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SKICROSS: Gladiator und Spassvogel

Nach zwei Stürzen im Training fragt sich Marc Bischofberger, wie er das olympische Rennen fahren soll. Der Ostschweizer stemmt sich aber erfolgreich gegen alle Widerwärtigkeiten und gewinnt die Silbermedaille.
Sven Schoch (sda), Pyeongchang
Ein Appenzeller im Höhenflug: Marc Bischofberger in perfekter Haltung über einem der vielen Sprünge (links) und auf der Silberfahrt im Final (rechts) mit dem nachmaligen Olympiasieger Brady Leman. (Bilder: Keystone, EPA)

Ein Appenzeller im Höhenflug: Marc Bischofberger in perfekter Haltung über einem der vielen Sprünge (links) und auf der Silberfahrt im Final (rechts) mit dem nachmaligen Olympiasieger Brady Leman. (Bilder: Keystone, EPA)

Sven Schoch (SDA), Pyeongchang

Er stammt aus einer klassischen Skifamilie. Vater Beny kam auf Europacup-Niveau zum Einsatz, seine Tante Annemarie Bischofberger bestritt 1980 in Lake Placid die Olympia-Abfahrt. Marc selber war ein passabler Techniker und im Junioren-Alter Teamkollege von Gino Caviezel. Eine Serie von Verletzungen stoppte ihn einstweilen.

Doch der Alpin-Rücktritt mit knapp 19 Jahren war quasi der entscheidende Schritt vor einem aufregenden nächsten Abenteuer im Schneesport. Im Internet stiess er auf eine Skicross-Ausschreibung, meldete sich an und blieb hängen. «Springen, gegeneinander fahren, das hat mich sofort fasziniert.» Die einst flüchtige Bekanntschaft prägte fortan sein Leben.

Der Spartenwechsel hat sich gelohnt. Marc Bischofberger ist in einer der spektakulärsten und zugleich härtesten Ski-Disziplinen inzwischen zu einem internationalen Leader aufgestiegen. Seit dem vergangenen Sommer setzt der Polymechaniker ausser Dienst vollumfänglich auf den Spitzensport: «Ein bisschen finanzielles Risiko muss sein.»

Der Schweizer Cheftrainer Ralph Pfäffli schätzt Bischofberger sehr. Seine Art hält er wichtig für den Teamprozess. Er sei zum einen ein Gladiator und zugleich ein unbekümmerter Spassvogel. «Er ist keiner, der sich allzu grosse Gedanken macht.»

Von sich selbst überzeugt

Wenn andere resignieren, setzt der Appenzeller zu einem weiteren Überholmanöver an. Bischofberger ist überzeugt von seinem Stil: «Ich sehe immer eine Möglichkeit, wieder in Führung zu gehen. Das macht für mich Skicross aus.» In den Minuten seines wertvollsten Resultats blieb der Einzelkönner primär Teamplayer und bestätigte das Bild der verschworenen Equipe, die weit mehr ist als eine reine sportliche Zweckgemeinschaft. «Der Mannschaft gebührt der grösste Dank, den Trainern Ralph Pfäffli, Mike Schmid, Enrico Vetsch. Die Serviceleute haben ohne Ende geschuftet.»

In der silbernen Stunde hat der Oberegger Bischofberger die «unzähligen Stunden nicht vergessen, die Ralph für uns im Ratrac verbringt, um irgendwo um Mitternacht noch etwas Schnee zusammenzukratzen».

So souverän Bischofberger zuletzt auf der FIS-Tour die Konkurrenz beherrschte und sich in den Knock-out-Runden einzig vom nachmaligen Champion Brady Leman bezwingen lassen musste, so turbulent war im Phoenix Snow Park das olympische Vorprogramm verlaufen. «Nach zwei Stürzen im Training lag ich im Bett und fragte mich: ‹Wie soll ich morgen fahren?› Ich fühlte mich ungefähr 30 Jahre älter.»

Der Team-Arzt und die Physiotherapeuten hätten ihn «wieder zusammengeflickt», so Bischofberger. Der teilweise wechselnde Wind und zwei, drei schwierige Sprünge hatten ihm zu schaffen gemacht, aus der Fassung liess sich der Weltranglistenerste nicht bringen. Selbst die schweren Stürze von Terence Tchiknavorian (Schienbeinbruch), Christoph Wahrstötter (Gehirnerschütterung) und Christopher Delbosco (Beckenbruch) blendete er aus: «Ich war im Rennmodus und in einem Flow.»

An der Medaillenfeier springt der Funke

Wie so viele Medaillengewinner an Olympischen Spielen hatte aber auch Marc Bischofberger im ersten Moment Mühe, das Geschehene einzuordnen. «Ich habe immer gedacht, man fährt über die Ziellinie und dann hat man diese Medaille», sagte der Ostschweizer. Aber so sei es eben doch nicht. «Es ist im ersten Moment wirklich schwierig, dies alles einzuordnen.»

Gesprungen sei der Funke bei der Übergabe der Medaille. «Da wurde mir bewusst, ja, es ist der zweite Platz. Auf dem Podest und rund um die Zeremonie hat man etwas Zeit für sich, um zu überlegen, was überhaupt geschehen ist», so der 27-Jährige. Nun sei er sicher, dass ihm noch eine lange Nacht bevorstehe. Bischofberger musste sich als Bester des starken Schweizer Quartetts im Final nur dem Kanadier Brady Leman geschlagen geben. Er krönte die starke Leistung der Mannschaft, die mit grossen Ambitionen nach Südkorea gereist war. Armin Niederer, der im Halbfinal auch an Bischofberger scheiterte, holte als Sieger des kleinen Finals Platz fünf. Alex Fiva und der Werdenberger Jonas Lenherr schieden in den Viertelfinals aus. Auch sie mussten in ihren Runs jeweils gegen einen Teamkollegen antreten.

«Es ist extrem befriedigend, wenn die Puzzle-Steine zusammen kommen», sagte Cheftrainer Pfäffli. «Und es zeigt, dass man gut gearbeitet hat.» Am Ende stach von dem mit exzellentem Material ausgestatteten Schweizer Quartett der Trumpf Bischofberger. Dem in Marbach wohnenden Appenzeller war der ganz grosse Durchbruch im Weltcup erst in dieser Saison gelungen. Zwei seiner drei Weltcupsiege holte er kurz vor Weihnachten in Innichen, nach Südkorea reiste er als Führender der Weltcupwertung und «deshalb mit einem guten Gefühl». Um sich voll auf die Olympia-Saison zu konzentrieren, liess sich Bischofberger im vergangenen August von seiner Stelle als Polymechaniker in Oberegg freistellen.

Bischofbergers Plan ging auf, auch am Tag X. Im Final lag er nach dem Start sogar in Führung, zur Wiederholung des Triumphs von Mike Schmid von Vancouver 2010 reichte es aber nicht ganz. Leman ging noch vor Rennhälfte in Führung, verteidigte diese auch auf den letzten drei Sprüngen souverän.

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