Regionalfussball
Noch zwei bis drei Spiele für die Teams: Sinn und Unsinn der Minisaison

Der Amateurfussball soll bald wieder loslegen. Was das für die Vereine der Region bedeutet und wie sie über die Fortsetzung denken.

Ives Bruggmann
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Das Derby zwischen Abtwil-Engelburg und Winkeln steigt frühestens in der nächsten Saison wieder.

Das Derby zwischen Abtwil-Engelburg und Winkeln steigt frühestens in der nächsten Saison wieder.

Michel Canonica

Bei vielen Amateurvereinen glaubte man nach dem letzten negativen Bescheid am 21. April nicht mehr daran, dass in dieser Saison nochmals Fussball gespielt werden darf. Für viele kam es deshalb überraschend, dass der Bundesrat kürzlich in Aussicht stellte, dass ab dem 31. Mai der Ball wieder rollen darf auf den Sportplätzen. Vorbehaltlich des definitiven Entscheides am 26. Mai dürften dann Gruppen bis zu 30 Personen uneingeschränkt trainieren und Ernstkämpfe bestreiten. Für die Ligen gilt gar eine Gruppengrösse von 50 Personen. Dazu kommen maximal 300 Zuschauer, die am Spielfeldrand erlaubt sind.

Weil bis zum Ende der Saison in allen Ligen nicht mehr viel Zeit übrig bleibt, entschieden der Schweizerische Fussballverband SFV sowie die Regionalverbände, nur noch die Hinrunde abzuschliessen und dann die Saison zu werten. Damit dies möglich ist, wurde Anfang dieser Spielzeit das Reglement entsprechend angepasst. In den meisten unteren Ligen sind somit nur noch zwei bis drei Partien zu absolvieren.

Über 250 Fussballklubs gegen Fortsetzung

Während viele Klubs den Entscheid des Bundesrates und des SFV begrüssen oder zumindest akzeptieren, gibt es auch zahlreiche kritische Stimmen. In einer Umfrage des FC Laufen aus dem Kanton Basel-Land nahmen immerhin 461 von fast 1400 Vereinen des SFV teil. 56 Prozent der Klubs gaben an, dass sie die Saison lieber abbrechen möchten. Und unter der Voraussetzung, dass es nur Aufsteiger, aber keine Absteiger gibt, sprachen sich sogar 71 Prozent der Vereine für den Abbruch der Meisterschaft aus. Nun darf die Repräsentativität der Umfrage natürlich angezweifelt werden, da mehr als zwei Drittel aller Klubs im SFV nicht teilnahmen. Fakt ist jedoch, dass sich über 250 Schweizer Vereine für einen Abbruch der Saison aussprachen.

Einer der Gründe dürfte neben der Ansteckungsgefahr wohl die kurze Vorbereitungszeit von zwei Wochen sein, denn die Fortführung der Meisterschaften ist bereits Mitte Juni geplant. «Die Verletzungsgefahr ist viel zu gross», sagt Urs Grünenfelder, langjähriger Fussballfunktionär aus Engelburg. Dies sei seine persönliche Meinung, die nicht mit seinem Engagement beim FC Winkeln in Verbindung gebracht werden solle. Er fragt: «Was nützt es uns, wenn die Spitäler dank tieferer Coronazahlen entlastet werden und dann wieder durch Amateurfussballer mit Knie-, Gelenk-, Arm oder Kopfverletzungen gefüllt werden?» Zudem stellt Grünenfelder die Freigabe des Amateurfussballs auch deshalb in Frage, weil die meisten Spieler noch nicht geimpft seien.

«Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Mannschaften mit Corona-Infizierten in Quarantäne geschickt werden müssen.»

Trotz Abstiegsplatz für eine Fortsetzung

Ein Verein, der von einem Abbruch profitieren würde, wäre der FC Fortuna, dessen erste Mannschaft auf einem Abstiegsplatz der 3. Liga steht. Dennoch sagt Ehrenpräsident René Bühler: «Wir akzeptieren den Entscheid des Verbandes. Das Reglement gibt die Richtung vor.» In der Tat kommunizierten sowohl SFV als auch der Ostschweizer Fussballverband OFV von Beginn an eindeutig. Von den verschiedenen Szenarien kommt nun das letztmögliche zum Zug.

Zwei Spiele Zeit für den Ligaerhalt

Für Fortuna hiesse das, dass noch zwei Spiele blieben, um den Ligaerhalt sicherzustellen. «Natürlich hätten wir gerne mehr Spiele gehabt, aber das Reglement ist kein Wunschkonzert.» Im Gegensatz zum 3.-Liga-Team ist für die 5.-Liga-Equipe Fortunas die Saison bereits beendet, da die Vorrunde abgeschlossen ist. Bühler zeigt auch Verständnis für den Verband, der die Saison unbedingt werten will. Aber: «Die Idee, dass es in allen Ligen nur Aufsteiger gäbe, wurde vom Verband meines Erachtens nicht ernsthaft geprüft. Das finde ich ein bisschen schade.»

Besser als ein Abbruch

Auch Markus Hundsbichler, Präsident des FC Rorschach-Goldach, spricht sich für die Fortsetzung der Meisterschaften aus. «Nicht nur, weil unsere erste Mannschaft auf einem Aufstiegsplatz steht», sagt er. Seit Herbst seien alle Szenarien bekannt. «Daran halten wir uns.» Zudem seien Schutzkonzepte vorhanden und würden eingehalten. «Es ist für alle eine unerfreuliche Situation.» Aber: «Die Saison fertig zu spielen, ist aus unserer Sicht besser, als sie erneut abzubrechen.» Klarheit bringt der Bundesratsentscheid am 26. Mai.