Ski
Slalom-Fahrer Daniel Yule: «An Renntagen trage ich immer die gleiche Unterwäsche»

Slalom-Fahrer Daniel Yule spricht über Gewohnheiten, den intensiven Januar und die Aufgabe als Athletensprecher.

David Bernold
Drucken
Teilen
Schweizer Slalom-Aushängeschild: Daniel Yule.

Schweizer Slalom-Aushängeschild: Daniel Yule.

Jean-Christophe Bott/Key (Saas-Fee, 17. September 2020
Schweizer Slalom-Aushängeschild: Daniel Yule.

Schweizer Slalom-Aushängeschild: Daniel Yule.

Jean-Christophe Bott/Key (Saas-Fee, 17. September 2020

Mit einem Monat Verzögerung und nach einer sehr langen Vorbereitungsphase starten die Slalom-Fahrer am Montag in ihre Weltcup-Saison. Seit dem letzten Winter ist Daniel Yule, 27, der erfolgreichste Schweizer Athlet in dieser Disziplin. Im vergangenen Januar hat der Skirennfahrer innert 19 Tagen dreimal gewonnen und sein Total auf vier Siege hochgeschraubt.

Sie sagen, Sie seien kein geduldiger Mensch. Dann hat Ihnen das lange Warten auf den ersten Slalom des Winters besonders zugesetzt.

Ehrlich gesagt, ja. Eine normale Vorbereitung ist schon lang genug. Dieses Jahr war es richtig lang. Auf der anderen Seite können wir Sportler uns glücklich schätzen, denn wir waren bisher wenig von Covid betroffen. Ich hoffe, es bleibt so. Deshalb will ich mich überhaupt nicht beschweren.

Schön für Sie, dass bereits am Tag nach dem Auftakt in Alta Badia in Madonna di Campiglio der zweite Slalom folgt. Dort, wo Sie vor zwei Jahren Ihren ersten Sieg errungen haben.

Ich freue mich, dass es jetzt losgeht – und vor allem auch, wie es losgeht. Zuerst innert zweier Tage die zwei Rennen in Alta Badia und in Madonna, und dann folgt der Januar, in dem es Schlag auf Schlag geht. Ich mag es, wenn ein Rennen nach dem anderen kommt. Man kommt so in den Rhythmus rein.

Der Slalom in Madonna findet auf den Tag genau zwei Jahre nach Ihrem ersten Weltcup-Sieg statt. Sind Ihnen solche Daten bekannt?

Das habe ich nicht gewusst. Ich schaue ein wenig auf solche Sachen. Aber wichtiger für mich ist das gute Gefühl, das ich bei einer Rückkehr an einen Ort habe, an den ich so schöne Erinnerungen habe.

Von Aberglaube reden Sie nicht?

Nein, abergläubisch bin ich nicht. Die Teamkollegen sehen das etwas anders, aber ich habe lediglich meine Gewohnheiten.

Was sind das konkret für Gewohnheiten?

Ich mache einige Dinge seit Jahren gleich. Zum Beispiel trage ich an einem Renntag immer die gleiche Unterwäsche. Diese und andere Gewohnheiten helfen mir, nicht unnötig Energie zu verschwenden und mich auf das Skifahren konzentrieren zu können.

Daniel Yule nach dem Rennen in Adelboden am 12. Januar 2020.

Daniel Yule nach dem Rennen in Adelboden am 12. Januar 2020.

KEYSTONE

Nach Madonna folgen wieder zwei Wochen ohne Slalom, dann aber kommt wie bereits angesprochen der intensive Januar mit sieben Rennen innert 26 Tagen. Sie sagen, Sie mögen diesen hohen Rhythmus. Anderseits kommt der Erholung bei einer solchen Belastung eine noch grössere Rolle zu.

Bei so vielen Rennen innert so kurzer Zeit ist es ein Vorteil, ein Slalom-Fahrer zu sein. Für die Athleten, die zusätzlich auch Riesenslaloms bestreiten, ist die Belastung noch grösser. Ich selber habe ja für diese hohe Intensität trainiert. Daher sehe ich die Erholung nicht als grosses Problem.

Sie sind nicht nur Skifahrer, sondern auch Athletensprecher. Das Amt werden Sie im Frühling abgeben. Weshalb?

Der Grund dafür ist eigentlich ein erfreulicher. Nach den Erfolgen im letzten Winter ist es für mich etwas viel geworden in Bezug auf Anfragen von Medien und Sponsoren. Ich hatte deshalb viel weniger Zeit für mich.

Was bringt die Aufgabe als Athletensprecher mit sich?

Ich vertrete, wie es der Name sagt, die Meinungen und Anregungen der Fahrer bei den Verantwortlichen der FIS.

KEYSTONE

Mit welchen Themen werden Sie konfrontiert?

Es geht oft um den Rennkalender und die Sicherheit. Dazu waren zuletzt auch die Parallelrennen ein heisses Thema.

Und das Thema Preisgeld?

Natürlich wurde das auch immer wieder angesprochen. Betreffend Preisgeld bin ich für mehr Ausgeglichenheit. Als Sieger verdienst du gut genug. Im Vergleich dazu wird für einen fünften oder zehnten Platz zu wenig bezahlt.

Sie haben also bei der FIS mehr Ausgeglichenheit vorgeschlagen?

Ich hatte einen Vorschlag vorbereitet. Vorgesehen war, den Vorschlag diesen Frühling zu besprechen. Das Coronavirus machte dem Skirennsport aber auch finanziell zu schaffen. Wenn sich die wirtschaftliche Situation wieder bessert, kann das dann mein Nachfolger wieder vorbringen.

In gut einem Jahr finden die Olympischen Winterspiele in Peking statt. Zu China haben Sie einen besonderen Bezug. Sie haben eine Skischule aufgebaut. Wie ist es dazu gekommen?

Ich habe die Skischule mit einem langjährigen Ski-Kollegen gegründet, der vor vielen Jahren mal als Schneesportexperte nach China gereist war. Ins Tagesgeschäft bin ich aber nicht involviert. Ich bin einfach Mitbegründer.

Aktuelle Nachrichten