Skifieber im grünen Cologna-Land

Wenn morgen die Tour de Ski für die Skating-Sprints im Val Müstair Halt macht, wird das Tal nicht mit einer Winterlandschaft aufwarten. Dafür mit viel Enthusiasmus und Vorfreude. 400 Helfer stehen im Einsatz, gegen 4000 Zuschauer werden erwartet.

Ralf Streule
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SKI NORDISCH. Nach Wintersport sieht es im Val Müstair in diesen Tagen nicht aus. Als die Nordschweiz vor dem Jahreswechsel eingeschneit wurde, kriegte das Tal in Südbünden fast nichts ab. Und am vergangenen Samstag regnete es gar – nicht die besten Voraussetzungen für ein Weltcup-Rennen im Rahmen der Tour de Ski. Wenn die weltbesten Langläufer morgen in der Heimat von Dario und Gianluca Cologna zum Sprint antreten, wird dennoch alles bereit sein, ist OK-Chef Alfred Lingg überzeugt. «Wir haben uns gut vorbereitet», sagt er. In Tschierv, wo das Rennen ausgetragen wird, seien die Schneekanonen bereits im Oktober in Betrieb genommen worden. So liege nun genügend Schnee, damit ein reguläres Rennen durchgeführt werden könne.

Budget von 750 000 Franken

Die grosse Vorfreude auf das Rennen sei im Tal aufgrund des fehlenden Schnees zuletzt zwar etwas zurückhaltend gewesen, sagt Lingg. Nun aber, da Dutzende Medienleute, 400 Helfer und bald auch der grosse Sportlertross im Tal unterwegs seien, sei das Fieber zu spüren – wie bereits vor zwei Jahren, als die Tour de Ski zum ersten Mal mit einem Sprint in Tschierv Halt gemacht hatte. Das sportliche Highlight im Tal wird auch in diesem Jahr Tausende Langlauffans an die Loipe ziehen. «Wir rechnen mit gegen 4000 Zuschauern», sagt Lingg. Dies wären 3000 weniger als vor zwei Jahren. Der Grund für die vorsichtige Prognose sei, dass das Rennen damals an Silvester stattgefunden habe und viele Touristen in der Gegend waren, diesmal aber viele wieder bei der Arbeit seien.

Im Münstertal leben 1600 Menschen in Orten wie Tschierv, Lü, Müstair oder Santa Maria, wo die Colognas aufgewachsen sind. Für das kleine Tal ist es keine Selbstverständlichkeit, einen so grossen Anlass mit einem Budget von 750 000 Franken zu stemmen. Hotelbetten sind im Val Müstair zu wenige vorhanden, um alle Teams, Medienleute und Helfer aufzunehmen. Einige Langlauf-Teams weichen ins nahe Südtirol aus, die Crew vom Schweizer Fernsehen ist in Zernez im Engadin untergebracht.

Bis 2018 im Tour-de-Ski-Plan

Gefeierte Athleten werden im Münstertal natürlich die beiden Cologna-Brüder sein, auch wenn Dario vor einigen Jahren das Tal brüskierte, als er Tourismus-Botschafter für seine Wahlheimat Davos wurde. Seine Erfolge seien aber der Hauptgrund, dass das Tal überhaupt in den Genuss von Weltcup-Rennen komme, sagt Lingg. Bis mindestens 2018 soll Tschierv im Weltcup-Kalender bleiben. Abwechselnd mit der Lenzerheide werden dort bis dahin weitere Tour-de-Ski-Etappen durchgeführt. Und vielleicht auch darüber hinaus.

Ein Erfolg Dario Colognas wäre morgen ein verdienter Lohn auch für das OK des Wettkampfs. Vor zwei Jahren reichte es dem Münstertaler zum Vierten Platz, am Schluss belegte er den zweiten Gesamtrang. Ein Podestplatz in seiner Heimat dürfte Colognas Ziel sein.