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SKICROSS: Das Olympia-Projekt Smith

Fanny Smith hat ihr grosses Ziel erreicht. Die 25-jährige Waadtländerin holt mit Bronze ihre erste Olympiamedaille der Karriere. Auf dem Weg dorthin musste sie jedoch Kompromisse eingehen.
Sven Schoch (sda)
«Ich bin enorm glücklich über den dritten Platz», sagt Fanny Smith. (Bild: Gian Ehrenzeller/KEY)

«Ich bin enorm glücklich über den dritten Platz», sagt Fanny Smith. (Bild: Gian Ehrenzeller/KEY)

Sven Schoch (SDA)

Ein Diplom, was ist schon ein olympisches Diplom? So ungefähr tickt Fanny Smith. Für die Romande zählt an den grossen Events nur das Podium. Das Halbfinal-Out in Sotschi vor vier Jahren verdarb ihr mindestens einen Winter lang die Laune. Mit vier Jahren Verspätung schloss Smith nun gewissermassen Frieden mit den Olympischen Spielen. «Klar geht es noch besser, ich stelle sehr hohe Ansprüche an mich selber. Aber ich bin enorm glücklich über den dritten Platz», sagte sie schliesslich. Die Tränen nach der Erwähnung, mit Ausnahme der 88-jährigen Grossmutter seien alle Bezugspersonen vor Ort gewesen, zeigten den emotionalen Wert ihres Podestplatzes. Im Alter von erst 25 Jahren ist sie an ihrem vorläufigen Karrierehöhepunkt angelangt. «Ich musste hart dafür arbeiten. Früher war ich manchmal zu nett, diesmal habe ich die Ellbogen auch etwas ausgefahren», sagte Smith nach dem umkämpften Final, den sie als Dritte hinter den Kanadierinnen Kelsey Serwa und Brittany Phelan beendete. Doch die Bronzemedaille holte sie sich nicht erst in Pyeongchang. Sie ist das Ergebnis einer Strategie, die auch schmerzhafte Trennungen beinhaltete – und schon lange vor den Winterspielen begann.

«Sie hat gemerkt, dass wir viel für sie tun»

«Sie hat den Kopf dazu, die Nummer eins zu sein», sagte Ralph Pfäffli im ­vergangenen Herbst. Er nahm sich damals viel Zeit, das Phänomen Smith zu analysieren und zu erklären. Der nationale Skicross-Pionier verfolgt die Entwicklung der Westschweizerin seit über einer Dekade. Näher kennen gelernt hat er sie allerdings erst in dieser Saison; nach einem jahrelangen Solo signalisierte sie ihre Bereitschaft, sich in die Equipe des Verbandes integrieren zu lassen. Pfäffli wusste von den Gedankenspielen Smiths, künftig für Grossbritannien anzutreten. Mit einer sportdiplomatischen Offensive beseitigte Swiss Ski die Gefahr, die mit Abstand beste Skicross-Athletin zu verlieren. «Sie hat rasch einmal gemerkt, dass wir sehr viel für sie tun. Sie profitiert von wissenschaftlichen Arbeiten und einer exzellenten Rundumbetreuung», so Pfäffli.

Dem erfahrenen Coach mit dem ausgeprägten Sinn fürs funktionierende Kollektiv gelang es, eine ausgeprägte Individualistin einzuflechten, ohne die generelle Balance zu gefährden. «Das ganze Konstrukt benötigte viel Energie. Einige reagierten zunächst skeptisch.» Die teilweise kritische Haltung bröckelte jedoch rasch einmal, weil Smith mit ihrer Ankunft neue Gelder generierte. Im Zuge der ganzen Rückführungs­aktion stiess ein neuer Servicemann zur Equipe – und ab September verstärkte Mike Schmid die Entourage der Schweizer Cross-Spezialisten.

Die Spielregeln hatte Pfäffli früh ­festgelegt: «Der ganze Deal fand nur statt, weil wir auch profitieren konnten.» Eine gewisse Eigenständigkeit gestand Pfäffli der ehemaligen Weltmeisterin Smith zwar weiterhin zu, «aber sie hat sich uns angenähert». Beidseits waren Kompromisse nötig, in ein Schema hätte sich Smith ohnehin nicht pressen lassen. Und der Spielraum der Eingliederung war knapp bemessen: «Wir hatten sehr wenig Zeit, der Wechsel passierte erst im vergangenen Frühling.»

Harte Trennung von Trainer und Mentor

Im April vor einem Jahr kommunizierte Smith einen für sie tief greifenden Entschluss – sie trennte sich von ihrem privaten Trainer und Mentor Guillaume Nantermod. Der frühere Top-Snow­boardcrosser hatte die Waadtländerin von ihrer ersten Skicross-Wettkampf­minute bis zu einem kompletten WM-Medaillensatz gecoacht. «Von ihm habe ich alles über Skicross gelernt», sagte sie einmal über ihren bislang wichtigsten Partner im Spitzensport. Unmittelbar vor der dritten Olympia-Kampagne entschied sie sich zum Ausstieg aus der Symbiose. Die Wege zweier starker Persönlichkeiten trennten sich abrupt. Das Ende der Zusammenarbeit hört sich aus Sicht Smiths nüchtern an: «Wir gaben ­alles, was zu geben war.» Sie habe nach einer Auslegeordnung gespürt, dass eine Veränderung nötig sein würde, erklärte Smith in einem SDA-Interview. «Im Sport ist diese Erkenntnis nichts Aussergewöhnliches. Beim FC Sion geht das in der Regel viel schneller.»

So innovativ und vertrauensvoll die Beziehung mit Nantermod verlaufen war, in technischer Hinsicht machten Experten Defizite aus. Die Ablösung vom ehemaligen Snowboarder habe ihr gutgetan, sagt ein Insider. Sie war früher auf dem Berg anzutreffen, sie machte im technischen Teil deutliche Fortschritte. Für Smith war der Schritt ins Team wichtiger als manches Überholmanöver während ihrer Karriere. Das beste Olympia-Resultat von Smith seit ihrem Debüt 2010 ist für alle Involvierten ein Erfolg. «Das Fundament ist gelegt», sagt Pfäffli und spricht von einem inzwischen gegenseitigen Vertrauen. Von der früher spürbaren Distanz ist nur noch wenig übrig. Nichts spricht mehr gegen eine reibungslose Fortsetzung des zu Beginn nicht unkomplizierten Projekts.

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