SCHWIMMEN: Persönliche Bestzeit im Visier

Die sehbehinderte Salmsacherin Carla De Bortoli hat sich als einzige Schweizer Schwimmerin für die Paralympics in Rio de Janeiro qualifiziert. Am 11. September startet sie im Aquatics Stadium über 100 Meter Brust.

Urs Huwyler
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Die bald 20jährige Carla De Bortoli wird in Rio die Jüngste in der 24köpfigen Schweizer Delegation sein. (Bild: Urs Huwyler)

Die bald 20jährige Carla De Bortoli wird in Rio die Jüngste in der 24köpfigen Schweizer Delegation sein. (Bild: Urs Huwyler)

SCHWIMMEN. Carla De Bortoli lebt seit Geburt mit einer erblich bedingten Sehstörung. Im Fachjargon wird die totale Farbenblindheit als «Achromatopsie» bezeichnet. «Ich sehe schwarz-weiss leicht vernebelt», erklärt die mehrfache Schweizer Meisterin. Während der Olympischen Spiele in Rio schaute sie sich vor allem die Schwimmwettbewerbe an. «Es war das erste Mal, dass ich zu Hause Wettkämpfe live verfolgen konnte und wusste, dass ich bald selbst dort schwimmen werde. Es war ein unbeschreibliches Gefühl. Ich freue mich seither noch mehr auf Rio.»

Carla De Bortoli. (Bild: Swiss Paralympic/Martin Rhyner)

Carla De Bortoli. (Bild: Swiss Paralympic/Martin Rhyner)

2015 hatte sich die Anfang Dezember 20 Jahre alt werdende angehende Kauffrau (Sport-KV/United School of Sport St. Gallen) als einzige Schweizerin für die WM qualifiziert. An der WM in Glasgow verbesserte Carla De Bortoli über 100 m Brust ihre Bestzeit, schied jedoch im Vorlauf aus. 2016 erreichte sie an der EM in Funchal (POR) Rang zehn. «An der EM glaubte ich erstmals daran, dass es mit den Paralympics klappen sollte, weil ich die Limite um eine halbe Sekunde unterbieten konnte. Im März blieb ich nur knapp darunter.»

Nationaltrainer Martin Salmingkeit sprach 2015 davon, die Thurgauerin besitze das Potenzial für eine Teilnahme an den Sommerspielen. «Wichtig war für Carla, dass sie an der WM und EM erste Erfahrungen an Titelkämpfen sammeln durfte.» Salmingkeit tourte bis nach London 2012 mit Weltmeisterin Chantal Cavin (Bern) durch die Schwimmhallen. Nun soll Carla De Bortoli die Lücke schliessen. «So gut wie Chantal bin ich noch lange nicht», ergänzt die neue Teamleaderin selbstkritisch, «aber ich versuche dorthin zu kommen».

In Rio wird die Jüngste in der 24köpfigen Schweizer Delegation am 11. September im Beisein ihrer Eltern den Vorlauf über 100 m Brust bestreiten. Der Final stünde 8 Stunden später auf dem Programm. «Für mich geht es vor allem darum, die Selektion mit persönlicher Bestzeit zu bestätigen und Erfahrung zu sammeln. Einfach schnell schwimmen, der Rest ergibt sich.»

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