Siegestor gegen «Königliche»

Was macht eigentlich...? Urs Bamert gehörte Ende der Siebzigerjahre zur erfolgreichen Juniorenabteilung des Fussballclubs Amriswil. Später schaffte er es wie einige andere seiner damaligen Kollegen bis in die Nationalmannschaft.

Bruno Eicher
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Urs Bamert ist beim FC Amriswil gross geworden und bestritt insgesamt sechs Länderspiele. (Bild: Bruno Eicher)

Urs Bamert ist beim FC Amriswil gross geworden und bestritt insgesamt sechs Länderspiele. (Bild: Bruno Eicher)

fussball. Hauptverantwortlicher für diese Anhäufung junger Talente war Trainer Bruno Schmucki. Er gab sein immenses Fachwissen kompetent weiter und wusste seine Schützlinge für den Fussballsport zu begeistern. Selbstverständlich war aber auch Härte und Disziplin angesagt. Vielen Akteuren dürfte daher noch der aufgehängte Ball, der sogenannte «Galgen», in Erinnerung geblieben sein.

Urs Bamert führt es jedenfalls auf die intensiven Übungen an diesem Gerät zurück, dass er ein sehr kopfballstarker Spieler wurde. Den Spähern grosser Vereine blieben die Erfolge der Amriswiler Nachwuchsteams natürlich nicht verborgen. Nebst Andy Egli und Christophe Ohrel erhielt auch Bamert entsprechende Angebote. Ein Wechsel zu Chiasso scheiterte jedoch vorerst am Veto des FCA.

Daraufhin nutzte Trainer Schmucki seine guten Beziehungen zu Richard Dürr, seinem ehemaligen Teamkollegen beim SC Brühl St. Gallen. Dieser nahm ihn 1979 als Zwanzigjährigen unter seine Fittiche bei Stade Lausanne und machte ihn mit der welschen Mentalität vertraut. Nicht nur fussballerisch war es für Urs Bamert ein idealer Wechsel, denn nach seiner abgeschlossenen kaufmännischen Ausbildung konnte er ennet dem «Röstigraben» auch gleich noch seine Französischkenntnisse verbessern.

Auf Anhieb Cupsieger

Bereits nach einem halben Jahr schloss sich der Defensivspieler Lausanne Sports an und gewann bereits in der ersten Saison den Schweizer Cup. Gleiches gelang ihm sechs Jahre später auch mit seinem neuen Club Young Boys (1984–87). Mit den Bernern konnte sich Urs Bamert zudem 1986 als Schweizer Meister feiern lassen. Seine letzte Station war Servette-Genf, bevor er sich vor genau 20 Jahren vom Spitzensport verabschiedete.

Dazwischen lagen zehn sehr erfolgreiche Saisons in der höchsten Schweizer Fussballliga, welche ihn auf viele schöne Erinnerungen zurückblicken lassen.

Zwei Höhepunkte

Als Höhepunkte bezeichnet er dabei seinen Siegestreffer in einem Europacup-Spiel gegen Real Madrid und den Auftritt in Mailand gegen das italienische Nationalteam. Unter Trainer Daniel Jeandupeux bestritt er nämlich auch insgesamt sechs Länderspiele.

Nach seinem Rücktritt nahm er nur noch vereinzelt an Benefizspielen teil, bevor er sich vor zehn Jahren dazu entschloss, den Senioren des FC Echichens beizutreten. Auch heute, als 50-Jähriger, macht es ihm noch sehr viel Freude, auf den Rasen aufzulaufen. 2007 durfte er sogar seinen dritten und wohl letzten Schweizer-Cup-Triumph mit den Veteranen feiern.

Während seiner Spitzensportlerzeit war Urs Bamert, bis auf zwei Versuchsmonate als Vollprofi, immer auch berufstätig. Nebst den Ausländern gab es zu jener Zeit noch eher wenige echte Schweizer Berufsfussballer. Er selber brauchte den Ausgleich zum Sport und stieg bereits in seiner Lausanner Zeit in die Sportartikelbranche ein. Nach 17 Jahren bei Adidas ist er nun seit drei Jahren als Geschäftsführer Schweiz für die bekannte Firma «Columbia Sportswear» tätig.

Mit seiner Frau und den vier zum Teil bereits erwachsenen Kindern bewohnt er ein schmuckes Heim in einem Weinbauerndorf, mit Sicht auf den Genfersee, in der Nähe von Morges. Obwohl er noch immer sportinteressiert ist, verfolgt er Fussballspiele eher vor dem Fernseher als direkt im Stadion. «Leider wird vom Schweizer Fussballverband praktisch nichts unternommen, um uns ehemalige Nationalspieler gelegentlich zu Erinnerungstreffen einzuladen. Solche Begegnungen, etwa an einem Länderspiel, wären doch eine tolle Sache.

So sind für mich Kontakte zu Teamkollegen aus früheren Jahren, ausser vielleicht zu <Guschti> Ohrel, eher selten», bedauert der Ex-Amriswiler.

Gute Erinnerungen

Obwohl Urs Bamert ein echter «Welscher» geworden ist, denkt er gerne an seine Jugendzeit im Thurgau zurück. Er ist sich bewusst, dass er es im Fussball nie so weit gebracht hätte, ohne die Grundausbildung im tollen Umfeld beim FC Amriswil. Leider schafft er es nur noch selten zu Abstechern in die Ostschweiz.

Höchstens zu gelegentlichen Besuchen bei seinem noch sehr rüstigen 84jährigen Vater in Amriswil. Dabei nutzt er zuweilen die Möglichkeit, um sich bei seinem Bruder Daniel über das regionale Fussballgeschehen zu informieren. Dieser ist diesbezüglich, als ebenfalls ehemaliger Nationalligaspieler, ein Experte. Er ist beim FC Wil als Technischer Leiter der Nachwuchsabteilung tätig.