SKISPRINGEN
Der Vogelmensch wird 70-jährig: Walter Steiner feiert heute Geburtstag

Am Montag, 15. Februar, feiert Walter Steiner seinen 70. Geburtstag. Der Toggenburger war einer der herausragenden Schweizer Wintersportler. 1972 verpasst er den Olympiasieg um bloss einen Zehntelpunkt.

Daniel Good
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Walter Steiner während eines Skifliegens in Planica

Walter Steiner während eines Skifliegens in Planica

Bild: Keystone (17. März 1974)

Bis Simon Ammann kam, war Walter Steiner im Skispringen das Mass aller Dinge im Land. Keiner flog in den 1970er-Jahren so weit wie der Toggenburger, der deshalb den Übernamen «Vogelmensch» erhielt.

Wetterkapriolen und Weltrekord

Eigentlich wäre Steiner wie später Ammann auch Olympiasieger. In Sapporo dominiert er die Trainings. Aber im Wettkampf von der Grossschanze am 11. Februar 1972 war das Glück nicht auf seiner Seite. Nach halbem Pensum lag Steiner aufgrund von Wetterkapriolen bloss an 13. Stelle. Im zweiten Durchgang kehrte der Wildhauser aber den Meister hervor und sprang 103,5 Meter weit.

Feierlicher Empfang nach dem Gewinn der olympischen Silbermedaille in Wildhaus.

Feierlicher Empfang nach dem Gewinn der olympischen Silbermedaille in Wildhaus.

Bild: Keystone (19. Februar 1972)

Diese Marke hätte zum Olympiasieg gereicht. Aber die Weite wurde nachträglich auf 103,0 Meter korrigiert. Auf Druck der DDR, hiess es später. So kam der Pole Wojciech Fortuna zu Gold. Mit dem kleinstmöglichen Abstand von 0,1 Punkten gewann Steiner Silber.

Der Skiflieger der Extraklasse

Die Vierschanzentournée beendete Steiner zweimal - 1973/74 und 1976/77 - auf dem zweiten Gesamtrang. Am besten war der gelernte Holzbildhauer aber im Skifliegen: zweimal Weltmeister, einmal WM-Zweiter und mit 169 Metern - aufgestellt am 15. März 1974 - Weltrekordhalter.

Walter Steiner 2019 auf Heimaturlaub

Walter Steiner 2019 auf Heimaturlaub

Bild: Adi Lippuner

Weil Steiner ein relativ schwerer Athlet war, stellten sich allmählich körperliche Beschwerden ein. Das Kreuzband schmerzte immer stärker, und er musste sich mehreren Knieoperation unterziehen. An der Skiflugwoche 1978 in Bad Mitterndorf bestritt er sein letztes grosses Springen. Mit Platz fünf nahm die grosse Karriere ein ansehnliches Ende.

Die Denkmäler der Unvernunft

Schon als Aktivier kritisierte Steiner die immer grösser werdenden Schanzen, die gebaut wurden für das Spektakel. Für Weitenjagden, die in Weltrekorde münden sollten. Der St. Galler bezeichnete die Skiflugschanzen «als Denkmäler der Unvernunft».

Nach dem Ende der Karriere blieb Steiner im Skispringen aktiv. Zunächst wechselte er als Servicemann in die Bundesrepublik Deutschland. Später wurde er Klubtrainer in den Vereinigten Staaten von Amerika.

Auch der eiserne Karl gratuliert

Seit 1990 lebt Steiner im schwedischen Falun. Er wurde zu einem starken Langläufer und gewann 2013 an der inoffiziellen WM in Asiago einen kompletten Medaillensatz und wurde zugleich zum dritten Mal Weltmeister.

Zu seinem 70. Geburtstag erhielt Steiner zahlreiche Gratulation aus der Schweiz, unter anderem von Karl Frehsner, dem ehemaligen Erfolgstrainer der Schweizer Alpinen.