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SERIE A: Der asketische Kämpfer

Nach einer schwierigen Vorsaison will sich Daniel Pavlovic bei Sampdoria Genua etablieren. In einer Liga, die noch immer grosse Sehnsüchte weckt, wird dem Rorschacher weiterhin nichts in den Schoss fallen.
Christian Brägger
Regeneration sei das A und O, sagt Daniel Pavlovic. Der Bodensee gibt dem Rorschacher dieses Erholungsgefühl. (Bild: Ralph Ribi (Rorschacherberg, 4. Juli 2017))

Regeneration sei das A und O, sagt Daniel Pavlovic. Der Bodensee gibt dem Rorschacher dieses Erholungsgefühl. (Bild: Ralph Ribi (Rorschacherberg, 4. Juli 2017))

Christian Brägger

«Du? Kann sich denn der Zelli die Zähne nicht zu Hause putzen?», fragte Daniel Pavlovic. Gerade einmal 15-jährig war der Rorschacher damals, er war grün hinter den Ohren und absolvierte bereits erste Trainingseinheiten mit der Super-League-Mannschaft des FC St. Gallen. Vieles war fremd, vieles neu und die Ein­drücke, die er sammelte, mussten erst verarbeitet werden. Auch das ständige Zähneputzen seines Mitspielers Marc Zellweger jeweils vor den Übungseinheiten.

Monate später wechselte Pavlovic nach Freiburg. Und putzte sich fortan selbst die Zähne vor den Trainings. Weil er sich so frischer fühlt. Bis heute ist das sein Ritual, es ist seine Marotte geworden, wenn man so will. Denn das gute Gefühl ist auch in Italien bedeutsam, wo den 29-Jährigen die dritte Saison in der Serie A erwartet, die zweite mit Sampdoria Genua. Und so hat Pavlovic Erfahrung damit, wie es im Sommer ist in dieser hektischen Liga, wenn der Mercato jeweils so richtig verrücktspielt und total überhitzt. Nur schon die Übersicht bei Sampdoria Genua zu behalten ist schier unmöglich. Es war ein Kommen und Gehen auf dem jüngst erneuerten Trainings­gelände in Bogliasco, in der ­Provinz der Stadt. Laut Club-Homepage tummeln sich bei den ­Liguriern derzeit 28 Profis, gemäss Transfermarkt sind es ak­tuell aber 32 Spieler, allein fünf auf Pavlovics Position des linken Verteidigers. Das bedeutet: Es könnte ungemütlich werden in diesem Jahr. Insbesondere, weil mit dem Nachwuchs-Internationalen Nicola Murru von Cagliari ein Wunschspieler des Trainers Marco Giampaolo verpflichtet wurde. Und das gleich für fünf Spielzeiten.

Cupspiel gegen Foggia verpasst

Und siehe da: Beim 3:0 im Cupspiel gegen Foggia vom vergangenen Wochenende, als die «Samp» ihren 71. Geburtstag feierte, fehlte Pavlovic bereits im Aufgebot. Aber nicht wegen des Neuzugangs. Vielmehr war der frühere Captain der Grasshoppers leicht an der Wade verletzt, Giampaolo wollte nichts riskieren nach der intensiven Vorbereitungsphase, in die sich Pavlovic so richtig reingehängt hatte. Überdies war dem Coach die Vorsaison noch zu ­präsent, in der der Spieler häufig verletzt war; dennoch hatte diese ihre Krönung mit dem Länderspieldébut für Bosnien-Herzegowina erfahren, weshalb Pavlovic – so will es die Etikette – vor lau­fender Kamera singen musste. Er sagt: «Natürlich bin ich in der Schweiz aufgewachsen, sie ist meine Heimat. Aber ich habe auch Vorfahren in Bosnien. Letztlich ist es doch einfach eine riesige Ehre, für eine Nationalteam zu spielen.»

Apropos Reinhängen, das sah so aus: Sogar im Offlinemodus während der Ferien trainierte Pavlovic, nicht voll, aber dennoch beinahe täglich. Und dann, zehn Tage vor dem offiziellen Trainingsstart am 5. Juli, begann er den Körper so richtig zu schinden, ­engagierte dafür eigens einen Personalcoach. Die letzten Tage schloss sich schliesslich ein Teamkollege seinem Pensum an, das da hiess: «Trainieren, essen, schlafen, trainieren. Dann Feierabend.» Es ist genau diese Attitüde und nicht die uneingeschränkte Fussball­gabe eines Messis, die den Rorschacher in die grosse, weite Fussballwelt gebracht hat. Der 29-Jährige liebt, was er macht und lebt entsprechend pflicht­bewusst, nahezu asketisch, besonders während der Saison. «Hinzu kommt die Regeneration, sie ist das A und O», sagt er.

Die Wochen der Vorbereitung verliefen gut. Ende Juli im Test gegen Manchester United stand Pavlovic auf dem Platz, und auch die «Gazzetta», die Sportbibel Italiens, gibt ihm intakte Chancen auf einen Stammplatz für die neue Spielzeit. Er wolle sich durchbeissen und mit Sicherheit mehr spielen als in der Vorsaison, sagt Pavlovic. Das in einem Team, dessen Marktwert doppelt so hoch ist wie jener des FC Basel und für das einst Grössen wie ­Roberto Mancini oder Gianluca Vialli gespielt haben, als man das einzige Mal Anfang der 1990er-Jahre Meister wurde.

Das 4-3-1-2-System von ­Giampaolo sei laufintensiv, für die Verteidiger sehr komplex. «Am Anfang dachte ich mir: Was ist denn das?», sagt Pavlovic. Die Hintermannschaft agiert darin auf einer Linie, doch nicht der Gegner gibt ihr die Bewegung vor, sondern der Ball. Bis alles sitzt, braucht es eine gewisse Anpassungszeit. Was ein Vorteil für den Linksfuss sein könnte, der weiss, wie hier der Karren läuft.

Pavlovic schaut über den Tellerrand

Wie es letztlich kommen wird mit der Sampdoria und Pavlovic, ist Kaffeesatzlesen. Weshalb es andere Dinge sind, die im Gespräch auffallen: dass es ihm beispielsweise heute nicht mehr wichtig ist, was andere über ihn denken; dass die Stadt Genua Obacht geben müsse, weil ihr die jungen Leute den Rücken kehren; dass ihn Besuche bei Verwandten in Bosnien erden, weil und wie sie ihr Leben mit so wenig Mitteln meistern. Und dass die Eltern, die vor dem Krieg in die Schweiz kamen, Vorbilder sind. Das Durchbeissen hat er von ihnen.

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