Sie nannten ihn den Bremser der Nation: Vor 40 Jahren wurde der Rheintaler Sepp Benz Olympiasieger im Bobsport

Vor 40 Jahren krönt der Rheintaler Sepp Benz seine Karriere als Bobfahrer mit dem Olympiasieg in Lake Placid in den USA.

Daniel Good
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16. Februar 1980 war es vollbracht: Olympiasieg in Lake Placid für die Schweizer Sepp Benz (links) und Erich Schärer.

16. Februar 1980 war es vollbracht: Olympiasieg in Lake Placid für die Schweizer Sepp Benz (links) und Erich Schärer.

Str / KEYSTONE

Eigentlich wollte Sepp Benz nach den Olympischen Spielen 1976 in Innsbruck zurücktreten. Er war Weltmeister und zweifacher Olympiamedaillengewinner und schon einiges über 30-jährig. Aber er machte doch weiter. Denn die WM 1978 fand in Lake Placid im US-Bundesstaat New York statt.

«Endlich kam ich einmal nach Amerika», sagt Benz. Der heute 75-jährige St.Galler wurde 1978 in Lake Placid mit Steuermann Erich Schärer Weltmeister und zwei Jahre später auf derselben Bahn Olympiasieger.

Mitte Februar 1980 holte das Schweizer Zweierbobteam überlegen die olympische Goldmedaille vor zwei Schlitten aus der damaligen DDR. Schärer und Benz bewerkstelligten den einzigen Schweizer Olympiasieg in Lake Placid. Mit dem Viererbob holten sie später auch noch Silber, daneben gab es für die Schweizer Delegation an den Olympischen Winterspielen 1980 noch drei Bronzemedaillen durch die Skifahrer:

Sie nannten ihn den Bremser der Nation

Benz war der «Bremser der Nation». Ein Leichtgewicht, aber ein Supertechniker mit «wahnsinnig viel Kraft in den Beinen». Er trainierte wie ein Verrückter. «30 Stunden pro Woche sind es schon gewesen. Sicher wesentlich mehr als die Konkurrenz», sagt Benz.

Als Briefträger trug er morgens in Zürich die Post aus, dann stand ein Krafttraining auf dem Programm. Nach einer zweiten Tour für die Post kümmerte er sich nochmals um die Fitness. «Und am Wochenende gab es für mich nur eines: Training, Training, Training.»

Der Schweizer Bob mit Steuermann Erich Schärer und Sepp Benz rast in den USA zu Olympiagold.

Der Schweizer Bob mit Steuermann Erich Schärer und Sepp Benz rast in den USA zu Olympiagold.

Str / KEYSTONE

Als es für Benz vor gut 40 Jahren zum zweiten Mal nach Amerika ging, spürte er schon im Flugzeug, «dass wir etwas Grosses erreichen würden. Wenn es darauf ankam, war ich immer in Topform».

Bahnrekord im ersten Lauf

Schon im ersten von vier Durchgängen stellten Schärer/Benz einen Bahnrekord auf und hatten bereits eine Sekunde Vorsprung. In der 50 Meter langen Startspur war bloss eine Mannschaft aus der DDR noch schneller als die erfolgreichen Schweizer.

Benz war schon fast 36-jährig, als er in Lake Placid zum wichtigsten Rennen seiner Karriere antrat. Der aus Marbach stammende Benz sagt:

«Ich war mit Leib und Seele Sportler. Wenn ich etwas machte, dann richtig. Tag und Nacht habe ich mich mit dem Starten und Fahren des Bobs beschäftigt»

Benz war während sechs Wintern aktiv und stand in allen WM- und olympischen Rennen, zu denen er antrat, auf dem Podest. Nur zweimal reichte es in seiner gesamten Karriere nicht unter die ersten drei. Bis Benz 40-jährig war, bestritt er Leichtathletik-Zehnkämpfe.

Geld und Ehre nur für den Piloten

Viel Geld kam für den fünffachen Weltmeister Benz mit Bobfahren trotz des Erfolgs nicht zusammen. «Sozusagen nichts», so Benz. Pilot Schärer hingegen habe nach dem Olympiasieg mehr Geld erhalten, «als ich in einem ganzen Jahr bei der Post verdiente», sagt Benz.

Auch die öffentliche Wertschätzung kam zu kurz, findet Benz. Kein Empfang durch den Bundesrat nach dem Olympiasieg. Und als Schärer und Benz vom Zürcher Stadtpräsidenten Sigmund Widmer geehrt wurden, hatte der Politiker bloss Augen für den Zürcher Schärer. «Ich kam mir daneben vor wie ein Schülerbub», sagt Benz, der seit Anfang der 1960er-Jahre in Zürich wohnt.

Heute ist Benz so rüstig, dass er sich um die besten Schweizer Rennrodler kümmert. «Aber nur noch zwei Jahre. Mit 77 ist es genug». Der Bremser der Nation muss sich selber bremsen.