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SILBERMEDAILLE: Drei gegen Perret

Jenny Perret und Martin Rios bleiben an der olympischen Premiere des Curling-Mixed-Doppels im Final chancenlos. Die Kanadier Kaitlyn Lawes/John Morris setzen sich mit 10:3 durch – auch, weil Rios einen schlechten Tag einzieht.
Andreas Eisenring, Pyeongchang

Andreas Eisenring, Pyeongchang

Martin Rios brachte es in seiner typischen Art auf den Punkt: «Ich habe es vergeigt heute.» Da gab es nichts zu beschönigen nach der 3:10-Niederlage gegen die praktisch fehlerlos spielenden Kanadier, welche das konstanteste Olympiaturnier gespielt und sich die erste Goldmedaille in dieser Disziplin verdient haben. «Normalerweise gewinnst du als Team und verlierst du als Team», sagte der 36-jährige Rios, «aber heute hat Jenny top gespielt. Ich hingegen habe meine Leistung nicht gebracht. Wir spielten drei gegen eins – alle gegen Jenny.» Dabei hätte es gegen dieses Kanada einer Topleistung bedurft, um Gold zu gewinnen. Die 26-jährige Seeländerin Jenny Perret sagte: «Im Vorrundenspiel gegen Kanada war ich es, die nicht auf ihre Leistung kam, heute Martin. So sind wir nie richtig ins Spiel gekommen.» Die Statistik bestätigt diese Aussage: Während Perret auf den guten Wert von 75 Prozent erfolgreicher Shots kam, waren es bei Rios magere 61 Prozent.

Ein schwacher Moment mit einem fatalen Fehlstein

Bereits zu Beginn gerieten die Schweizer gehörig unter Druck, weshalb sie sich auf die Absicherung von «nur» zwei Verluststeinen konzentrieren mussten. Im zweiten End gab es einige gute Ansätze, den hohen Favoriten doch ein wenig zu kitzeln. Zwei Schweizer Steine lagen shot – möglich wäre aber gar ein Dreierhaus und die Schweizer 3:2-Führung gewesen. «Das wäre die einzige Chance gewesen, die Kanadier in Bedrängnis zu bringen», sagte Teamcoach Theo Schneider, «die sind es sich nicht gewohnt, in Rückstand zu geraten.»

Immerhin schrieb die Schweiz zwei Punkte und stellte auf 2:2. Aber im dritten End hatte Rios einen ganz schwachen Moment, mit einem fatalen Fehlstein: Der Glarner verpasste einen offenen Takeout, sein Stein lief durch, was den Kanadiern schliesslich ein Viererhaus ermöglichte. Das war ein harter Schlag für die Motivation der Schweizer, die für einmal gar nie ihren Kampfgeist entfachen konnten. Es war die Vorentscheidung, welche dem einseitigen Final auch stimmungsmässig die Spitze brach – zu früh und zu deutlich waren die Verhältnisse geregelt.

Als sich die Schweizer im sechsten End dann gar zwei Steine stehlen lassen mussten, war die Moral definitiv am Boden. Beim aussichtslosen Stand von 3:10 setzten die Schweizer der Partie selber ein Ende und gaben auf. Rios wirkte etwas ratlos: «Vor dem Halbfinal war ich viel nervöser. Ich hatte heute beim Einspielen ein gutes Gefühl. Warum ich gleich mehrere Steine nicht gebracht habe, kann ich mir nicht erklären.» Also hatte auch das besondere Motivationsvideo der Schweizer Hockeyfrauen nicht die gewünschte Wirkung. Offenbar ist der gesellige Rios beim Nationalteam der Frauen der Hahn im Korb. Die Schweizerinnen liessen dem Glarner jedenfalls aus der Garderobe ein Video zukommen – mit dem gleichen Wortlaut, wie Rios die Eishockeyfrauen jeweils (liebevoll) betitelt: «Die Hockeyhühner wünschen dir viel Glück!»

Weitermachen? Oder nicht?

Jetzt bleibt es also beim «silbernen Staubfänger», wie Rios die schon gestern feststehende Medaille bezeichnete. «Ich sage ja nicht, dass ich unglücklich bin mit Silber, aber wir hatten ganz klar Gold als Ziel.» Ob die beiden weitermachen, steht noch nicht fest. «Das werden wir am Ende der Saison ausdiskutieren. Es gibt sicher gute Argumente, weiterzufahren, aber momentan ist das wirklich offen», so Perret. Für Rios wäre eine Verlängerung nur so möglich: «Wenn wir im Doppel weitermachen würden, dann gäbe es ohnehin nur das eine Ziel, das noch offen ist: Olympiagold.»

Während Perret nun als Ersatzfrau fürs Frauen-Curlingteam bereit steht, wird Rios bald abreisen, obwohl ihm das bunte Leben und die verschiedenen Kulturen im Olympic Village ausgezeichnet gefallen. Aber für ihn, der zu 60 Prozent in der Nachwuchsarbeit beim Verband angestellt ist, geht der Curlingnachwuchs vor: Am nächsten Sonntag will er an den Schweizer Meisterschaften in Arlesheim die Junioren unterstützen – Olympiasilber hin oder her.

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