Ski-WM St. Moritz

Schweizer verpassen die Medaillen im Super G — dafür jubeln Schweizer Trainer, die im Ausland arbeiten

Nach dem Super-G der Frauen stand am Mittwoch der der Männer auf dem Programm. Nach Lara Guts Bronzemedaille waren die Chancen auf eine weitere Schweizer Medaille gut. Doch die Schweizer hatten ihre Mühe mit der Piste. Carlo Janka fuhr als einziger Schweizer in die Top 10.

Martin Probst
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Erik Guay gewinnt völlig überraschend den Super-G der Männer in St. Moritz.
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Kjetil Jansrud aus Norwegen schafft es auf den zweiten Platz.
Der Kanadier Manuel Osborne-Paradis jubelt über seinen überragenden dritten Platz.
Der Norweger Aleksander Kilde reagiert auf seine zwischenzeitige Podiumsplatzierung. Im späteren Rennverlauf fällt der Norweger allerdings zurück.
Carlo Janka ist im Super G der beste Schweizer (8. Platz).
Enttäuscht: Beat Feuz muss seinen Medaillen-Traum begraben.
Beat Feuz fährt solid, aber nicht brillant. Er verpasst die Medaillen.
Sichtlich enttäuscht: Mauro Caviezel schafft es knapp in die Top 20.
Patrick Küng fällt sogar auf den 22. Platz zurück.
Vincent Kriechmayr lag lange vorne, wurde dann aber von den Norwegern, und schlussendlich dann von Guay entthront.
Der Österreicher Kriechmayr jubelte im Ziel über seine gute Fahrt.
Vincent Kriechmayr aus Österreich.
Der Franzose Adrien Theaux während dem Super-G von St. Moritz.
Marcel Hirscher konnte auch nicht überzeugen.
Der Deutsche Josef Ferstl während dem Super-G von St. Moritz.
Max Franz aus Österreich im Sprung während dem Super-G von St. Moritz.

Erik Guay gewinnt völlig überraschend den Super-G der Männer in St. Moritz.

Keystone

Ausreden braucht es nicht. Die Schweizer Männer haben im Super-G enttäuscht. «Es wäre viel mehr möglich gewesen für uns. Jetzt muss jeder Einzelne über die Bücher und sich fragen, warum und wieso», sagt Carlo Janka, der als bester Schweizer Rang acht belegte. «Wir haben die Chance nicht genutzt.»

Zur Schweizer Tristesse im Team passte das Wetter. Während des Rennens hingen graue Wolken über der Piste. Ein kleiner Weltuntergang fast. Aber eben auch etwas Licht. Die Sonne kämpfte gegen die dunkle Wand aus Wolken. Beat Feuz, als Favorit gestartet und als 12. geschlagen, sagt: «Von den Medaillen war ich sehr weit weg. Die Enttäuschung ist gross. Aber aus Schweizer Sicht könnte die Abfahrt zum grossen Tag werden.»

Licht trotz Schatten also. Abhaken und vorwärtsschauen. Die Wetterprognose für den Samstag verspricht schon mal Sonnenschein. «In der Abfahrt ist vieles möglich», sagt Janka. Oder wie es Feuz formuliert: «Das Abschneiden im Super-G war kein Weltuntergang.» Vielleicht ein kleiner. Aber was, wenn es am Samstag nicht klappt?

«Sind wir doch ehrlich», sagt der Schweizer Männercheftrainer Tom Stauffer. «Eine Medaille im Super-G ist nur von den Medien erwartet worden. Für mich war unser Abschneiden ein Spiegel der Resultate im Weltcup.» In der Tat stand mit Beat Feuz als Dritter in Kitzbühel nur in einem von vier Saisonrennen ein Schweizer auf dem Super-G-Podest. Doch in drei Rennen war der beste Schweizer besser als Carlo Janka am Mittwoch.

Im Super-G in Val d’Isère belegte Janka Rang vier und Feuz Rang sechs. In Santa Caterina fuhr Mauro Caviezel auf Rang sieben, und in Kitzbühel erreichte wie erwähnt Beat Feuz das Podest. Einzig im Super-G in Gröden war der beste Schweizer schlechter. Dort belegte Beat Feuz als bester Rang 14.

