Krise überwunden: Schweizer Riesenslalomfahrer sind längst mehr als nur Lückenbüsser

Ohne Marcel Hirscher wird im Slalom und Riesenslalom ein Platz auf dem Podest frei – aber Swiss Ski braucht diese Hilfe gar nicht mehr. Am Sonntag in Sölden wollen die Athleten ein erstes Mal in dieser Saison zeigen, zu was sie fähig sind.

Martin Probst
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Loïc Meillard wird zugetraut, im Riesenslalom zum Siegfahrer zu reifen.
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Gleiches gilt für Marco Odermatt. Er hat das Zeug zum Seriensieger.
Gino Caviezel gilt seit Jahren als Talent – kommt nun der nächste Schritt?
Thomas Tumler stand in der vergangenen Saison auf dem Podest.
Reto Schmidiger bekam von den Trainern den Startplatz für Sölden.
Justin Murisier ist ein grosses Schweizer Talent – bleibt er endlich verletzungsfrei?

Loïc Meillard wird zugetraut, im Riesenslalom zum Siegfahrer zu reifen.

Keystone

Dieser Text macht Hoffnung. Aber eigentlich müssen sich die Schweizer Skifahrer nicht mehr daran klammern. Nach Jahren der Krise ist das Männerteam von Swiss Ski auch im Riesenslalom wieder konkurrenzfähig.

Die Ausgangslage für das Rennen am Sonntag in Sölden ist so gut wie seit Jahren nicht mehr. Swiss Ski hat seit dem vergangenen Winter die Gewissheit, den Anschluss an die absolute Weltspitze geschafft zu haben. Vier Podestplätze, zwei von Marco Odermatt und je einer von Loïc Meillard und Thomas Tummler, beweisen dies.

Seine Majestät, König Marcel I.: Der 30-jährige Ski-Star Marcel Hirscher hat seinen Rücktritt bekanntgegeben.
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Lange hat er es sich überlegt, von vielen wurde es bereits vermutete, ...
Marcel Hirscher (r.) gibt in der vom ehemaligen Liechtensteiner Skifahrer Marco Büchel moderierten Livesendung auf ORF 2 seinen Rücktritt bekannt.
Marcel Hirscher gibt im ORF 2 live seinen Rücktritt bekannt.
Ein Sieger durch und durch: Der Österreicher hat alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt.
Der Österreicher Marcel Hirscher war der dominierende Fahrer der 2010er-Jahre – in den vergangenen acht Wintern gewann er in jeder Saison den Gesamtweltcup.
2018 wurde Hirscher in Pyeongchang Olympiasieger im Riesenslalom und in der Kombination
Zwischen 2013 und 2017 feierte er sieben Weltmeistertitel, dazu gewann er auch vier Silbermedaillen.
Unerreicht ist seine Bilanz im Gesamtweltcup: Die grosse Kristallkugel gewann Marcel Hirscher zwischen 2012 und 2019 acht Mal in Serie.
Als Hirschers Paradedisziplin galt der Slalom: Dort feierte er 32 Weltcupsiege und stand 33 weitere Male auf dem Podest.
Doch auch der Riesenslalom war seine Domäne, ...
... 31 Siege und 28 Podestplätze stehen in dieser Disziplin zu Buche.
Nur sporadisch bestritt Hirscher Speed-Rennen, aber bei einem dieser Stars gewann er einen Super-G und wurde dazu auch zwei Mal Dritter.
Legendäre Aufholjagd: 2015 wurde Hirscher Weltmeister in der Kombination, nachdem er im Slalom von Rang 30 auf Platz 1 stürmte.
Im Berner Oberland fühte er sich zuhause: Neun Mal gewann der Ösi ein Weltcuprennen am Chuenisbärgli in Adelboden. Ein Rekord.
Mit 67 Weltcupsiegen belegt Hirscher in der ewigen Bestenliste Rang 3 hinter Ingemar Stenmark und Lindsey Vonn.
Marcel Hirscher setzt sich auch schon mal auf ein MotoGP-Bike.
Der Slalom- und Riesenslalom-Spezialist Marcel Hirscher entschied 67 Weltcuprennen für sich.
Der Slalom- und Riesenslalom-Spezialist Marcel Hirscher entschied 67 Weltcuprennen für sich.
Der Slalom- und Riesenslalom-Spezialist Marcel Hirscher entschied 67 Weltcuprennen für sich.
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Der Slalom- und Riesenslalom-Spezialist Marcel Hirscher entschied 67 Weltcuprennen für sich.

