SKANDALSPIELER: Mehr als ein Fettnäpfchen

Wein, Weib und Gesang, das süsse Leben in Paris. Wie die Rugbyprofis Dan Carter und Ali Williams sich und den Ruf der Neuseeländer ramponieren.

Sissi Stein-Abel, Christchurch
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Hier war ihre Welt noch in Ordnung: Dan Carter (links) und Ali Williams an einem Fussballspiel in Paris. (Bild: Jean Catuffe/Getty (Paris, 14. Februar 2017))

Hier war ihre Welt noch in Ordnung: Dan Carter (links) und Ali Williams an einem Fussballspiel in Paris. (Bild: Jean Catuffe/Getty (Paris, 14. Februar 2017))

Sissi Stein-Abel, Christchurch

Es ist unerheblich, dass Dan Carter und Ali Williams das Trikot der Rugby-Nationalmannschaft Neuseelands längst nicht mehr überstreifen. Und auf ihre alten Tage hin in Frankreich noch einmal absahnen. In Neuseeland, am anderen Ende der Welt, wo Rugby Teil der nationalen Identität ist, gilt der Slogan: «Einmal All Black, immer All Black.» Das beinhaltet die Verpflichtung, dem exzellenten Ruf des dreifachen Weltmeister-Teams gerecht zu werden, ganz besonders im Ausland, wo Dutzende Rugby-Profis aus dem Land der Kiwis ihr Geld verdienen. Dass innerhalb von acht Tagen gleich zwei hochdekorierte Ex-Nationalspieler in Paris straffällig geworden sind, hat in der Heimat Entsetzen und vernichtende mediale Kommentare ausgelöst, mit dem Tenor, das hochgeschätzte Erbe der All Blacks sei besudelt worden.

Die Alkoholfahrt von Carter, der mit einer Promille auf den Champs Elysées erwischt wurde, hatte noch Staunen ausgelöst, weil der Weltrugbyspieler des Jahres 2015 als grundsolid gilt. Aber die Festnahmen von Williams mit dem australischen Ex-Nationalspieler James O’Connor wegen des angeblichen Kaufs von etwa zwei Gramm Kokain waren dann doch zu viel. Williams, Mitglied der Weltmeister-Mannschaft von 2011, verbrachte eine Nacht in Polizeigewahrsam und sieht nun einer Anklage wegen Drogenbesitzes entgegen. Die Höchststrafe dafür liegt bei einem Jahr Gefängnis und 3750 Euro Busse.

Der 35-jährige Williams, der wie Carter bei Racing 92 in der französischen Hauptstadt unter Vertrag steht, soll zu zwei Drogenhändlern in ein Auto gestiegen sein und Kokain im Wert von 200 Euro gekauft haben. Der 26-jährige O’Connor, der in Toulon an der Côte d’Azur aktiv ist, stand offenbar Schmiere. Die Profis hatten das spielfreie Wochenende in der Top-14-Meisterschaft dazu genutzt, um in Paris um die Häuser zu ziehen, und sollen zum Zeitpunkt ihrer Festnahme gegen drei Uhr nachts betrunken gewesen sein. Racing 92 suspendierte Williams umgehend.

Viagra dem Trainer ins Bier gemischt

Sowohl Williams als auch O’Connor sind nicht als Kinder von Traurigkeit bekannt. Weil er ausserhalb des Spielfeldes immer wieder aus der Rolle fiel, liessen die Australier O’Connor nach 44 Länderspielen fallen und er zog 2013 für eine Saison nach London. Seit 2015 spielt er für Toulon. Williams, der zwischen 2002 und 2012 bei den All Blacks 77-mal zum Einsatz kam, gab in einem Interview 2013 zu, er sei in jungen Jahren ein Quartalssäufer gewesen. Dann jedoch habe er sich fragen müssen: «Will ich ein Partyhengst sein und Spass haben oder ein professioneller Rugby-Spieler?» Als «Comical Ali» gefiel sich der 2,02-m-Mann ­ in der Rolle des Klassenclowns, wobei nicht jeder seiner Wit­- ze bei Pressekonferenzen lustig war, sondern eher ein Zeichen schlechter Manieren. Als 21-Jähriger mischte er Viagra-Tabletten ins Bier seiner Teamkollegen und Trainer in Auckland. 2007 wurde er von seinem Klub, den Blues, nach einem nächtlichen Saufgelage aus Südafrika nach Hause geschickt.

Dass Williams eine Woche zuvor mit Dan Carter unterwegs war, bevor dieser mit Alkohol am Steuer erwischt wurde, entbehrt nicht der Ironie. Die beiden sind seit jeher eng befreundet. Carter gilt alles andere als trinkfest, sondern als Saubermann schlechthin. Bei seiner verhängnisvollen Tour in Paris war er nicht nur alkoholisiert, sondern fuhr auch zu schnell und hatte keinen Führerschein bei sich. Der 34-Jährige sagte: «Es gibt keine Entschuldigung, es war eine riesige Fehleinschätzung.» Da er ohnehin verletzt war, erlaubte ihm Racing 92, mit seiner Familie nach Neuseeland zu reisen. Kaum in der Heimat angekommen, verlor der einstige Traum aller Schwiegermütter seinen lukrativen Sponsoren-Vertrag mit Land Rover.