Schweizer verpassen den Exploit

Der Amerikaner Ted Ligety gewinnt in der Superkombination die zweite Goldmedaille an der WM in Schladming. Der Schweizer Sandro Viletta wird Fünfter, und Romed Baumann sichert Österreich mit Rang drei den zweiten Podestplatz.

Christof Krapf/Schladming
Drucken
Teilen
Skiakrobat: Der Amerikaner Ted Ligety feiert im Zielraum von Schladming den zweiten WM-Titel. (Bild: ky/Jean-Christophe Bott)

Skiakrobat: Der Amerikaner Ted Ligety feiert im Zielraum von Schladming den zweiten WM-Titel. (Bild: ky/Jean-Christophe Bott)

SKI ALPIN. Die Slalompiste auf der Planai glänzte im Scheinwerferlicht. Die Verhältnisse für den WM-Kombinationsslalom, der am Abend bei Dunkelheit ausgetragen wurde, waren alles andere als einfach. Auf einem grossen Teil des Kurses mussten die Athleten auf blankem Eis fahren. Besonders die Speed-Spezialisten taten sich damit schwer: Titelverteidiger und Abfahrtsweltmeister Aksel Lund Svindal sowie Christof Innerhofer, Silbermedaillengewinner in der Superkombination an der WM 2011 in Garmisch-Partenkirchen, schieden aus.

Erstaunlich gut kam Sandro Viletta mit der Piste zurecht. Der Engadiner zeigte einen soliden Lauf und übernahm zwischenzeitlich die Führung. Am Ende wies Viletta lediglich 25 Hundertstelsekunden Rückstand auf Bronze auf. «Ich bin zwei oder dreimal weggerutscht. Ansonsten habe ich es einfach laufenlassen. Als ich mit Bestzeit ins Ziel kam, war ich überrascht», sagte Viletta. Der 27-Jährige erlebte während der Kombinationsabfahrt einen Schreckmoment: Nach dem Panorama-Sprung tauchte vor ihm plötzlich ein Pistenhelfer auf. Weil die Stelle übersichtlich war, konnte Viletta aber mühelos ausweichen. «Ich überlegte kurz, ob ich abbremsen soll. Ich habe mich dagegen entschieden, weil ich im oberen Streckenteil stark gefahren bin», so der Bündner.

Drei Schweizer Top-zehn-Plätze

Angeführt von Viletta zeigte das Schweizer Team eine solide Leistung. Mit Silvan Zurbriggen auf Rang sieben und Carlo Janka auf dem achten Platz fuhren zwei weitere Fahrer unter die ersten zehn. Einzig Marc Berthod beging im Slalom einen groben Schnitzer und musste zurücksteigen. Zurbriggen war aber enttäuscht: «Ich habe mir viel ausgerechnet und eine bessere Plazierung in der Abfahrt vergeben. Wenn man vor dem Slalom keinen grossen Vorsprung hat, wird es als Speed-Fahrer schwierig.» Die besten Karten auf eine Medaille hatten nach der Abfahrt Ted Ligety, Ivica Kostelic und Benjamin Raich. Vor allem die Erwartungen der Zuschauer an Raich waren hoch. Der Österreicher erfüllte diese aber nicht und schied nach einem Einfädler aus. Kostelic ging seinen Lauf mit angezogener Handbremse an und wurde schliesslich Zweiter. «Es war ein schlechter und verbremster Lauf», sagte der Kroate. Sein Ziel war Gold gewesen. Denn der 33-Jährige – er war in den vergangenen Jahren der beste Kombinierer – verpasste auch in Schladming seinen ersten WM-Titel in der Superkombination. «Meine Medaille ist glücklich. Ich stehe erstmals dank der Abfahrt und nicht dank des Slaloms auf dem Kombinationspodest», sagte Kostelic.

Ligety mit Chance auf drei Titel

Am Ende jubelten Ligety und der Österreicher Romed Baumann. Für den Amerikaner war es die zweite Goldmedaille an dieser WM – er hatte bereits im Super-G triumphiert. «Ich habe mir in der Abfahrt eine gute Position erarbeitet. Darauf bin ich stolz, denn ich habe mich während der Trainings auf der Planai nicht wirklich wohl gefühlt», sagte Ligety. Die Abfahrt hätte Druck von ihm genommen. «Deshalb konnte ich im Slalom mit dosiertem Risiko fahren.» Der 28-Jährige kann sich am Freitag im Riesenslalom eine weitere Goldmedaille sichern.

Den Exploit für Österreich schaffte Baumann. Er hatte nach der Abfahrt geführt und sicherte sich im Slalom unerwartet Bronze. Für die Gastgeber war es erst die zweite Medaille an der Heim-WM. «Nachdem Benjamin Raich ausgefallen war, lastete der Druck einer ganzen Nation auf mir. Ich bin froh, dass ich damit umgehen konnte», sagte Baumann.