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SCHWINGEN: Stucki – der König der Herzen

Christian Stucki feiert mit dem Unspunnentriumph seinen grössten Sieg. Der 32-jährige Hüne bewahrt damit die Berner in Interlaken vor einem Debakel.
Klaus Zaugg, Interlaken
Ein Erfolg für die Ewigkeit: Christian Stucki nach dem Sieg im Schlussgang. (Bild: Peter Schneider/KEY)

Ein Erfolg für die Ewigkeit: Christian Stucki nach dem Sieg im Schlussgang. (Bild: Peter Schneider/KEY)

Klaus Zaugg, Interlaken

Die mächtigen, bösen, königlichen Berner fielen wie Knechte. Aber der König der Herzen ist stehen geblieben. Christian Stucki, der Titan mit dem weichen Herzen, gewann als erster Berner seit 30 Jahren Unspunnen. Nach Kilchberg 2008 triumphierte er zum zweiten Mal bei einem Fest mit eidgenössischem Charakter. Nun ist ihm auch ohne Königstitel ewiger Ruhm sicher. Nicht einmal die Könige Karl Meli, Rudolf Huns­perger und Ernst Schläpfer haben Unspunnen und Kilchberg gewonnen.

Stucki hat die Berner gestern vor einer Demütigung bewahrt. Sie begannen dieses Fest mit Karacho. Stucki brauchte gegen Titelverteidiger Daniel Bösch und Marcel Mathis nicht einmal eine Minute zur Maximalnote. Nach zwei (von sechs) Gängen befanden sich in der Rangliste unter den ersten neun sechs Berner. Die Diskussionen drehten sich nicht mehr darum, ob die Schmach von 2011, als die Berner nach drei Gängen schon keine Chance mehr auf den Festsieg hatten, getilgt wird. Der Sieg schien sicher. Die Frage war nur noch, an wen er fallen würde. An die Könige Matthias Sempach und Kilian Wenger? Oder doch eher an Christian Stucki?

Stucki schnappt Wicki den Sieg weg

Und dann ging das bernische Königreich der Bösen nach der Mittagspause innert ein paar Minuten beinahe unter. Gleich nacheinander verloren die Könige Kilian Wenger (gegen Armon Orlik) und Matthias Sempach (gegen Reto Nötzli) und waren aus dem Rennen. Aber Stucki blieb stehen. Er siegte im dritten und im vierten Gang und sicherte sich mit einem Gestellten gegen den wehrhaften Buttisholzer Sven Schurtenberger im fünften Durchgang die Qualifikation für den Final. Dieser Schlussgang gegen den «Papier-Berner» Curdin Orlik geriet zum Drama. Erst knapp eine Minute vor Ablauf der Kampfzeit gelang es ihm unter Aufbietung all seiner urweltlichen Kräfte doch noch, seinen Gegner zu bezwingen. Welch ein Bild, wie der wahrscheinlich kräftigste Mann des Landes mit einer letzten Willensanstrengung doch noch den grossen Triumph errang. Im Falle eines Unentschiedens hätte der Sörenberger Joel Wicki den Festsieg geerbt.

Stucki war wahrlich ein König der Herzen. Ein Titan mit einem sanften Gemüt, über den sein Lehrer Hansjörg Wegmüller (7. bis 9. Klasse) einmal gesagt hatte: «Christian überragte alle anderen um mehrere Kopflängen. Er war aber sehr rücksichtsvoll mit allen Mitschülern. Auch bei Ballspielen. Oft verzichtete er auf den eigenen Vorteil. Sowieso war er gegenüber Kleineren und Schwächeren immer hilfsbereit. Er hob die Kleinen sogar auf eine Mauer, damit er mit ihnen auf Augenhöhe diskutieren konnte. Christian war ein sympathischer, guter Schüler und so bescheiden, dass er seine Erfolge bei den Jungschwingern nie erwähnte.»

So wie er als Schüler war, ist er auch heute noch, mit 32 Jahren und längst zum Titanen von 198 Zentimetern Grösse und gut und gerne 150 Kilo Gewicht her­angewachsen. Dass er noch nie ein König war, dürfte seine Ursache in eben dieser Art haben: Der ultimative Ehrgeiz, die königliche Verbissenheit sind nicht seine Sache. Und er sagte gestern deshalb auch, dass der Schlüssel zum Erfolg eine Zielstrebigkeit war, um die er sich in dieser Saison bemüht habe. Und wie es seine Art ist, hat er gleich nach dem grössten Erfolg seiner Karriere seinen Gegner gewürdigt und ihm zur Leistung gratuliert.

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