Tennis
Schweizer Viertelfinal in Roland Garros: Was für Roger Federer spricht, und was für Stan Wawrinka

Wie vor vier Jahren treffen Roger Federer und Stan Wawrinka in den Viertelfinals von Roland Garros aufeinander. Damals gewann der Romand erstmals bei einem Grand-Slam-Turnier gegen den Baselbieter. Was heute für Roger Federer spricht - und was für Stan Wawrinka.

Simon Häring
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Stan Wawrinka und Roger Federer ermitteln den Schweizer French-Open-Halbfinalisten 2019.

Stan Wawrinka und Roger Federer ermitteln den Schweizer French-Open-Halbfinalisten 2019.

Keystone

Gemeinsam gewannen sie 2008 Olympia-Gold im Doppel, 2014 sorgten sie für den ersten Schweizer Davis-Cup-Sieg. Seither sind die Lebenslinien von Roger Federer (37) und Stan Wawrinka (34) untrennbar miteinander verbunden. Auch im Turnier-Zirkus trafen die beiden immer wieder aufeinander - meistens gewann Federer. 22:3 führt der Baselbieter die Bilanz an, bei Grand-Slam-Turnieren steht es 6:1. Nur einmal triumphierte Wawrinka. Was vor dem 26. Duell der beiden Schweizer für Roger Federer spricht – und was für Stan Wawrinka.

2015 - US Open - Halbfinal - Federer s. Wawrinka 6:4, 6:3, 6:1. Erstmals stehen sich Wawrinka und Federer im Halbfinal eines Grand-Slam-Turniers gegenüber. Federer hatte zuvor zum siebten Mal in Cincinnati gewonnen, im Final Djokovic bezwungen und diesen mit seinem Halbvolley-Return «Sabr», geschlagen kurz hinter der T-Linie, verunsichert. Der fünffache US-Open-Sieger besiegt Wawrinka und zieht erstmals seit sechs Jahren in den Final ein. «Wenn er so spielt, ist er nur schwer zu schlagen», sagt Wawrinka. Trotzdem gewinnt tags darauf Novak Djokovic.
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2015 - French Open - Viertelfinal - Wawrinka s. Federer 6:4, 6:3, 7:6. Im fünften Anlauf gelingt Wawrinka der erste Sieg gegen Federer auf Grand-Slam-Stufe, der dritte insgesamt, der dritte auf Sand. Zwar hatte er einen Monat zuvor in Rom den Schweizer Halbfinal gegen Federer verloren, dort aber zuvor Rafael Nadal ausgeschaltet. In Paris deklassiert er Federer. «Stan war in allen Belangen besser, ich hoffe, er holt jetzt auch den Titel», sagt der Unterlegene. Er behält Recht: Wawrinka bezwingt im Final den favorisierten Novak Djokovic im «Spiel meines Leben».
2014 - Wimbledon - Viertelfinal - Federer s. Wawrinka 3:6, 7:6, 6:4, 6:4. Wawrinka gewinnt im Januar die Australian Open, und er ist in der Weltrangliste als Nummer 3 direkt vor Federer klassiert. Zudem hat er mit dem Final von Monte Carlo das letzte Duell gewonnen. Aber wegen Regens hatte der Romand vor der «Battle of Switzerland», wie britische Medien martialisch titeln, an drei Tagen hintereinander spielen müssen. Nach dominantem Start schwinden die Kräfte. «Er bewegte sich immer langsamer», beobachtet Federer, der im Final gegen Novak Djokovic verliert.
2011- French Open - Achtelfinal - Federer s. Wawrinka 6:3, 6:2, 7:5. Obwohl er die Nummer 14 der Welt war, geht Stan Wawrinka zum achten Mal im neunten Duell als Verlierer vom Platz. «Ich habe ein Problem mit Federer. Wir haben eine sehr starke Beziehung zueinander. Ich weiss nicht, ob man von einer Blockade sprechen kann, aber auf dem Feld kann ich das nicht einfach zur Seite schieben», sagt Wawrinka danach. Federer besiegt im Halbfinal Novak Djokovic, der zuvor 41 Siege in Folge hatte feiern können. Im Final scheitert er zum vierten Mal an Rafael Nadal.
2011 - Australian Open - Viertelfinal - Federer s. Wawrinka 6:1, 6:3, 6:3. Wieder ist Federer Titelverteidiger. Doch Wawrinka steigt mit der Referenz eines Sieges gegen Roddick ins Duell. In seiner Box sitzt mit dem Schweden Peter Lundgren Rogers ehemaliger Trainer, der sagt: «Stan ist jetzt ein Killer. Vorher war er viel zu sanft, zu nett.» Zu sehen ist davon dann aber kaum etwas. Ich wurde von A bis Z dominiert», sagt Wawrinka. Federer lob den Verlierer trotzdem: «Stan hat das Zeug, ein Major-Turnier zu gewinnen.»Federer unterliegt im Halbfinal Novak Djokovic.
2010 - French Open - Achtelfinal - Federer s. Wawrinka 6:3, 7:6, 6:2. Wawrinka gewinnt im April seinen zweiten Titel auf Sand, jener Unterlage, auf der er im Jahr zuvor den damals frisch verheirateten Federer in Monte Carlo bezwungen hatte. Titelverteidiger Federer hatte im Januar in Melbourne triumphiert. Stan Wawrinka, die Nummer 24 der Welt, und 2003 in Paris Junioren-Sieger, zertrümmert nach verlorenem zweitem Satz sein Racket: «Ich war total frustriert, denn ich hatte das Gefühl, dominiert zu haben.» Federer scheitert in den Viertelfinals an Robin Söderling.

