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Sie treiben sich gegenseitig zu Höchstleistungen: Armon Orlik und Samuel Giger – ziemlich beste Gegner

Ziemlich beste Gegner Mit Armon Orlik und Samuel Giger hat die Nordostschweiz zwei Favoriten am Eidgenössischen Schwingfest – für beide ein Vorteil.
Ives Bruggmann
Armon Orlik (rechts) und der Thurgauer Samuel Giger schätzen sich gegenseitig. (Bild: Keystone)

Armon Orlik (rechts) und der Thurgauer Samuel Giger schätzen sich gegenseitig. (Bild: Keystone)

Schwingen ist ein Einzelsport. Wer König werden will, der muss seine Kämpfe alle selber gewinnen. Den Aufwand, der nötig ist, um am Ende der Beste zu sein, nimmt einem niemand ab. Vor allem im Winter stehen viele Kraft- und Konditionstrainings, aber auch schwingtechnische Einheiten auf dem Programm.

Und dennoch sind die Athleten am Eidgenössischen Schwingfest auch Teil einer Mannschaft, denn jeder tritt für einen Teilverband an. Die Appenzeller, die Thurgauer, die St.Galler, die Glarner, die Bündner, die Zürcher und die Schaffhauser starten gemeinsam für die Nordostschweiz. Gegner sind die Berner, die Inner-, die Nordwest- und die Südwestschweizer.

Mit dem Bündner Armon Orlik und dem Thurgauer Samuel Giger stellt der Nordostschweizer Teilverband zwei Favoriten am Eidgenössischen. Zwei, die sich bestens kennen – und das selbe Ziel vor Augen haben: den Titel des Schwingerkönigs. Orlik und Giger dominieren seit der Saison 2016, als das letzte Eidgenössische stattfand, den östlichen Teilverband. Wenige Feste in der Ostschweiz endeten seither mit einem anderen Sieger.

Der 24-jährige Bündner ist bereits 17-facher, der drei Jahre jüngere Thurgauer 15-facher Kranzfestsieger. Doch obwohl sich die beiden Athleten gegenseitig die Festsiege streitig machen, ist keine Missgunst zu spüren. Im Gegenteil. Sie treiben einander zu Höchstleistungen an.

Urkraft versus Vielseitigkeit

So ähnlich die Ziele sind, so unterschiedlich präsentieren sich die beiden Athleten auf dem Schwingplatz. Orlik, der mit 1,90 m und 110 kg ebenso Gardemasse vorweist wie Giger mit 1,94 m und 114 kg, gilt als einer der vielseitigsten Schwinger des Landes. Der ehemalige Judoka schwingt auf beide Seiten ähnlich stark, beherrscht Stand-, Boden- und Flankenschwünge genauso wie Fussstiche und Haken. Für den Gegner fast unmöglich, sich auf ihn einzustellen. Zudem ist Orlik auch in der Defensive stark, verliert kaum Gänge. So resultierten in dieser Saison fünf Festsiege und ein dritter Rang. Dabei verlor er keinen einzigen von 36 Gängen. Einziger Wermutstropfen: Den Schwägalp-Schwinget musste er mit Rückenschmerzen abbrechen – notabene nach einem Sieg im Anschwingen.

Gigers Erfolgsrezept beruht auf anderen Säulen. Sein Paradeschwung, der Kurz, ist derart explosiv, dass er auch von den Schwergewichten kaum zu verteidigen ist. Auf der Schwägalp legte er so im vergangenen Jahr nacheinander Christian Stucki und Daniel Bösch auf den Rücken. Ein Kunststück, das wohl einzigartig bleiben wird. Diese schier übermenschliche Kraft gepaart mit einem unerschöpflichen Ehrgeiz zeichnet den Mann aus Ottoberg aus. In den vergangenen Jahren hat Giger aber auch an seiner Vielseitigkeit gearbeitet – für die ganz grossen Ziele eine Voraussetzung. Mit Orlik hat Giger im eigenen Teilverband in dieser Hinsicht ein perfektes Vorbild.

Genau in diesem Punkt liegt der gegenseitige Nutzen der beiden Ostschweizer Aushängeschilder. In den regelmässigen Vergleichen in den Zusammenzügen des Teilverbands oder in Ernstkämpfen an Schwingfesten dienen sie einander als Messlatte. Ähnlich starke Athleten finden sie sonst nur an nationalen Anlässen.

Manuel Strupler. (Bild: Reto Martin)

Manuel Strupler. (Bild: Reto Martin)

Eine Episode aus dem Jahr 2017 zeigt, wie sich die beiden Ausnahmetalente gegenseitig antreiben. Im Schlussgang des Nordostschweizer Fests in Davos zeigen die beiden Sport auf höchstem Niveau. 13 Minuten lang lancieren sie Angriff um Angriff, ehe Giger das bessere Ende für sich behält. Es ist bis heute sein einziger Sieg in acht Aufeinandertreffen. Manuel Strupler, Technischer Leiter der Thurgauer, sagte damals:

«Man hat eindeutig gesehen, dass sich diese zwei Schwinger enorm pushen. Ich bin überzeugt, dass die beiden einander brauchen, um noch besser zu werden.»

Gleiches Ziel, halber Druck

Genauso sieht das auch Giger: «Ich profitiere davon, dass mit Armon ein solcher Topschwinger im gleichen Teilverband ist.» Auch wenn gemeinsame Trainings eher selten sind: Sie bringen beide in schwingerischer Hinsicht weiter. Noch weit mehr schätzt Giger die Tatsache, dass die Favoritenbürde in der Ostschweiz auf mehreren Schultern verteilt ist.

«Das ist positiv. So lastet weniger Druck auf dem Einzelnen.»

In der Tat werden beide fast immer in einem Atemzug genannt, wenn es um die östlichen Königsanwärter geht. Giger und Orlik werden sich am Freitag in Zug wieder begegnen – dann als zwei von 65 Ostschweizer Teilnehmern. Giger, der heute noch seinem Beruf als Lastwagenfahrer nachgeht, wird am Freitagmittag mit den Thurgauern in Richtung Innerschweiz aufbrechen. Im Athletendorf bekommen die Nordostschweizer die letzten Instruktionen und Motivationsspritzen des Technischen Leiters Beat Abderhalden.

Anspannung und Vorfreude vermischen sich bei Giger in diesen Tagen.

«Man nimmt sich ja auch etwas vor.»

Nun geht es für ihn an die Umsetzung der Ziele. «Ich freue mich, dass es am Samstag los geht.» Dabei wird er am Eidgenössischen wieder auf sich alleine gestellt sein. Denn Schwingen bleibt ein Einzelsport, auch wenn sich die Grenzen zu zweit besser verschieben lassen.

Bösch lauert im Schatten

In die Liga der nationalen Topschwinger gehört auch der Toggenburger Daniel Bösch. Der 31-Jährige hat Samuel Giger und Armon Orlik sogar etwas voraus: Er ist Unspunnen-Sieger und gewann damit als einziger noch aktiver Nordostschweizer neben Schwingerkönig Arnold Forrer einen Anlass mit eidgenössischem Charakter. Zudem beweist Bösch an den wichtigen Festen zuverlässig, dass er am Tag X bereit ist. Zwei Eidgenössische Kränze sowie Rang drei am Kilchberger Schwinget 2014 belegen diese Stärke. Der 1,93 m grosse und 135 kg schwere Hüne präsentierte sich in dieser Saison in blendender Verfassung. Dass die Entzündung im Ellbogen ausgeheilt ist, zeigte er mit dem Sieg auf der Schwägalp. (ibr)

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