Sieg beim ersten Wiedersehen

Der FC St. Gallen sammelt in der Super League weiter Punkte. Die Ostschweizer besiegen den Tabellennachbar Thun mit einigem Glück 2:0 und fügen ihrem früheren Coach Jeff Saibene die erste Niederlage an der neuen Wirkungsstätte zu.

Christian Brägger
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Mario Mutsch setzt sich gegen Thuns Dennis Hediger durch. (Bild: freshfocus/Steffen Schmidt)

Mario Mutsch setzt sich gegen Thuns Dennis Hediger durch. (Bild: freshfocus/Steffen Schmidt)

FUSSBALL. Nach dem St. Galler Heimsieg gegen Luzern am vergangenen Sonntag fiel es schwer, Anhaltspunkte für die wahre Stärke der Ostschweizer festzumachen. Gewiss, Fortschritte waren erkennbar. Auch gestern nach dem 2:0 in Thun, das dem ehemaligen St. Galler Trainer Jeff Saibene ausgerechnet gegen den alten Arbeitgeber die erste Niederlage im fünften Pflichtspiel bescherte, hat dieser Eindruck Bestand. Zwar legte St. Gallen eine Effizienz vor dem gegnerischen Tor an den Tag, die mittlerweile fast zum Merkmal geworden ist. Und trotzdem hätte es gut und gerne als Verlierer die Heimreise in die Ostschweiz antreten können. Jedoch stimmten Resultat und kämpferische Leistung in diesem Super-League-Spiel mit diesen besonderen Vorzeichen so sehr, dass ebenfalls gesagt werden kann, worauf es im Fussball alleine ankommt: auf die Punkte. Mit 19 Zählern hat der FC St. Gallen die Thuner nun in der Tabelle überholt, er ist neu Sechster und hat den Platz im gesicherten Mittelfeld vorerst auf sicher; auf den vierten Tabellenrang Sions liegt er bloss zwei Punkte zurück.

Dreimal an den rechten Pfosten

Es hätte sich an diesem wunderschönen Herbstnachmittag vor dieser prächtigen Kulisse mit Eiger, Mönch und Jungfrau als Zuschauer im Hintergrund wohl kein Anhänger St. Gallens in der Stockhorn Arena finden lassen, der nach den ersten 26 Minuten eine Führung des Heimteams als unverdient taxiert hätte. Bis dahin hatte Thun die Partie dominiert. Mehr noch. Dreimal traf es in dem zu Beginn von beiden Seiten munter geführten Spiel nach Unachtsamkeiten der St. Galler Hintermannschaft den rechten Pfosten. Weil jedoch der auffällige Ridge Munsy in der 12. und 21. sowie Gonzalo Zarate in der 26. Minute zu genau zielten respektive Goalie Daniel Lopar den Ball einmal an das Gehäuse lenkte, blieb St. Gallen weiterhin im Spiel. Coach Joe Zinnbauer sagte: «Das Aluminium hat dreimal geklopft. Als Trainer der Gegenseite wäre ich wahrscheinlich durchgedreht. Besonders, wenn ich dann noch in Rückstand gerate.» Noch vor Ablauf der ersten halben Stunde hatte Edgar Salli eine missglückte Rückgabe Dennis Hedigers erlaufen und im Stile eines Torjägers die unverhoffte Führung erzielt, die so gar nicht dem Spielverlauf entsprechen wollte. Verkehrte Fussballwelt in Thun also, die kurz vor der Pause noch verkehrter wurde. Enrico Schirinzi hielt bei einem Corner Dzengis Cavusevic fest, Schiedsrichter Nicolas Jancevski blieb keine andere Wahl, als den korrekten, aber strengen Foulpenalty zu pfeifen; diesen verwertete Danijel Aleksic sicher.

2:0 führte der FC St. Gallen zur Pause, wie die Jungfrau zum Kinde war er zu diesem komfortablen Vorsprung gekommen, besonders die drei Pfostentreffer liessen auf eklatante Mängel in der St. Galler Defensive schliessen. Diese kamen in der zweiten Halbzeit jedoch nie mehr zum Vorschein, weil das gut harmonierende Innenverteidiger-Duo Martin Angha und Captain Roy Gelmi gestaffelt agierte und fortan das ganze Team stabiler spielte, wie Zinnbauer es sagte. Vielmehr besassen vor den 6547 Zuschauern Cavusevic und kurz vor dem Schlusspfiff der eingewechselte Albert Bunjaku sogar Möglichkeiten auf das 3:0. Ein weiterer Treffer für die Ostschweizer wäre wohl des Guten zu viel gewesen, auch so musste der zweite Auswärtssieg der Saison als glücklich eingestuft werden.

«So, wie wir uns das vorstellen»

Zinnbauer lobte besonders den kämpferischen Part seines Teams, «das war so, wie wir uns das vorstellen». Auch sonst gab die Partie in Thun Aufschlüsse, zumal der Deutsche zum zweiten Mal in Folge die selbe Startformation aufs Feld schickte.