2015 - US Open - Halbfinal - Federer s. Wawrinka 6:4, 6:3, 6:1. Erstmals stehen sich Wawrinka und Federer im Halbfinal eines Grand-Slam-Turniers gegenüber. Federer hatte zuvor zum siebten Mal in Cincinnati gewonnen, im Final Djokovic bezwungen und diesen mit seinem Halbvolley-Return «Sabr», geschlagen kurz hinter der T-Linie, verunsichert. Der fünffache US-Open-Sieger besiegt Wawrinka und zieht erstmals seit sechs Jahren in den Final ein. «Wenn er so spielt, ist er nur schwer zu schlagen», sagt Wawrinka. Trotzdem gewinnt tags darauf Novak Djokovic.

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Das spricht für Roger Federer

Die Frische: Marathon-Mann gegen Schnellspieler

07:10 Stunden verbrachte Roger Federer in der ersten Woche auf dem Platz. «Es ging sehr schnell. Am Wichtigsten für mich ist, dass ich mich noch immer topfit fühle.» Am Tag vor dem Viertelfinal trainierte er zwei Stunden. Nicht so Stan Wawrinka. Von Freitag bis Sonntag spielte er an drei Tagen in Folge, der Achtelfinal gegen Stefanos Tsitipas dauerte 05:09 Stunden. Es war der längste Match seiner Karriere. Insgesamt 12:27 Stunden stand er in Paris schon auf dem Platz. Den Montag verbrachte er mit Regeneration: Massage, Kältekammer, kein Training. Er sagt: «Ich werde langsam alt. Roger ist zwar noch älter, aber auch besser als ich.»

Die Bilanz: Lieblingsgegner Wawrinka

Nur gegen Novak Djokovic (47), Rafael Nadal (38), Tomas Berdych und Lleyont Hewitt (je 26) hat Roger Federer noch öfter gespielt als gegen seinen Landsmann. Doch gegen keinen hat er eine derart gute Bilanz wie gegen Stan Wawrinka. 22 der bislang 25 Duelle hat er gewonnen, davon auch alle fünf seit der Niederlage vor vier Jahren in Paris. «Roger ist der Beste, der dieses Spiel je gespielt hat. Darum freue ich mich, gegen ihn spielen zu können, auch wenn ich meistens verliere. Ich bin ja nicht der Einzige, dem es so geht», sagt Wawrinka lakonisch. Lange bekannte er öffentlich, wie viel Mühe es ihm bereite, gegen einen Freund anzutreten. Vor vier Jahren aber hatte Federer verärgert reagiert, als der Boulevard angesichts der klaren Bilanz einen «Federer-Komplex» anheftete. Allerdings erst nach seiner Niederlage.

Das spricht für Stan Wawrinka

Die Unterlage: Kopfsache Sand

Nur drei Mal hat Stan Wawrinka in 25 Anläufen besiegt, nur ein Mal in sieben Duellen bei einem der vier Grand-Slam-Turniere. Doch seine drei Siege feierte er allesamt auf Sand: Zwei Mal in Monte Carlo, dazu der einzige Sieg bei einem Major-Turnier - vor vier Jahren in den Viertelfinals der French Open auf dem Court Suzanne Lenglen, als er klar in drei Sätze gewann und danach auch das Turnier. «Auf Sand ist es für mich am gefährlichsten gegen Stan», sagt auch Federer. Der Aufschlag ist auf dieser Unterlage weniger wirkungsvoll, die Ballwechsel in der Regel länger. Allerdings liegt Federers Spiel Wawrinka nicht. Er bevorzugt Rhythmus und lange Ballwechsel. Ein Gefallen, den Federer ihm nur sehr selten macht.

Der Turnierverlauf: Epik gegen Langeweile

Wawrinka ist bislang der Mann der grossen Emotionen, das Pariser Publikum hat ihn schon bei seinem Sieg 2015 ins Herz geschlossen, doch in diesem Jahr sammelte er noch mehr Punkte. So verzückte er auf dem neuen Court Simonne-Mathieu, schenkte der Stierkampfarena, die nach dem Turnier abgerissen wird, gegen Garin und Dimitrov noch einmal zwei Höhepunkte und berauschte die Franzosen mit dem Spiel des Jahres gegen Tsitsipas. Federers Auftritte waren hingegen zu einseitig, um als Projektionsfläche grosser Emotionen zu dienen. Zudem fehlte ihm im Turnierverlauf bisher ein echter Gradmesser. Wawrinka ist der erste Gesetzte, auf den er trifft. Die Ungewissheit, wie gut er auf Sand gegen die Besten spielt, ist gross.

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