SKI ALPIN: Bronze und ein wenig Ernüchterung

Die erste Schweizer Medaille zum WM-Auftakt: Lara Gut gewinnt Bronze im Super-G. So richtig glücklich ist sie damit nicht. Für Lacher verantwortlich ist dagegen die österreichische Überraschungssiegerin Nicole Schmidhofer.

Claudio Zanini/St. Moritz
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Lara Gut fehlen zur angestrebten Goldmedaille 36 Hundertstelsekunden. (Bild: Christian Pfander/Freshfocus)

Lara Gut fehlen zur angestrebten Goldmedaille 36 Hundertstelsekunden. (Bild: Christian Pfander/Freshfocus)

Claudio Zanini/St. Moritz

Im Ziel liess sich Lara Gut direkt nach dem Abschwingen in die Bande fallen. Sie war sich sicher, ihre Fahrt «total versaut» zu haben, wie sie hinterher sagte. Aber ihr Gefühl täuschte sie. Gut stellte zwar keine Bestzeit auf, stand aber zu diesem Zeitpunkt auf Platz zwei, nur drei Hundertstelsekunden hinter der führenden Tina Weirather. Eine Startnummer später kam der Auftritt der Österreicherin Nicole Schmidhofer – sie sollte sich vor die Liechtensteinerin und die Schweizerin drängen und wenig später als Weltmeisterin ausgerufen werden.

In der Leaderbox, wo die ersten drei das Rennen verfolgen und in die Kamera winken, blieb der Platz von Lara Gut lange Zeit leer. Sie sei «bei den Physios gewesen», erklärte die Gewinnerin der Bronzemedaille anschliessend an der Pressekonferenz. Auch jetzt, während sie Auskunft gebe, «warten die Physios auf mich», sagte Gut. Die Folgen ihres Sturzes von Cortina d’Ampezzo hätten sie aber im Rennen nicht behindert, beteuerte die 25-Jährige. «Auf der Piste hatte ich überhaupt keine körperlichen Probleme.» Aber mit der Beschaffenheit hatte sie schon zu kämpfen. «Es war einfach komisch. Der Schnee war komisch. Ich habe schon bei der Besichtigung gesehen, dass es weich war im oberen Teil. Ich konnte nicht beschleunigen.»

Weltmeisterin, aber nicht Englisch-Professorin

Trotz schwieriger Bedingungen gewann Gut zum fünften Mal eine WM-Medaille. Dreimal holte sie Silber, gestern zum zweiten Mal Bronze. Ein wenig Ernüchterung war aber sowohl bei der Schweizer Leaderin als auch beim einheimischen Publikum spürbar. Die Speed-Spezialistin sagte: «Es ist Bronze, nicht der vierte Platz. Das war ein guter Anfang, zumal es meine erste Fahrt nach dem Sturz war, von dem her nicht so schlecht.» Überschwänglichkeit klingt anders. Gemessen am bisherigen Saisonverlauf müsste die Bronzemedaille als Rückschritt taxiert werden, da die Tessinerin drei von vier Super-G-Rennen für sich entschied. Dass sie ihre Vorbereitung jedoch nicht nach Wunsch vollziehen konnte, poliert das Edelmetall auf. In Guts Selbstverständnis soll diese Medaille aber erst der Anfang sein. Bis zum heutigen Abfahrtstraining zähle vor allem die Regeneration, die momentan etwas mehr Zeit als üblich beanspruche, sagte sie.

Es sei natürlich «bitter für die Lara», sagte hinterher Siegerin Nicole Schmidhofer. Aber es fühle sich gerade «sehr cool» an, neue Weltmeisterin zu sein, meinte die 27-jährige Österreicherin. Etwas überraschend kam der Triumph von Schmidhofer schon. Erst seit Anfang Dezember ist sie zurück im Weltcup, nachdem sie im Januar 2016 mit einem Kreuzbandriss ausgefallen war. In breitestem Dialekt sagte Schmidhofer, das müsse sie alles zuerst «sacken» lassen. Als sie der Moderator fragte, ob sie sich schon vorstellen könne, wie die Medaillenzeremonie am Abend ausfallen könnte, meinte Schmidhofer nur: «Nein. Ich bin gerade nur darauf konzentriert, irgendetwas auf Englisch aus mir rauszubringen.» Die Lacher und die Sympathien hatte Schmidhofer damit auf ihrer Seite.

Ebenfalls in Englisch gab die Liechtensteinerin Tina Weirather Auskunft. Die 27-Jährige wurde ihrer Mitfavoritenrolle gerecht und holte Silber. «An der WM in Beaver Creek habe ich die Medaille um sechs Hundertstelsekunden verpasst. Seit einer Woche habe ich an nichts anderes gedacht als an dieses Rennen. Ich bin sehr glücklich mit meiner Fahrt.» Sie sei sich auch bewusst, dass sie die einzigen realistischen Medaillen-Chancen im Super-G habe, in Abfahrt und Riesenslalom liege Edelmetall für sie ausser Reichweite.

Mit Corinne Suter auf Rang zwölf und Joana Hählen als 13. schafften es zwei weitere Schweizerinnen unter die ersten 15. Bei ihrer WM-Premiere hatte die Schwyzerin Suter «unheimlich viel Spass» gehabt. Sie stellte fest: «Es ist einfach alles viel grösser an einer WM.» Und das betrifft nicht nur die Infrastruktur, sondern auch die Erwartungen, wie der erste Renntag offenbarte.