Sie machen Ideen real

Die ETH-Studenten Daniel Meile und Jonathan Müller führen neben dem Studium ihr eigenes Unternehmen. Sie entwickeln elektronische Produkte von der Hard- bis zur Software. Ihre Mitarbeiter rekrutieren die beiden im Vorlesungssaal.

Cyrill Rüegger
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Jungunternehmer: Daniel Meile und Jonathan Müller führen seit vergangenem Herbst ihre eigene Firma. (Bild: Nana do Carmo)

Jungunternehmer: Daniel Meile und Jonathan Müller führen seit vergangenem Herbst ihre eigene Firma. (Bild: Nana do Carmo)

STETTFURT. Schlafprobleme sind Daniel Meile bekannt. Die Gedanken des 22-Jährigen drehen sich manchmal bis spät in die Nacht um sein Hard- und Softwareunternehmen. «Wenn man nicht ständig an neuen Ideen arbeitet, ist es schwierig, erfolgreich zu sein», sagt er. Seine Augen beginnen zu funkeln, wenn er über die junge Firma spricht, die er gemeinsam mit dem Frauenfelder Jonathan Müller (21) führt. Kennengelernt haben sie sich im Elektrotechnik-Studium an der ETH. Daniel hatte schon vorher kleinere Ingenieurarbeiten auf seiner Homepage angeboten. «Während meiner Lehre als Elektroniker habe ich gemerkt, dass man dazu kein abgeschlossenes Studium braucht.» Obwohl er deswegen von einigen als naiv bezeichnet wurde, gründete der Stettfurter im Vorjahr die Apoveda Engineering GmbH. Jonathan stiess mit der Idee dazu, auch Mobile- und Webapplikationen anzubieten.

Studenten können mithalten

«Speziell ist, dass wir die ganze Palette von der Hard- bis zur Softwareentwicklung anbieten», erklärt Daniel. Wenn andere eine Idee haben, setzen die beiden Thurgauer sie technisch um. Dafür haben sie sich ein Team aus sieben Studenten aufgebaut, die aus unterschiedlichen Fachbereichen kommen. «Ingenieure wären zu teuer für uns, und zudem sind wir davon überzeugt, dass talentierte Studenten in der Privatwirtschaft mithalten können», sagt Jonathan. Weil es zu wenig Fachkräfte gibt, profitieren einerseits der Markt, anderseits aber auch die Studenten. «Für die Studenten ist es ein flexibler Job. Mit ihrem Laptop können sie zu jeder Zeit und an jedem Ort arbeiten. Sogar in der Vorlesung», sagt er. Neben der Praxiserfahrung erhalten die Studenten bei Apoveda auch einen guten Lohn. «Wir selber rechnen unseren Stundenlohn besser nicht aus», sagt Daniel schmunzelnd. Aber das sei momentan nicht so wichtig, denn die Arbeit mache ihnen Spass.

Software für die Stadtbauern

Die beiden Jungunternehmer wohnen beide in einer WG in Zürich. Daniel hat sich dort ein kleines Labor für die Elektronikarbeiten eingerichtet. Momentan sind die beiden mit ihrem bislang grössten Projekt beschäftigt. Sie arbeiten mit dem Start-up Urban Farmers zusammen, das Treibhäuser auf Dächern in der Stadt baut, um darin Gemüse und Fische aufzuziehen. Das alles funktioniert durch einen Wasserkreislauf. «Dazu müssen diverse Umgebungsparameter wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit gemessen werden», erklärt Daniel. «Hier kommen wir ins Spiel. Wir entwickeln zusammen mit einem anderen Ingenieurbüro die Software, mit der sich das Ganze steuern lässt.» Urban Farmers möchte mit seinen Systemen schon bald rund um den Globus vertreten sein. «Bei einem solchen Projekt mitzuwirken ist für uns eine grosse Chance», freut sich Jonathan.

Eigene Produkte sind das Ziel

Mittlerweile werden die beiden Tüftler kaum mehr belächelt. «Die anderen Studenten bewundern eher unseren Mut. Viele fragen sich, wie sich das alles mit dem anspruchsvollen Studium an der ETH verbinden lässt», sagt Daniel. Das sei wirklich nicht immer einfach. Im letzten Semester haben die beiden den ganzen Stoff vor den Prüfungen nachgeholt. Obwohl die Prüfungen gut ausgefallen sind, haben sie das Studium nun etwas zurückgeschraubt. «Momentan liegt der Fokus beim Unternehmen, aber ein guter Abschluss im Studium ist uns ebenfalls wichtig», sagt Daniel.

Er und Jonathan wollen ihr Unternehmen nun weiter vorantreiben. «Im Vordergrund steht derzeit die Ausbildung eines schlagkräftigen Teams. Dann können wir unser eigenes Arbeitspensum etwas senken», erklärt Jonathan. Langfristig sei das Ziel, selber Produkte zu entwickeln und nicht nur auf Auftrag zu arbeiten. «Bis es soweit ist, müssen wir aber noch viel Erfahrung sammeln und einiges dazu lernen», sagt Jonathan.

Homepage: www.apoveda.ch

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