Ski Freestyle
Freeski-Pionier Elias Ambühl tritt ab – ein Rückblick auf seine Karriere und ein Ausblick in die Zukunft

Einst war er das grosse Schweizer Aushängeschild in seinem Sport. Freeskier Elias Ambühl hat seine Sportart entscheidend geprägt. Vor zweieinhalb Wochen hat der 26-Jährige seinen Rücktritt bekanntgegeben. Ein Rück- und ein Ausblick.

Yannick Fischer
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Hier fühlt er sich wohl: Elias Ambühl fliegt an den Olympischen Winterspielen in Sotschi durch die Lüfte.

Hier fühlt er sich wohl: Elias Ambühl fliegt an den Olympischen Winterspielen in Sotschi durch die Lüfte.

Keystone

«Krass!» – Es ist das erste Wort, das Elias Ambühl von sich gibt, als er aus dem Windtunnel steigt. Er ist gerade geflogen. Nicht mit Skischuhen, sondern mit schwarzen Sneakern der Marke Nike. Wir befinden uns an der Eröffnung des «Windwerks», einer Indoor-Skydiving-Anlage in Winterthur. Elias Ambühl ist als Gast hier und darf die Anlage testen. Er ist gut drauf, hat immer einen Spruch auf Lager, nimmt sich Zeit für die Fragen der anwesenden Journalisten.

Zweieinhalb Wochen sind vergangen, seitdem er im «sportpanorama» seinen Rücktritt vom Wettkampfsport verkündete. Er, der grosse Freestyle-Pionier, der diesen Sport in der Schweiz vorangetrieben hat wie kein Zweiter. Für viele war er ein Idol. Ein Grund, warum sich Kinder und Jugendliche überhaupt mit dieser Sportart befassen. Etwa für Andri Ragettli, den wohl bekanntesten Akteur aus dem Schweizer Freestyle Nachwuchs. «Elias hat uns Schweizern aufgezeigt, dass es möglich ist, in diesem Sport Profi zu werden», verkündete der 20-Jährige jüngst. Es sind Worte, die Ambühl schmeicheln: «Das macht mich natürlich stolz», sagt er. «Es ist schön, zu sehen, dass diese Jungs dankbar dafür sind, was ich geleistet habe. Vor allem, wenn jemand wie Andri das sagt, der eine Riesennummer werden wird, oder das bereits ist, bedeutet mir das viel.»

Durchbruch an den X-Games

Ambühls Karriere startete noch im Teenageralter. 16 Jahre alt war er, als er 2009 seine ersten Wettkämpfe bestritt – und noch im selben Jahr feierte er seinen ersten Sieg im Slopestyle, bei den «Austrian Freeski Open». Es war schliesslich der 30. Januar 2010, an dem Ambühl in Aspen Colorado den ganz grossen Durchbruch schaffte. Bei seiner ersten Teilnahme an den X-Games, dem prestigeträchtigsten unter den Freestyle-Events, sicherte er sich direkt die Bronzemedaille im Big Air. «Diese Medaille hat meinen Namen international bekannt gemacht», sagt er heute. Und nicht nur das: Die Medaille hat auch gezeigt, dass man als Schweizer im amerikanisch geprägten Freeski mithalten kann.

Dass Ambühl nicht nur ein «One-Season-Wonder» war, bewies er in den darauffolgenden Jahren. Drei weitere X-Games-Medaillen und unzählige aus anderen Wettbewerben sollten noch folgen. Nur an den Olympischen Spielen wollte es nie ganz klappen. An den Winterspielen 2014 in Sotschi scheiterte Ambühl in der Qualifikation. 2018, in Pyeongchang, belegte er den 9. Platz.

Elias Ambühl an einer Medienkonferenz während den Olympischen Spielen in Südkorea.

Elias Ambühl an einer Medienkonferenz während den Olympischen Spielen in Südkorea.

Keystone

Nebst den Wettkampf-Erfolgen hat der Bündner auch einen Eintrag im «Guinness Buch der Rekorde» vorzuweisen. Im Februar 2017 brauste er in Arosa mit 131,2 km/h die Piste hinunter. Rückwärts.

Doch nun ist Schluss. Im Alter von 26 Jahren beendet Ambühl seine Karriere. Das sei bisweilen noch gewöhnungsbedürftig, sagt er: «Es gibt Tage, da kribbelt es wieder. Vor allem in der momentanen Zeit, in der die Wettkampfsaison startet. Aber ich glaube, das ist normal. Dieser Sport bedeutet mir eben viel. Mir war klar, dass es mir nicht leicht fallen wird.»

Viele Projekte stehen an

Ambühl lebte für seinen Sport. Doch es ist nicht etwa so, dass ihm nach dem Rücktritt langweilig wird. Im Gegenteil: Die Liste von Dingen, die er bereits tut oder noch tun will, ist lang, sehr lang: Er macht die Berufslizenz zum Helikopterpiloten, organisiert Freestyle-Camps für Kinder, führt mit seiner Frau Sara eine Bar in Tschappina, ist neuer Freestyle-Experte beim «SRF» und will künftig Ski-Filme drehen. Darüber hinaus wird er Mitte Januar zum ersten Mal Vater.

Da kommt also ganz schön was auf ihn zu. Wie will er das alles unter einen Hut bringen? «All die Projekte sind mit sehr viel Fleiss verbunden», erklärt Ambühl. «Man muss Prioritäten setzen, aber ich bin ein Mensch, der diesen Druck braucht. Und ich habe eine Frau, die mir sehr vieles abnehmen kann.»

«Habe diesem Sport alles zu verdanken»

Ganz weg vom Freeski will und kann Ambühl aber nicht. Er bleibt dem Sport erhalten, sei es als Experte im Fernsehen, als Lehrer in seinen Ausbildungscamps oder als Darsteller auf der Leinwand. Denn das Band zwischen ihm und Freeski ist eines, das auch nach seinem Rücktritt aus dem Wettkampfsport wohl noch lange bestehen bleiben wird. «Ich habe diesem Sport alles zu verdanken. Ich bin unglaublich dankbar dafür, dass ich das so ausleben durfte und immer noch darf. Ich werde Freeski so lange betreiben, wie ich kann und das auch meinen Kindern weitergeben», sagt Ambühl.

In ein paar Wochen wird sein erstes Kind geboren werden. Vielleicht also, wird in nicht allzu ferner Zukunft der oder die nächste Ambühl die Freestyle-Szene prägen. Als Tochter oder Sohn jenes Mannes, der vor langer Zeit mal allen gezeigt hat, dass auch Schweizer in diesem Sport zur Weltspitze gehören können.

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