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SKI FREESTYLE: Der weinende Favorit

Die Schweizer Freeskier gehen im Slopestyle leer aus. Die Enttäuschung ist vor allem beim Bündner Andri Ragettli gross. Im Vorfeld träumte er von einer Medaille.
Claudio Zanini, Bokwang
Der Freestyler Stanislau Hladchenko aus Weissrussland stürzte im Final der besten sechs und wurde mit lediglich 92,61 Punkten Letzter des Durchgangs. (Bild: Andri Ragettli zeigt seine grosse Enttäuschung nach der verpassten Medaille. Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone)

Der Freestyler Stanislau Hladchenko aus Weissrussland stürzte im Final der besten sechs und wurde mit lediglich 92,61 Punkten Letzter des Durchgangs. (Bild: Andri Ragettli zeigt seine grosse Enttäuschung nach der verpassten Medaille. Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone)

Claudio Zanini, Bokwang

Als Sarah Höfflin und Mathilde Gremaud am Samstagnachmittag überraschend für einen Schweizer Doppelsieg im Slopestyle sorgten, verfolgte Andri Ragettli den Wettkampf vor Ort mit. Der Exploit der beiden Frauen bewirkte einiges beim Bündner: «Ich merkte, wie fest ich diesen Erfolg auch will», sagt er. Leider ist der Traum bereits der traurigen Realität gewichen, als er die Episode erzählt. Ragettli weint in der Mixed Zone vor einer Journalistentraube. Kurz zuvor musste er von seinem Betreuer mehrere Minuten getröstet werden. Es ist kein leichter Moment für den 19-Jährigen der Sportmittelschule Engelberg. Andri Ragettlis Ambitionen waren gewiss nicht zu hoch gegriffen. Seine Bronzemedaille bei den X-Games in Aspen Ende Januar machten aus ihm einen Topanwärter für Olympia-Edelmetall. Im Freeski-Nationalteam sticht er als besonders ehrgeiziger und fokussierter Athlet heraus. Ragettli meint es todernst, wenn er vor der Abreise nach Südkorea auf seinem Youtube-Kanal sagt: «Ich kann es kaum erwarten, der ganzen Welt mein Skifahren zu zeigen.» Eine andere Sequenz, in der er die offiziellen Kleider vorführt, ist nicht minder bezeichnend: «Das ist das Outfit für die Eröffnungs- und Schlussfeier. Und auch für die Medaillenzeremonie, wo ich hoffentlich zuoberst stehen werde.» Die Vorfreude auf die grosse Bühne war gross, das Selbstvertrauen ebenso.

Ein Niveau wie nie zuvor

Ragettli verfolgt hohe Ziele. Sein Vorbild ist die amerikanische Snowboard-Ikone Shaun White. So wie der Halfpipe-Olympiasieger will Ragettli einst seine Disziplin dominieren. Die Ambitionen unterstrich Ragettli gestern bei der ersten Gelegenheit auf dem Slopestyle-Kurs. Er startete optimal in die Qualifikation. Sein erster Run wurde mit 95 Punkten bewertet – die gleiche Punktzahl hatte im Final der norwegische Sieger Oystein Braaten. Doch Ragettli kam in keinem der drei Finalläufe wieder in diese Sphären. Und er grub tief in seinem Fundus, um die Jury in Bokwang zu überzeugen. Er zeigte seinen schwierigsten Trick, den Nose Butter Triple Cork 1620. Ein komplizierter Dreifach-Salto mit viereinhalb Drehungen um die eigene Achse. Bei der Ausführung liess er allerdings die Präzision vermissen. Früh musste er mit den Händen die Ski loslassen und die Knie anziehen, damit er mit der Rotation fertig wurde.

Solche Ungenauigkeiten wurden von der Jury bestraft. Die Massstäbe kannten wenig Gnade. Doch die strenge Bewertungsskala schien sinnvoll, denn das Feld war hochkarätig, die Unterschiede zwischen den Fahrern minim. Ohne eine kritische Benotung hätte man den Besten an diesem Nachmittag wohl nie gefunden. Der Schweizer Teammanager Dominik Furrer sagt: «Das Niveau war extrem. Ich habe in meinem Leben noch nie eine solche Qualifikation gesehen.» Furrer hatte am Vorabend des Wettbewerbs mit Trainer Misra Torniainen über ernsthafte Kandidaten für das Podest diskutiert. Auf 20 Fahrer mit Medaillenchancen kamen die beiden. «Einige der hochgehandelten Favoriten schieden schon in der Qualifikation aus. Dass wir drei Fahrer im Final hatten, macht uns mehr als glücklich.» Nebst Andri Ragettli, der Rang sieben erreichte, waren auch Elias Ambühl mit Platz neun und Jonas Hunziker als Zehnter unter den besten Zwölf.

Enttäuschter Fabian Bösch

Prominente Abwesende im gestrigen Final waren der schwedische X-Games-Sieger Henrik Harlaut, oder auch der Engelberger Fabian Bösch. Nach dem Hype um sein Rolltreppenvideo und den überstandenen Norovirus setzte sich das olympische Auf und Ab des 20-Jährigen am Wettkampftag fort. Bösch bekundete mit der Rail-Sektion im ersten Teil des Parcours Mühe. Zuerst stürzte er, danach patzte er. «Ich bin sehr enttäuscht und traurig. Mit dem Rail-Trick hatte ich nie Probleme im Training. Zweimal beim selben Rail zu scheitern, ist hart.» Er habe sich 100-prozentig fit gefühlt, betonte Bösch. Das eine verpasste Training wegen der Erkrankung könne nicht der Grund sein, fügte er hinzu.

Ausser Fabian Bösch, der am Ende um einen Platz schlechter klassiert war als in Sotschi, zeigten die Schweizer Freeskier resultatmässig einen besseren Wettkampf als vor vier Jahren. «Wir sind überglücklich, wir haben eine super Teamleistung gezeigt. Es hat einfach ein Quäntchen Glück gefehlt», sagte Dominik Furrer. Dass die Bilanz so gut ausfällt, ist nicht zuletzt den Medaillen von Höfflin und Gremaud geschuldet. Doch bei den Männern waren die Erwartungen höher – unschwer am schluchzenden Andri Ragettli zu erkennen. Etwas Positives nahm er dennoch mit: «Jetzt habe ich den Ansporn, um bei den nächsten beiden Olympischen Spielen besser zu sein und dort zu gewinnen.»

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