Slowenische Tage und Dopingverdacht am Giro

Die slowenischen Fahrer dominieren den Giro d’Italia: Vom sportlichen Geschehen wie von den Schlagzeilen her. Die schnellen Osteuropäer haben eine Verbindung zum deutschen Dopingarzt Mark Schmidt.

Tom Mustroph, Pinerolo
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Der 27-jährige Jan Polanc neu im rosa Leadertrikot des Giro. (Bild: Alessandro Di Meo/AP (Pinerolo, 23. Mai 2019))

Der 27-jährige Jan Polanc neu im rosa Leadertrikot des Giro. (Bild: Alessandro Di Meo/AP (Pinerolo, 23. Mai 2019))

Das Sportliche zuerst: Fünf Tage trug der Ex-Skispringer Primoz Roglic die Maglia rosa. Auf ein einwöchiges Intermezzo des Römers Valerio Conti folgte gestern Donnerstag mit Jan Polanc der nächste Slowene. Polanc war der bestplatzierte Fahrer einer grossen Ausreissergruppe, die auf der geschichtsträchtigen Strecke zwischen Cuneo und Pinerolo von den Favoriten auf bis zum 15-Minuten-Abstand ziehen gelassen wurde. Polanc nahm ­dabei dem Teamkollegen Valerio Conti das Trikot ab.

Er setzt damit die Erfolgssträhne sowohl des arabischen Rennstalls UAE als auch die des slowenischen Velosports fort. Im Ziel musste er sich nach kurzem Glückwunsch gleich Fragen nach dem Zustand des Velosports in seiner Heimat gefallen lassen. Die beiden Landsleute Kristijan Koren, aktuell Radprofi bei Bahrain-Merida, und Borut Bozic, nach einer Radler-Karriere nun sportlicher Leiter bei Bahrain Merida, wurden als Kunden des mutmasslichen Dopingarztes Mark Schmidt identifiziert. Weiterer Kunde ist der kroatische Profi Kristijan Durasek, der einst in einem slowenischen Rennstall fuhr und seit drei Jahren Polanc’ Teamkollege bei UAE ist. Nach Hinweisen der UCI wird ein dritter Slowene, der Ex-Profi und Manager Milan Erzen, auch des Kontakts zu Schmidt bezichtigt.

Die Frage nach der Blutzentrifuge

Erzen soll sich bei Schmidt nach einer Blutzentrifuge erkundigt haben. Das ist ein Equipment, das fürs Blutdoping unerlässlich ist. Die Zentrifuge trennt durch Rotation die roten Blutkörperchen von den anderen Blutbestandteilen. Letztere werden umgehend zurückgeführt, die roten Blutkörperchen aber gelagert und gewöhnlich unmittelbar vor wichtigen Wettkämpfen in den Kreislauf zurückgeführt. Sie sollen dann für mehr Sauerstoff in den Muskeln, also für mehr Energie und damit bessere Leistung sorgen.

Der Kontakt zwischen Arzt und Radsportmanager soll über einen Mittelsmann aus Kroatien erfolgt sein, schrieb die französische Tageszeitung «Le Monde» mit Verweis auf UCI-Ermittlung.

Der Weltradsportverband hat Kroatien offenbar bereits seit 2015 als Dopingsumpf im Visier. Damals gab es Gerüchte über das Sporthotel Villa Triglav. Es befand sich in Slowenien, logistisch gut gelegen im Dreiländereck mit Italien und Österreich, und wurde vom einstigen Radprofi Tadej Valjavec geführt. Valjavec fiel in den Frühzeiten des Blutpasses mit unregelmässigen Werten auf und wurde seinerzeit auch gesperrt. Das Hotel baute er zu einem gigantischen Sauerstoffkomplex aus – die Funktionsweise des Sauerstoffzelts erweitert auf eine ganze Hotelanlage. Seinerzeit rühmte sich Valjavec auch ganz offen seiner Kontakte zum Preparatore Michele Ferrari. Die UCI hat durch Operation «Aderlass» nun offenbar neue Hinweise auf Dopingstrukturen in Slowenien erhalten.

Leader Polanc dementiert Kontakte zu Schmidt

Radprofi Jan Polanc, derzeit Anführer des Giro d’Italia, ist die ganze Aufregung natürlich nicht entgangen. «Es sind traurige Zeiten jetzt für den slowenischen Radsport», gab er zu. Er versicherte dann aber: «Ich kann nur sagen, dass ich mit diesen Personen nichts zu tun habe. Ich trainiere weiter bei mir zu Hause in Slowenien, ich bin stolz, Slowene zu sein.»

Giro d'Italia

102. Giro d’Italia. 12. Etappe, Cuneo–Pinerolo (158 km): 1. Benedetti (ITA) 3:41:49. 2. Caruso (ITA). 3. Dunbar (IRL), beide gleiche Zeit. 4. Brambilla (ITA) 0:02 zurück. 5. Capecchi (ITA) 0:06. 6. Polanc (SLO) 0:25. 7. Montaguti (ITA) 0:34. 8. De Gendt (BEL) 2:36. 9. Gavazzi (ITA), gleiche Zeit. 10. Senni (ITA) 2:38. Ferner: 17. Danilo Wyss (SUI) 6:33. 18. Lopez (COL) 7:35. 19. Landa (ESP), gleiche Zeit. 21. Carapaz (ECU) 8:03. 23. Majka (POL). 24. Roglic (SLO). 25. Nibali (ITA). 27. Mollema (NED). 28. Yates (GBR), alle gleiche Zeit. 44. Conti (ITA) 10:37. 114. Reto Hollenstein (SUI) 20:02. 146. Tom Bohli (SUI) 21:38. – 160 Fahrer gestartet, 159 klassiert. – Nicht gestartet: Ewan (AUS) und Viviani (ITA).

Gesamtklassement: 1. Polanc 48:49:40. 2. Roglic 4:07. 3. Conti 4:51. 4. Capecchi 5:02. 5. Nibali 5:51. 6. Mollema 6:02. 7. Majka 7:00. 8. Carapaz 7:23. 9. Amador (CRC) 7:30. 10. Carthy (GBR) 7:33. Ferner: 13. Yates 7:53. 16. Lopez 8:08. 21. Landa 8:31. 74. Wyss 34:42. 84. Hollenstein 38:33. 156. Bohli 1:45:43.

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