Sehnsucht Cupsieg

Christian Brägger, Pascal Koster
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Cup-Viertelfinal Stefan Hernandez will mit dem FC St. Gallen um jeden Preis «sportlichen Erfolg und vielleicht einmal einen Cupsieg erringen». Das betont und predigt er immer wieder. So regelmässig, dass er dies in Gesprächen als Programmpunkt verstanden haben will. Natürlich ist es Wunschdenken, der Weg dahin weit. Doch auch der Präsident des FC St. Gallen weiss sehr wohl, dass es leichter ist, im Cup als in der Meisterschaft den Titel zu holen. Weshalb diese Sehnsucht also nicht gleich in der Saison 2017/18 stillen?

Wenn da nur nicht dieser Gegner wäre: Schwieriger könnte die Aufgabe für die Ostschweizer kaum sein, St. Gallen muss nach Bern zu den Young Boys. Und damit zum überragenden Leader der Super League. Es könnte also auch im nächsten Jahr für den FC St. Gallen nichts werden mit dem zweiten Cupsieg nach 1969. Den ersten errang er in der ersten Saison nach der Rückkehr in die damalige NLA gegen Bellinzona vor 24 000 Zuschauern. St. Gallen stand notabene bereits zweimal, 1945 und 1977, in einem Cupfinal gegen die Young Boys – beide Male verloren die Ostschweizer. Aber immerhin ist die Erinnerung an den letzten Titelgewinn nicht so verblasst wie jene der Young Boys, die 1987 letztmals einen Pokal in die Höhe stemmen konnten und seither so sehr danach lechzen; St. Gallen schaffte dies immerhin in der Meistersaison 1999/2000.

Zeit für ein bisschen Cup-Nnostalgie

1998 hätten die St. Galler beinahe ihren zweiten Cup-Titel errungen. Unter der Leitung von Roger Hegi, dem ehemaligen St. Galler Dirigenten, scheiterten die Ostschweizer in einem denkwürdigen Final an Lausanne. Die Grün-Weissen führten bereits 2:0, ehe Doppeltorschütze Edwin Vurens die Vorentscheidung vom Penaltypunkt vergab. Im Gegenzug fiel das 1:2, kurz vor Schluss der Ausgleich. Am Ende setzten sich die Waadtländer im Penaltyschiessen durch.

In den letzten Jahren standen sich die St. Galler im Cup oftmals selber im Weg, unter anderem strauchelten sie gegen Thun, Winterthur oder Aarau. Richtig nahe am Finaleinzug waren sie seit 2005 nur noch 2010. Damals empfing das Team von Uli Forte im Halbfinal den Challenge-Ligisten Lausanne. Zé Vitor brachte die Hausherren in Führung. Die Gäste glichen vor der Pause aus, mussten ab der 60. Minute in Unterzahl agieren. Trotzdem fingen die St. Galler das 1:2 ein und schieden aus. Im Final waren die Waadtländer erwartungsgemäss kein Gradmesser für den FC Basel und verloren 6:0.

Im Viertelfinal von heute laufen die St. Galler wohl nicht Gefahr, sich zu blamieren – gegen die Young Boys «darf» man ausscheiden. Gegen die Berner werden, neben den Langzeitverletzen, Alain Wiss und Yrondu Musavu-King fehlen.

Christian Brägger, Pascal Koster