Skirennen
Lauberhorn 2022: Statt Menschenandrang gibts diesmal nur ein Volksfestchen

Zuschauer am Lauberhorn: Das hatte einiges zu reden gegeben im Vorfeld. Am ersten Tag ist nicht viel los.

Dominic Wirth
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Rund 13'500 Zuschauer sind am ersten Tag in Wengen. Früher waren es auch schon doppelt so viele.

Rund 13'500 Zuschauer sind am ersten Tag in Wengen. Früher waren es auch schon doppelt so viele.

Keystone

Endlich wieder Lauberhorn, aber ein wenig müssen sich die Zuschauer noch gedulden. Die Sonne ist zwar schon da, sie hat sich pünktlich um halb eins über den Berg geschoben. Nur oben am Hundschopf bleibt es noch ruhig, ein Vorfahrer ist gestürzt. Es dauert 5 Minuten, 10, 15. Dann, endlich, der Start. Und bald, mit Startnummer 3: Beat Feuz, der Mann, auf den alle warten. Er fährt um 12.48 Uhr los, und der Berner liefert: grüne Farbe, Platz 1, Jubel.

Die Rennen am Lauberhorn sind eine Institution, sie werden heuer zum 92. Mal ausgetragen. Es ist aus Schweizer Sicht das wichtigste Skiwochenende des Jahres und einer der wichtigsten Sportanlässe überhaupt. Wer am Lauberhorn gewinnt, geht nicht mehr vergessen.

Das gilt auch für die diesjährigen Sieger, doch die Ausgabe 2022 ist eine besondere. Sie steht für das Wengener Comeback. Im letzten Jahr fanden die Rennen nicht statt, wegen der Pandemie. Und Pandemie, das ist ja eigentlich immer noch. Das hat im Vorfeld zur vielen Diskussionen geführt: Ein Skirennen mit Tausenden Zuschauern, muss das derzeit wirklich sein, dazu noch ohne Maskenpflicht? Befeuert wurden sie durch die Bilder aus Adelboden vom letzten Wochenende: Tausende Menschen, dicht gedrängt auf einer Tribüne, wenige Masken.

Sport und Schlagerparty

Im Starthaus steht die Nummer 11, es ist Aleksander Kilde, der Norweger. Er springt über den Hundschopf, schiesst Richtung Kernen-S, taucht bei der ersten Zwischenzeit auf, grüne Farbe. Nervöses Aufschreien am Girmschbiel, er ist am Lauberhorn die Haupttribüne, von der Natur bereitgestellt. Ein Hügel, von dem man wunderbar auf die Rennstrecke sieht: Hundschopf, Minschkante, Canadian Corner, und dahinter natürlich stets: Eiger, Mönch und Jungfrau.

Der Chef am Girmschbiel ist Sepp Odermatt, er wird als Speaker-Legende vorgestellt. Wenn ein Schweizer am Start steht, ruft er, man könne jetzt an die Geräte. Und meint Schweizer Fahnen. Odermatt kommentiert das Skirennen, dazu spielt er Musik ein, die aus dem Land des jeweiligen Fahrers stammt. Man bekommt von ihm Sport serviert, garniert mit einer Schlagerparty.

Wenn sich die Abfahrer das Lauberhorn hinunterstürzen, gibt es am Girmschbiel normalerweise kein Durchkommen mehr. Das ist diesmal anders. Da sind natürlich ein paar junge Männer, die schon kurz nach dem Mittag einige Biere gesehen haben. Die «kei um!» rufen, als der Österreicher Matthias Mayer den Berg hinunterfährt. Und «Ab id Quarantäne», als sein Landsmann Vincent Kriechmayr weniger später startet. Aber insgesamt geht es gemütlich zu an diesem Lauberhorn-Freitag. Klar, man freut sich über die schnellen Schweizer, schunkelt ein wenig zu den Schlager-Hits. Geht dann aber bald auch mal talwärts.

Urs Näpflin, der OK-Präsident in Wengen, hatte im Vorfeld viel zu tun. Er musste zum Beispiel die Entscheidung verteidigen, dass keine Maskenpflicht gelten werde am Lauberhorn. Trotz Adelboden. Näpflin verwies auf die Zertifikatspflicht. Sagte, am Lauberhorn gebe es mehr Platz. Und betonte, er baue auf die Eigenverantwortung. Zudem werde man die Menschen dazu animieren, eine Maske zu tragen, wenn das nötig sei.

Startnummer 23, Carlo Janka. Am Girmschbiel schwenkt jemand eine Janka-Fahne, es ist ein Mann, der sich als Hitsch vorstellt. Er kommt aus Obersaxen, wie Janka, der Abfahrer, der gerade seinen Rücktritt bekanntgegeben hat.

Hitsch gehört zum Fanklub des Bündners, Gründungsjahr: 2006. Im Jahr darauf ist Hitsch zum ersten Mal ans Lauberhorn gekommen. Seither tut er das jedes Jahr. «Es ist einfach ein wunderschönes Rennen», sagt er. Eiger, Mönch, Jungfrau. Und Janka, heute zum letzten Mal überhaupt. Es bedeute ihm viel, dass er beim Abschied am Berg dabei sein dürfe, sagt Hitsch.

Die Masken sind eher weniger ein Thema

Animiert zum Maskentragen wird übrigens nicht oft. Am Getränkestand gibt es auch ohne Maske etwas zu Trinken. Speaker Odermatt nimmt das Wort ein Mal in den Mund, er hat die Leute gerade animiert, ein wenig mitzuschunkeln. Und schiebt dann nach, man solle doch eine Maske tragen, wenn es eng werde. Es stehen überall Hinweistafeln im Schnee, aber es geht auf ihnen nicht um die Pandemiebekämpfung. Sondern die Abfallentsorgung.

Aber eben: Es ist eher ruhig am Lauberhorn an diesem Tag. Richtig eng wird es selten. 13'500 Zuschauer sind gekommen. An einem schönen Samstag waren es früher auch schon über 30'000. Heute dürfte es am Girmschbiel etwas anders aussehen: Wochenende, tolles Wetter, Feuz und Odermatt. Schon eher eine Prüfung für die Eigenverantwortung.

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