Seine Majestät, König Marcel I.: Der 30-jährige Ski-Star Marcel Hirscher hat seinen Rücktritt bekanntgegeben.

Keystone

Doch Zusatzmotivation schadet ja nie. Und darum: Statistisch gesehen haben sich die Chancen auf Schweizer Podestplätze im Riesenslalom und Slalom der Männer enorm erhöht.
Dank Marcel Hirscher. Der 30-jährige Österreicher hat im Herbst nach langer Bedenkzeit entschieden, seine Karriere zu beenden. Achtmal in Folge hat er zuvor den Gesamtweltcup gewonnen. In diesem Zeitraum fanden im Weltcup 78 Slaloms und 66 Riesenslaloms statt. In 113 dieser 144 Rennen stand Hirscher auf dem Podest.

Zwei Schweizer in den Rollen der Kronprinzen

Hirscher kommt auf eine Erfolgsquote von fast 80 Prozent. Oder anders gesagt: In gut vier von fünf Rennen stand er auf dem Podest. Dieser fast schon fix vergebene Platz ist nun freigeworden.

Hirschers beeindruckende Statistik

Seit der Saison 2011/12, als Marcel Hirscher den ersten seiner acht Gesamtweltcupsiege in Serie holte, fanden 78 Slaloms und 66 Riesenslaloms statt. Im Slalom stand der Österreicher 58-mal auf dem Podest (in 74,4 % der Rennen), im Riesenslalom 55-mal (83,3 %). Nimmt man beide Disziplinen zusammen, sind es 113 Podestplätze in 144 Rennen, was einer Podestquote von 78,5 Prozent entspricht. Anders gesagt: Seit Hirschers Rücktritt in diesem Herbst ist in gut 4 von 5 Rennen ein Platz auf dem Podium frei. (mpr)

AZ

Freude herrscht? Schaden tuts sicher nicht. Man könnte aus Schweizer Optik aber auch sagen: Hirscher hat den Absprung, den viel zitierten Rücktritt auf dem Höhepunkt, geschafft. Denn die Stimmen mehren sich, dass Swiss Ski die dominierenden Riesenslalomfahrer der Zukunft im Team hat. Das prognostizierte selbst Hirscher während seiner Aktivzeit. Auf die Frage, wer ihn dereinst als Dominator im Riesenslalom beerben würde, nannte er wiederholt zwei Athleten: Loïc Meillard und Marco Odermatt.

Anders als im Slalom, wo Sportler von Swiss Ski schon länger mit den Allerbesten mithalten können, wartet das Riesenslalom-Team auf einen Sieg. Daniel Yule und Ramon Zenhäusern wurden in der vergangenen Saison im Slalom zu Siegern. Im Riesenslalom ist Carlo Janka der Letzte, dem ein Weltcupsieg gelang: im März 2011.

Der Gesamtweltcup bleibt in der Hand der Techniker

Gibt es also schon blad einen Nachfolger? Swiss-Ski-Riesenslalom-Trainer Helmut Krug sagte im «Blick»: «Wenn keine Verletzungen dazwischenkommen, werden wir resultatmässig einen Hammer-Winter erleben.»

Und im Slalom? Dort sollte es weiter gut aussehen. Mit Yule und Zenhäusern hat das Team zwei klare Leader. Dahinter wartet Luca Aerni auf den lange erhofften Durchbruch und ist Meillard ebenfalls bereits zum Podestfahrer geworden.

Doch noch einmal zurück zu Hirscher. Er macht nicht nur im Slalom und Riesenslalom Platz. Auch im Gesamtweltcup wird es nach acht Saisons einen neuen Gewinner geben. Der Letzte, der Hirscher wirklich nahe kam, war Beat Feuz. Am Ende der Saison 2011/2012 hatte er nur 25 Punkte weniger auf dem Konto als Hirscher.

Schlägt nun die Stunde des Schweizers? Nein. Der Gesamtweltcup wird mit allergrösster Wahrscheinlichkeit weiterhin fest in der Hand der Techniker bleiben. Weil diese deutlich mehr Rennen haben. Auch ohne Hirscher.