SERIENSIEGERIN: Shiffrin begegnet ihrer Geschichte

Mikaela Shiffrin hat in Killington zwei besondere Weltcuprennen vor sich. Die 22-jährige US-Skifahrerin kehrt an den Ort zurück, an dem einst die Planung ihrer Karriere begann.

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Mikaela Shiffrin beschäftigt sich in Killington vorab mit der Gegenwart. Der verlorene Zweikampf gegen Petra Vlhova vor zwei Wochen im Slalom in Levi hallt nach. Die US-Amerikanerin will die Hierarchie in ihrer Paradedisziplin wieder herstellen. In Killington gibt es für Mikaela Shiffrin aber nicht nur das Heute. Der Aufenthalt im Skiressort im Staat Vermont ist für sie auch eine Reise in die Vergangenheit.

Es war Mitte der Achtzi­gerjahre, als Jeff Shiffrin seine ­zukünftige Frau Eileen an ein ­regionales Skirennen in Killington mitnahm. Die Auserwählte bestritt unter ihrem Mädchennamen Condron selber erfolgreich Wettkämpfe in der Altersklasse Master, vertiefte Kenntnisse im Skisport hatte sie aber nicht. Das änderte sich nach dem Abstecher nach Killington. Ihre Neugierde war geweckt, fortan war ihr Wissensdrang gross. Eileen soll selber talentiert gewesen sein, für die grosse Karriere hatte sie indes zu spät mit dem Rennsport begonnen und ihn überdies nicht mit der nötigen Seriosität betrieben. Denselben Fehler wollte sie bei der Förderung ihrer Kinder Mikaela und Taylor nicht begehen. Eileen coachte ihre Sprösslinge, war rund um die Uhr für sie da. Akribie, Fleiss und unübliche Methoden zeichneten sie aus.

Der Bruder hört früh auf

Taylors Weg als Skirennfahrer ­endete früh. Er zog ein Studium an der Universität in Denver vor, was der Mutter erlaubte, sich auf die Betreuung ihrer Tochter zu konzentrieren. Sie beherrschte das Wechselspiel zwischen mütterlicher Sorgfalt und dem Hang zur Perfektion. Ihre Tochter wurde hart gefordert, fühlte sich aber nie überfordert. Die Mutter verfolgte den eingeschlagenen Weg mit aller Konsequenz, Familienumzug von Vail nach New Hampshire inklusive. Mikaela Shiffrin war damals acht Jahre alt. In der neuen Umgebung erwarteten sie andere, oft garstige Bedingungen. Die Pisten waren ruppiger und eisiger als in den Rocky Mountains. Nichts für Weichlinge. Für die Tochter wurden die Trainings zum Härtetest.

Vier Jahre nach dem Wohnortswechsel begann Mikaela Shiffrin nach den Anweisungen von Kirk Dwyer zu trainieren, dem Headcoach und Schulleiter der Burke Mountain Academy, einem Internat in Vermont für Ski-Talente. Für Shiffrin war die Aufnahme in die Schule vorerst kein Thema. Sie war zu jung, zudem kehrte die Familie zwei Jahre später nach Colorado zurück. Der neuerliche Umzug bekam der Tochter nicht gut. Sie verlor das Interesse am Skisport, vermisste ihre Freunde, die Trainer und das Eis. Also kehrte Mikaela Shiffrin mit ihrer Mutter nach Vermont zurück, der Vater blieb in Vail. Shiffrin trat in die Akademie ein, doch Mutter Eileen hielt die Zügel weiter fest in der Hand. Nun nahm die Karriere den geplanten Verlauf. Das Wunderkind gedeihte prächtig – auch dank der Gradlinigkeit und Hartnäckigkeit der Mutter. Eileen Shiffrin ist und bleibt bis heute die engste Bezugsperson ihrer Tochter. (sda)