Sehe ich aus wie ein Jongleur?

Minimalste Kenntnisse der Landessprache schaden nie, wenn man auf Reisen ist. Das gilt vor allem in Moskau, wo Englisch etwa so verbreitet ist wie das Saola-Waldrind in Asien.

Matthias Hafen
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Minimalste Kenntnisse der Landessprache schaden nie, wenn man auf Reisen ist. Das gilt vor allem in Moskau, wo Englisch etwa so verbreitet ist wie das Saola-Waldrind in Asien. «Nje rabatajet» für «funktioniert nicht», «Schampanskoje» für «Champagner» und «Ikra» für «Kaviar» sind schnell einmal gelernt in Russland. Die wirklich nützlichen Phrasen sucht man im Reiseführer für 19.90 Franken aber vergebens. Etwa «Ja smotrju, kak schongler?», «Sehe ich aus wie ein Jongleur?». Es ist die akkurate Gegenfrage auf die nach einer Woche leicht nervige Frage, ob man eine Tragtasche möchte. Sie wird einem ausnahmslos an jeder Kasse gestellt, auch wenn man mit leeren Händen und einem Einkaufskorb voller Getränkeflaschen dasteht.

Besonders beliebt können sich Touristen mit der Frage machen «Eto pa-preschnjema sjedobnje?», was so viel heisst wie «Ist das noch geniessbar?». Denn in Russland wird auf die Lebensmittelverpackungen immer das Produktionsdatum gedruckt und nur in seltenen Fällen noch das Haltbarkeitsdatum dazu. Bei Neuankömmlingen kann es deshalb schon mal vorkommen, dass sie eine ganze Tafel Schokolade in den Abfall werfen, weil sie in diese Eigenart nicht eingeweiht sind.

Aussergewöhnlich auch, dass hier die Stängeliglaces nur mit einem gefalzten Papier verpackt werden – weder luftdicht noch wasserdicht. Deshalb sich für alle Fälle noch diese Worte merken: «Mnje nuschen wratsch», «Ich brauche einen Arzt».

matthias.hafen@tagblatt.ch