheid scheint klar, dass die Meisterschaft der Fussball-Amateure definitiv abgesagt wird. Bereits am 18. April haben die 13 Regionalverbänden beim Schweizerischen Fussballverbandes dies beantragt. Zwar darf ab dem 8. Juni der Spielbetrieb bei den Profis wieder aufgenommen werden, für alle Teamsportarten der Amateure gilt dies jedoch nicht. Fraglich ist derzeit zudem auch, ob die Saison 20/21 wie geplant im August gestartet werden kann. Nach derzeitiger Beschlusslage des Bundesrats sind erst ab September wieder Spiele auf Amateurniveau möglich. Der Zentralvorstand des SFV berät heute Donnerstagmorgen in einer Telefonkonferenz über das weitere Vorgehen. Die weiteren traditionellen Schweizer Teamsportarten wie Eishockey, Handball oder Volleyball beginnen ihre Meisterschaften erst nach dem 1. September und dürfen darauf hoffen, dass ab dann Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen wieder erlaubt sind.

Welches sind die Verlierer des Bundesrats-Entscheides?

Ganz hart trifft es die Schwinger. Geisterschwingfeste wird es nicht geben und so mussten bis Ende August alle Anlässe abgesagt werden. Auch das Saison-Highlight, das Jubiläumsschwingfest 125 Jahre ESV, vom 30. August wurde gestern auf 2021 verschoben. Einige wenige Schwingfeste im September und Oktober bleiben vorerst im Kalender. Die Leichtathletik als grösste Sommersportart sucht nach Lösungen, um ab dem 8. Juni nationale und regionale Meetings durchzuführen – in einer stark angepassten Form. Bei Swiss Athletics hofft man, dass der Bundesrat am 27. Mai allenfalls die Vorschrift der maximalen Gruppengrösse von fünf Personen aufhebt. Während man beim grössten internationalen Meeting Weltklasse Zürich vom 11. September weiter hoffen kann, wird die Grossveranstaltung Athletissima in Lausanne zumindest am 20. August nicht stattfinden können.

Gibt es bereits konkrete Langfristfolgen für den Sport?

Die Eishockey-WM 2020 in Zürich und Lausanne (8. bis 24. Mai) musste abgesagt werden. Nun treibt die Frage nach einem neuen Termin in der Schweiz die Verantwortlichen um. Bis 2025 sind die WM-Turniere vergeben, bis 2022 die entsprechenden Verträge unterzeichnet und die Vorbereitungsarbeiten für die WM 2021 in Weissrussland und Lettland und 2022 in Finnland weit fortgeschritten. Daher ist an einer Telefonkonferenz die Option einer Verschiebung auf 2021 definitiv verworfen worden. Nun wird beim internationalen Verband der frühestmögliche Termin einer WM in der Schweiz beantragt. Somit wird die Eishockey-WM im Mai 2023 oder 2024 bei uns stattfinden. Für die finanziellen Langzeitfolgen im Schweizer Nachwuchssport will der Bundesrat schnell Abhilfe schaffen. Viele Sportvereine finanzieren ihren Nachwuchssport weitgehend über die Bundesbeiträge von Jugend+Sport. Diese fliessen nur, wenn trainiert wird. Nun soll der jährliche Topf von 100 Millionen Franken zu einem grossen Teil auch verteilt werden, wenn Juniorentrainings monatelang ausfallen.