Kolumne

US-Profisport und Doping: Wie eine selbst gegrillte Extrawurst

Die Kolumne «Spritzensport» beschäftigt sich mit Themen rund um Doping und den Kampf dagegen. Aktuell geht es um die eigenen Regeln, welche sich die grossen amerikanischen Teamsportarten im Kampf gegen Doping auferlegt haben.

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Die Weltantidopingagentur ist oberster Behüter des fairen Sports. Sie bestimmt den Kampf gegen Doping. Aber es gibt in ihrem globalen Reich ein gallisches Dorf: den Teamsport in Nordamerika. Die grossen Profiligen im Eishockey, Fussball, Basketball, American Football und Baseball anerkennen den sogenannten Wada-Code mit Überzeugung nicht. Der Antidoping-Behörde ist das ein schmerzhafter Dorn im Auge.

Die Art und Weise, wie der US-Profisport den Kampf gegen Doping löst, stösst aber nicht nur auf harsche Kritik. Es gibt auch Kreise, die den Weg dieser Ligen als interessante Alternative sehen. Denn es ist quasi eine selbst gegrillte Extrawurst. Die Antidoping-Reglemente werden in Verhandlungen zwischen Teambesitzern, Liga und Spielergewerkschaft erstellt. Nirgendwo sonst können aktive Sportler bei der Frage, wie sie mit Betrügern in den eigenen Reihen umgehen wollen, derart mitbestimmen.

Die gewählte Lösung umfasst mehrere Aspekte. Die Anzahl der verbotenen Substanzen ist viel kleiner als bei der Wada und richtet sich mehr nach gesundheitlichen Risiken als der Leistungssteigerung. Die Länge der Sperren ist lächerlich kurz. Die Klubbesitzer wollen ihre Angestellten am Arbeiten und nicht am Pausieren sehen. Wer im Eishockey oder im American Football zum Beispiel mit Wachstumshormonen erwischt wird, muss gerade einmal vier Spiele lang aussetzen. Die Wada sieht eine Sperre von vier Jahren vor. Härter sind erst die Regeln im Baseball. Da gibt es für das gleiche Vergehen eine Zwangspause von 80 Spielen. Das ist eine halbe Saison.

Dafür wird beim Lohn hart durchgegriffen. Baseball-Star Weltington Castillo wurde mit EPO erwischt und musste dafür die Hälfte seines Jahreslohns von 7,25 Millionen Dollar als Strafe bezahlen. Auch so etwas schmerzt. Spannend auch die Statistik der überführten Doper. In den neusten Jahreszahlen der drei nordamerikanischen Antidopinglabors waren 1,12 Prozent aller der Wada unterstellten Proben positiv. Von den 77 000 in den Profiligen genommenen Tests entpuppten sich 1,4 Prozent als Betrüger. Auch hier stellt sich die Frage, ob dies ein realistisches Abbild ist oder die Doper ihren Jägern überall zwei Schritte voraus sind.