SKISPRINGEN: Langsamer Abschied

Der Rücktritt von Simon Ammann ist seit Jahren ein Thema. Auch vor dem Weltcupfinal in Planica wird der 36-jährige Toggenburger mit dieser Frage konfrontiert.

Hans Leuenberger (sda)
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Simon Ammann trat auch dieses Jahr bei Olympia an. (Bild: Matthias Hangst/Getty (Pyeongchang, 16. Februar 2018))

Simon Ammann trat auch dieses Jahr bei Olympia an. (Bild: Matthias Hangst/Getty (Pyeongchang, 16. Februar 2018))

Hans Leuenberger (SDA)

Die Trainer und Betreuer von ­Simon Ammann reisen ohne ­Abschiedsgeschenk für den vierfachen Olympiasieger zum Weltcupfinal nach Planica. Mehr als ein Indiz für die Fortsetzung der Karriere ist das fehlende Präsent im Gepäck allerdings nicht. Der Toggenburger hat sich gegenüber dem Verband noch nicht geäussert. Die Ungewissheit dürfte auch über das Wochenende in Planica hinaus anhalten. «Ich habe kein Bedürfnis nach einer Abschiedsparty», hatte Ammann schon mehrmals gesagt. Seinen Entscheid fällt der Skispringer wohl erst in den kommenden ­Wochen. Zum Thema Rücktritt hatte Ammann bereits vor Saisonbeginn gesprochen. «Nur ein guter Winter eröffnet mir die Chance, noch eine Saison anzuhängen», sagte er damals. Ist es ein guter Winter? «Jein.» Gemessen an den nackten Resultaten ist er es nicht. Der Podestplatz beim Skifliegen am Kulm und ein fünfter Platz in Zakopane bildeten die Ausreisser nach oben. So richtig in den Top Ten angekommen ist Ammann nicht.

Andererseits beendete er die leidvolle Diskussion um die Stilnoten. Am vergangenen Samstag beim Teamspringen in Vikersund leuchtete fünfmal die 18,5 auf. Mit solchen Werten ist der Schweizer wieder konkurrenz­fähig. Auch wenn die Zahlen nicht lügen, scheint Ammann mit einem 19. Rang im Zwischenklassement des Weltcups unterbewertet zu sein. Immer wieder verhaut er den einen oder anderen Sprung, immer wieder deuten Flüge an, was möglich wäre. Zu den Besten fehlt einiges, aber das Top-Ten-Niveau wäre da. Seine Olympia-Klassierungen 11 und 13 in Pyeongchang widerspiegeln die effektive Stärke des Schweizers besser als sein Ranking.

Und immer ging es doch weiter

Das Thema «Simon Ammann und Rücktritt» entfachte mit dem nunmehr sechsfachen Olympiateilnehmer lange Zeit unangenehme Unterhaltungen. Der Toggenburger hielt sich oft bedeckt, wirkte manchmal zerknirscht oder gar genervt. Lieber sprach er von technischen Aspekten, von kommenden Wettkämpfen oder vom Feuer als Skispringer, das in ihm nach wie vor brennt. Inzwischen fühlt sich der 36-Jährige durch die Frage nach seiner ­Zukunft kaum mehr gestresst. Sie begleitet ihn nun schon seit sieben Jahren. Nach Sotschi ist Schluss – so lautete der allgemeine Tenor seit dem Frühling 2011, als der vierfache Olympiasieger entschied, seine phänomenale Laufbahn fortzusetzen. Im Januar 2012 – nach einer misslungenen Vierschanzentournee – setzte Ammann allen Spekulationen zum möglichen Rücktritt vorzeitig ein Ende und verkündete, er werde die Karriere bis nach den Olympischen Spielen 2014 im Heimatland seiner Frau fortsetzen. Bereits zu Beginn des Winters 13/14 tönte er eine mögliche Verlängerung an.

Vor einer vollgepackten Saison mit Tournee, Olympischen Spielen und Skiflug-WM stellte er sich die Frage: «Kann ich es diesen Winter so geniessen, wie ich es in einem letzten Jahr machen will?» Seine Antwort: «Vielleicht ist in den nächsten Monaten der Druck so gross, dass ich besser ein Extrajahr anhänge.» Die Auftritte in Sotschi missrieten. Rund einen Monat später orientierte der Toggenburger über die Fortsetzung seiner Karriere. Im folgenden Winter etablierte er sich prompt wieder an der Weltspitze. Er triumphierte zweimal in Kuusamo und stieg in Engelberg, Garmisch-Partenkirchen und Innsbruck aufs Podest.

Kein Druck von aussen

Dann kam der verhängnisvolle Sturz in Bischofshofen im Januar 2015. Dieser Prozess zog seine Laufbahn womöglich in die Länge, denn Ammann wollte die Umstellung der Landung unbedingt hinkriegen. Knapp drei Jahre hat es gedauert, bis die Kampfrichter bei der Stilnote wieder akzeptable Werte eintippen. «Ich will zeigen, dass ich zu Recht noch Skispringer bin», sagte Ammann im vergangenen November. Muss er als vierfacher Olympiasieger, Weltmeister, Gesamtweltcupsieger und Skiflugweltmeister doch noch etwas beweisen? «Viele Leute freuen sich, im Sport ein bekanntes Gesicht zu sehen. Deshalb spüre ich nicht einen grossen Druck von aussen», sagt der Routinier. Ihm geht es mehr um die Innenansicht. Physisch sei er auch mit 36 Jahren noch auf dem Niveau eines Spitzensportlers. Er ist schliesslich nur sechs Wochen älter als Roger Federer.

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