Ein neckisches Detail: In Gröden siegte Kjetil Jansrud vor seinem norwegischen Landsmann Aleksander Kilde und Erik Guay. Weltmeister wurde am Mittwoch der Kanadier Guay, Silber holte Jansrud, und Kilde belegte Rang vier. Einzig der gestrige Bronzegewinner Manuel OsborneParadis war in Italien abgeschlagen auf Rang 26 klassiert. Dies aber mit der ungünstig hohen Startnummer 54.

Eine Erklärung?

Gibt es Parallelen? Die Piste in Gröden ist durch viele Geländeübergänge wellig. Auch in St. Moritz hatte es im WM-Super-G viele Wellen. «Ich war nie ein Spezialist für die Wellen», sagt Feuz. Ist das die einfache Erklärung, warum es am Mittwoch nicht geklappt hat mit der erhofften Schweizer Medaille? Dagegen spricht das Resultat von Feuz am Weltcupfinal im März 2016, als der Berner in St. Moritz den Super-G gewann. «Damals haben wir in den Tagen zuvor mit den Deutschen trainiert. Der deutsche Trainer hat dann den Super-G ausgeflaggt. Ich hatte also einen klaren Vorteil im Vergleich zur WM.»

Trotzdem: Der WM-Super-G in St. Moritz war für die Schweizer am Mittwoch eine Enttäuschung. Der Schweizer Speedchef, Sepp Brunner, sagt: «Wir wurden unter Wert geschlagen.» Sein Chef Tom Stauffer sagt: «Jetzt müssen wir einfach im nächsten Rennen zuschlagen. Zum Glück haben wir noch vier weitere Chancen dafür.»

Das Schweizer Trainerteam hat am Mittwoch die Fahrten noch kurz mit den Fahrern auf Video analysiert. Doch schon kurz danach galt die volle Konzentration der Abfahrt vom Samstag. Gefeiert wird hoffentlich dann.

Zwei Schweizer Trainer duften aber am Mittwoch trotzdem jubeln. Nämlich jene, die in Kanada oder in Norwegen engagiert sind. Bereits nach dem Super-G in Gröden titelte diese Zeitung: «Schweizer Triumph – aber nur für die Trainer.» Damals durfte der Berner Oberländer Reto Nydegger den norwegischen Doppelsieg beklatschen und Martin Rufener als Cheftrainer der Kanadier Rang drei von Erik Guay.

«Ich gönne es Martin, dass er dieses Mal den Sieger in seinen Reihen hat. Das hat er sich verdient», sagt Nydegger. «Dass dann aber der Osborne-Paradis noch Kilde vom WM-Podest gestossen hat, wäre nicht nötig gewesen.»

Schon für Swiss Ski tätig

Nydegger und Rufener waren beide schon für den Schweizer Skiverband tätig. Rufener war von 2004 bis 2011 Schweizer Männercheftrainer, ehe er sich mit Swiss Ski nicht über eine Vertragsverlängerung einigen konnte. Nach zwei Zwischenjahren als Geschäftsführer des privaten Schweizer Flugunternehmens «Swiss Jet» wanderte der ausgebildete Helikopter-Pilot mit seiner Familie nach Kanada aus, wo er seit vier Jahren als Alpin-Direktor im kanadischen Skiteam arbeitet.

Nydegger war bei Swiss Ski Europacup-Chef. Als dann 2013 ein österreichisches Trio mit dem Chef alpin Rudi Huber, dem Männercheftrainer Walter Hlebayna und dem Abfahrtschef Walter Hubmann im Schweizer Verband zu arbeiten begann, wurde es ihm zu viel und er wechselte als Trainer in das Team der Norweger.

Rufener sagt über die Schweizer Athleten: «Ich weiss nicht, ob der Druck zu gross war. Aber sie können mehr, und ich hätte mehr erwartet. Das war enttäuschend.» Mit dieser Meinung war er nach dem Super-G am Mittwoch nicht alleine.

Das Rennen zum Nachlesen im Liveticker von Anes Filan: