Spitzensport in Corona-Zeiten

Skicrosserin Fanny Smith: Mit vollem Fokus durch die Krise

Die Weltcup-Saison von Skicrosserin Fanny Smith wird unmittelbar vor dem Höhepunkt wegen des Coronavirus gestoppt. Seither hält sie sich zuhause fit, die Trainingsanlage: ihre Terrasse in Villars.

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Fanny Smith hat in den vergangenen Wochen viele Facetten der Coronavirus-Pandemie kennengelernt. Als Athletin war sie von der Absage des Saisonfinales in Veysonnaz betroffen, versucht nun trotz der eingeschränkten Trainingsmöglichkeiten in Form zu bleiben, während die Enkelin Smith sich um ihre Grossmutter kümmert oder als Geschäftsfrau um die Sponsoren sorgt. Die vielen Berührungspunkte mit dem Coronavirus haben Smith "sehr vorsichtig" gemacht. "Ich sage mir manchmal sogar, dass es etwas zu viel ist."

Smith trifft die vielen Vorsichtsmassnahmen nicht ihretwillen, es geht ihr darum, andere zu schützen, insbesondere ihre 90-jährige Grossmutter. "Ich besorge ihr die Einkäufe, aber wir sind extrem vorsichtig", sagt Smith. Zuletzt nahm Smith die Grossmutter sogar auf einen Spaziergang mit, nicht weit, aber immerhin etwas Bewegung, damit die Muskeln nicht schwinden. "Wir haben Masken und Handschuhe getragen und dabei immer die zwei Meter Abstand eingehalten", sagt Smith. Seit die Behörden Anfang März die ersten Empfehlungen für Risikogruppen bekannt machten, begab sich Smith' Grossmutter in Quarantäne. Überzeugungsarbeit der Enkelin benötigte es keine.

Zwischen Lobbying und Training

Der letzte Auftritt der Saison am Heimevent in Veysonnaz wurde Smith in letzter Sekunde verweigert. Der Weltcup-Schluss der Snowboardcrosser am Freitag hatten die Organisatoren noch durchführen können, ehe das Rennen der Skicrosser vom Samstag abgesagt werden musste. Die Regeln des "Social Distancing" waren da schon in Kraft, auch unter den Skifahrern. "Wir Athleten haben uns nicht mehr umarmt", sagt Smith. Die Waadtländerin will ihre Vorbildfunktion im Kampf gegen das Virus nutzen, nimmt unter anderem an der von Doktor Didier Pittet lancierten Kampagne "STOP COVID" teil.

Die Kampagne richtet sich vorwiegend an junge Menschen. Sportler wie Smith, aber auch führende Sportvereine, Komiker und Künstler sind Teil davon. "Wir liefern Ideen, um sich zuhause zu beschäftigen und so sicherzustellen, dass die Richtlinien des Bundes eingehalten werden", sagt die zweifache Gesamtweltcupsiegerin. Zusammenhalten, alles dafür tun, dass das Virus sich nicht weiter ausbreitet, und die Gesundheit der anderen vor die eigene stellen, so die Botschaften von Smith und "STOP COVID".

Liefert sie keine Einkäufe an ihre Grossmutter aus, oder stellt sich als Botschafterin in den Dienst einer Kampagne gegen das grassierende Virus, ist Smith das, was sie schon ihr halbes Leben lang ist: eine Spitzenathletin. Da auch sie auf das Training in Fitnessräumen verzichten muss, muss die Terrasse vor ihrem Haus in Villars als Trainingszentrum herhalten. "Diese Situation macht kreativ", sagt Smith. Die Skicrosser sind bislang mit einem blauen Auge aus der Krise gekommen.

Glück hätten sie gehabt, sei nur das Saisonfinale wegen Corona abgesagt worden, sagt Smith. "Tatsächlich fiel für mich nur das Finale und ein Anlass für einen grossen Sponsor dem Virus zum Opfer." Ungewissheit herrscht aber auch für die Skicrosser, und Unsicherheit. "Besonders im Sport planen wir gerne Dinge", sagt Smith. Gerne hätte sie in den letzten Wochen neues Material getestet, Corona machte dies unmöglich, ebenso würde sie gerne ihre Vorbereitung planen, auch daran ist nicht zu denken. "Du weisst, dass wenn die Saison am Tag X beginnt, musst du am Tag Y bereit sein", sagt Smith. Nun wisse sie nichts. "Können wir im Juli auf den Gletscher? Finden die Trainingslager in Südamerika statt? Abwarten."

Abwarten heisst es für Smith auch in Sachen Sponsoring. Die Geldgeber sind von der Corona-Krise ebenfalls betroffen und gezwungen, womöglich ihr Budget anzupassen. "Ich habe noch keine Informationen erhalten über mögliche Abzüge", sagt Smith. Über neue Verträge und Vertragsverlängerungen wird momentan ohnehin nicht diskutiert, "alles auf Standby", sagt Smith. Momentan steht für sie die Solidarität im Vordergrund. "Wenn sich die Situation etwas beruhigt hat, werden mein Manager und ich uns darum kümmern." Dann wird womöglich auch Smith auf Solidarität angewiesen sein.