SCHWINGEN: «Absprachen sind ein Tabu»

Der Einteilungschef vom Unspunnen-Schwinget, Samuel Feller, ist ein Tag nach dem Fest froh, dass der Schlussgang nicht mit einem Unentschieden endete. Im Interview erklärt der Berner, warum.

Claudio Zanini
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Die beiden Berner im Unspunnen-Schlussgang: Sieger Christian Stucki (rechts) und Curdin Orlik. (Bild: Peter Klaunzer/KEY)

Die beiden Berner im Unspunnen-Schlussgang: Sieger Christian Stucki (rechts) und Curdin Orlik. (Bild: Peter Klaunzer/KEY)

Interview: Claudio Zanini

Samuel Feller, zwei Berner standen im Schlussgang, der Innerschweizer Joel Wicki hätte bei einem Unentschieden den Sieg geerbt. In einer solchen Situation ist doch klar, dass sich einer der Finalisten schlagen lässt.

Auf den ersten Blick hat man natürlich das Gefühl, die beiden würden den Sieg kaum aus der Hand geben. Aber da sind die Schwinger genug Einzelathleten, jeder will das Fest gewinnen. Absichtlich nachzugeben tönt zwar einfach – wäre es aber in Realität überhaupt nicht.

Curdin Orlik hätte sich aber unbeliebt gemacht, wenn er Stucki und dem eigenen Team den Sieg mit einem Gestellten vermasselt hätte.

Zum Glück bringt der Gestellte ja beiden nichts. Und wenn es so herausgekommen wäre, glaube ich nicht, dass man Orlik den Schwarzen Peter zugeschoben hätte. Hätte Orlik gegen Stucki gar gewonnen, wäre er ein ausgesprochen verdienter Festsieger gewesen.

Mutmassungen machten die Runde, dass es teaminterne Absprachen vor dem Schlussgang gegeben haben könnte. Ist da etwas dran?

Nein. An einem eidgenössischen Anlass sind Absprachen generell ein Tabu. Vor dem Schlussgang lagen Christian Stucki und Curdin Orlik nebeneinander bei der Massage. Sie haben nicht einmal miteinander geredet, da ist jeder auf sich alleine gestellt. Für mich hat der Ausgang keinen Nachgeschmack. Als Technischer Leiter des Eidgenössischen Verbands bin ich froh, dass es einen Sieger gab im Schlussgang, so ging es mir bereits in Estavayer 2016.

Wicki hatte im ersten Gang Pech, als ihm der Sieg gegen Kilian Wenger nicht gegeben wurde. Wie sahen Sie die Situation?

Auf den Fernsehbildern ist deutlich zu sehen, dass Wenger nur mit einer Schulter auf dem Boden war. Es handelt sich also nicht um einen Fehlentscheid. Wichtig war, dass der Kampfrichter entschlossen reagierte.

Unspunnen ist nur alle sechs Jahre, die Bedeutung des Fests ist enorm. Werden die Diskussionen im Einteilungskampfgericht deswegen hitziger geführt?

Hitzig vielleicht nicht, aber es wird teilweise schon heftig diskutiert. Jeder will seine Athleten in der Rangliste positionieren – und das zu Recht. Wir haben viele offensive Paarungen gesehen. Man darf nicht vergessen: Im vierten Gang haben wir die beiden Berner mit 30 Punkten (Christian Stucki und Curdin Orlik, Anm. d. Red.) zusammengetan. Plötzlich war im Zwischenklassement praktisch kein Berner mehr vorne. Es ist also nicht so, dass sie eine Spezialbehandlung bekamen.

Gab es bestimmte Gänge, die Sie im Nachhinein anders einteilen würden?

Über einzelne Paarungen wird immer diskutiert, aber das gehört einfach dazu. Wenn alles perfekt laufen würde, ginge ja auch ein wenig der Reiz eines Schwingfests verloren.

Sind Sie also rundum zufrieden mit dem Festverlauf?

Die Reaktionen waren jedenfalls positiv. Wir haben bis eine Minute vor Ende nicht gewusst, wer gewinnt. Zudem waren drei grosse Verbände lange involviert im Rennen um den Sieg. Und wir konnten vermeiden, dass schon früh fünf oder sechs Berner vorne weg waren.

Zur Person

Der Berner Samuel Feller (44) ist seit 2014 Technischer Leiter des Eidgenössischen Schwingerverbands. Beim Unspunnen war er zum dritten Mal Chef des Einteilungskampfgerichts an einem eidgenössischen Anlass.